Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Immer gewinnen geht nicht

Internationaler Markt

Ein US-Konjunkturindex lässt die Finanzszene jubeln. Er heißt Empire State und er schoss im Januar rasant in die Höhe. Aktien- und Ölkurse wurden gestern mitgerissen. In das gleiche Horn wie der Index blasen IWF und Weltbank. Sie sehen die globale Konjunktur auf gutem Wachstumskurs und die Dauerkrise auf dem Rückzug. Ob die Menschen in den reichen Industrieländern dadurch glücklicher werden, weniger Afrikaner nach Europa drängen und asiatische Arbeiter bessere Bedingungen bekommen, teilen die Produzenten der ökonomischen Kennzahlen und Meinungen nicht mit. Sie lassen uns aber wissen, dass die Welt mehr Öl brauchen wird.

Generell stellt diese Annahme derzeit kein preisrelevantes Problem dar, weil das Angebot allemal ausreicht, um jede denkbare Nachfrage zu befriedigen. Im Zusammenhang mit den US-Bestandsdaten wirkte sie gestern aber dennoch bullisch. Die Ölvorräte gingen in der letzten Woche stärker zurück als erwartet. Allein diese Zusammenfassung der einzelnen Lagerbewegungen verstärkte den Kursanstieg der Ölpapiere. Die später folgende Auseinandersetzung mit den Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) relativierte den Lauf. Im Einzelnen wurde Folgendes zu Protokoll gegeben:

Rohöl: -7,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 2,5 (DOE) bzw. 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung sank auf 90 Prozent. Der starke Abgang beim Rohöl ist einer deutlichen Senkung der Ölimporte geschuldet. Das geschieht nicht, weil Öl knapp ist, sondern weil sich nicht mehr Ölprodukte verkaufen lassen, für die das Rohöl benötigt wird. In den USA gibt es reichlich davon, so dass das nicht importierte Rohöl dem Weltmarkt zur Verfügung steht. Der bullische Eindruck entpuppt sich als bärisch. Anders sieht es bei Heizöl und Diesel aus. Hier wurde das Minus durch die Kältewelle in den USA ausgelöst. Das ist in der Tat ein bullischer Umstand. Er ist mittlerweile beendet. Die Zunahme bei Benzin ist hingegen eindeutig bärisch. Man fährt in dieser Zeit zu wenig Auto in den USA. Der Rückgang der Raffinerieauslastung ist sowohl der Kälte als auch der unzureichenden Nachfrage geschuldet. Die Wirkung ist damit neutral. Im Detail sind die US-Bestandsdaten somit keineswegs bullisch. An den Ölbörsen wurde diese Erkenntnis bereits gestern Abend durch eine Teilrücknahme des Kursanstiegs eingepreist.

Der durch die Konjunkturzahlen ausgelöste Jubel schlug sich schließlich in der Charttechnik nieder. Dieser Umstand hat eine selbstverstärkende Kursbewegung zur Konsequenz. Damit ist die gestern Morgen totgesagte Gegenreaktion wieder zum Leben erwacht. Eine dramatische Steigerung der Ölnotierungen ist aber nicht zu erwarten. Das Angebots-Nachfrage-Verhältnis steht dem entgegen. Heute Morgen dümpeln die Ölkurse auf einem gegenüber gestern erhöhten Niveau vor sich hin. Es ist noch keine Tagesrichtung zu erkennen. Ein weiterer Anstieg sollte allerdings ins Auge gefasst werden. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 908,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,11 Dollar und in London zu 106,84 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,49 Eurocent. Diese Preise kann man nach wie vor als verbraucherfreundlich bezeichnen.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise legten gestern zu. Endlich, möchte man sagen, denn die Stetigkeit des Abgangs war schon unglaublich. Der Anstieg kam auch gleich im Doppelpack daher, befeuert von den Öl- und den Dollarnotierungen. Das hört sich dramatischer an als es ist. Wir gehen davon aus, dass hier nur eine kurze Gegenbewegung auf den Preisverfall der letzten Zeit wirkt. Der Binnenmarkt ist weiterhin ein Sommermarkt im Winter mit niedrigen Margen und problemlosen Lieferbedingungen. Anders als Medien in den letzten Monaten meldeten, haben wir eine wirklich freundliche Heizzeit. Das erkennt sogar Bild.de mit einer reißerischen Schlagzeile heute Morgen an. Die Aussichten bleiben durchwachsen freundlich. Den durchwachsenen Teil knüpfen wir an einen karzinomartig aufgeblasenen Finanzmarkt. Den freundlichen Teil sehen wir in der guten Versorgungslage. Auf noch bessere Heizölpreise zu spekulieren, ist durchaus naheliegend. Wer sich daran macht, braucht etwas Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen über die Preisentwicklung. Wer Spekulieren ablehnt, kann beherzt kaufen. Heizöl war seit weit über zwei Jahren nicht so preisgünstig wie in diesen Tagen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Gute Wachstumsaussichten für die Weltkonjunktur
Gute US-Konjunkturdaten
Diverse kleinere und mittlere Lieferstörungen
US-Notenbank pumpt weiterhin viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Angekündigte Liefermengen aus der Nordsee
Weitere Steigerung der US-Exporte erwartet
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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