Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Hoffnung auf Abgang verflüchtigt sich

Internationaler Markt

Prognosen und Empfehlungen zu Ölinvestments, die von Bankern ungefragt in die Welt posaunt werden, passen nicht mit dem steten Anstieg der Ölpreise zusammen. Um ihr Ansehen wenigstens vor dem Spiegel zu retten, sehen sich die Emittenten derartiger Botschaften mittlerweile gezwungen, diese an die Realität anzupassen. Sie sinnieren öffentlich über die Bodenbildung der Ölnotierungen und ihre Trendwende. Ein Blick auf die Heizölpreise offenbart, dass beides längst stattgefunden hat.

Liebhaber extremer Preisansagen würden das nicht unterschreiben. Ihre Anpassungsfähigkeit geht derzeit nur soweit, Preise für Nordseeöl Brent im Bereich zwischen 20 und 30 Dollar pro Barrel anzukündigen. Aktuell notieren diese um 62 Dollar, Tendenz steigend. Andere Akteure der Zunft sind erbost über die Realitätsferne des Preisgeschehens. Ihre Feststellung könnte in Trapattoni-Deutsch so klingen: Was erlauben Ölpreis, wenn Angebot voll und platzen Lager. Nun gut, wer den Schaden hat, sollte den Spott nicht fürchten, schon gar nicht, wenn der Schaden ohnehin sozialisiert wird. Dafür sind heute Notenbanken da.

Zurück zu dem, was wahrscheinlich einer kritischen Bestandsaufnahme standhält. Der Markt ist nicht mehr ganz so üppig versorgt, wie bisher angenommen wurde, weil Libyen und Irak Ausfälle zu beklagen haben. Im ersten Fall muss der Totalausfall einkalkuliert werden. Im zweiten Fall dürfte es ein temporäres Ereignis sein. Die USA erhöhen ihre Produktion noch bis ins zweite Quartal hinein. Danach wird sie nicht weiter wachsen oder sogar ein wenig nachgeben. Der auf Schieferöl basierende Teil der Produktion, der mit Fracking-Technologie gehoben wird, kann bei Bedarf und Gewinnaussicht relativ schnell gesteigert werden. Wenn die Ölnotierungen in den USA in den Bereich von 80 Dollar pro Barrel kommen, dürfte das der Fall sein. Die US-Förderung wird sich in den kommenden Jahren wahrscheinlich zu dem entwickeln, was früher für die saudische Förderung galt. Sie wird das steuerbare Korrektiv auf der Angebotsseite des Ölmarkts werden. Von dem erwartet man eine gewisse Preisstabilisierung. Die wird allerdings solange nur schwer zu bekommen sein, wie die Geldflut nicht beseitigt wird. Mehr als der reale Ölmarkt sorgt das umhermarodierende Geld für exorbitante Ölpreisschwingungen, denn Geld ist viel schneller als jedwedes Realmarktgeschehen.

Heute Morgen schwingen die Ölnotierungen mit moderater Amplitude auf und ab. Gleiches gilt für den Dollar. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 585,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 53,16 Dollar und in London zu 61,83 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8811 Euro . Damit kostet der Euro 1,1349 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise klettern weiter aufwärts, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Die Bewegung wird steiler. Sie zwang uns, den Trendkanal anzupassen. Begründet wird das nun unter anderem mit der Reduzierung der Überversorgung im Ölmarkt.

Die Orderzahlen im Binnenmarkt bäumen sich noch einmal auf. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, zeigt das an. Es wird von enttäuschten Hoffnungen auf tiefere Preise gespeist. Diese Interpretation folgt aus der Veränderung der Lesereinschätzung. Sie steht nun mehrheitlich auf Preisanstieg. Einige Meinungswechsler haben, um Schlimmeres zu vermeiden, noch schnell Heizöl bestellt.

Die Beobachter, die weiterhin auf tiefere Preise setzen, werden sich eventuell vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das gibt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur noch in den längerfristigen Bereichen abwärts, wobei sie auch dort grenzwertig sind. Diese Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Heizölpreise nicht mehr nahe, die noch bestehende Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung steckt in einer 55/45 Situation für Preisanstieg.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, der in den letzten Monaten aufgelaufen ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl für diesen Winter im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, können Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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