Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: In der Bugwelle des US-Ölbooms

Internationaler Markt

Widersprüchlicher könnte die Lage kaum sein. Einerseits war 2012 das teuerste Öljahr der Geschichte, wobei nicht der teuerste Tagespreis der Geschichte erzielt wurde. Der Durchschnittspreis für Rohöl der Sorte Brent (Nordseeöl) lag bei 111,61 Dollar pro Barrel. Der Tagesspitzenpreis betrug 126,19 Dollar. Dieser Wert wurde im Jahr 2008 mit 146,04 Dollar pro Barrel getoppt. Der Jahresdurchschnittspreis betrug damals aber nur 98,52 Dollar pro Barrel. Die Rohölnachfrage stieg zwischen 2008 und 2012 etwas stärker als das Angebot. Insofern könnte die Teuerung in Ordnung gehen.

Andererseits übertraf der Anstieg der bestätigten Reserven im gleichen Zeitraum sowohl das Produktions- als auch das Nachfragewachstum. Die hohen Reserven bilden die Grundlage für eine beschleunigte Zunahme der Produktion. Zeitweise übertrifft sie das Nachfragewachstum. In Nordamerika entwickelt sie sich zu einem Ölboom mit deutlicher Auswirkung auf den Preis. Kanadisches Rohöl wird derzeit um 65 Dollar pro Barrel gehandelt, 40 Prozent günstiger als Brent. Dass die Produktenpreise nicht im gleichen Maße sinken, liegt an Infrastrukturproblemen. Es fehlen Pipelines, die dem neuen Ölboom gerecht werden. Sobald sie vorhanden sind, wird die Lage in Nordamerika auf den Weltmarkt ausstrahlen. Das sollte innerhalb dieses und des nächsten Jahres der Fall sein.

Die Ölproduktion in den USA wird noch schneller wachsen als bisher, weil es eine Verlagerung des Bohrgeräts vom Gas zum Öl gibt. Während des vorausgegangenen Gasbooms sank der Preis so stark, dass sich nun kein Geld mehr mit dem Rohstoff verdienen lässt. Dadurch bleiben Investitionen in diesem Feld aus. Die gibt es stattdessen im Öl. In der Folge sind höhere Gas- und tiefere Ölpreise zu erwarten.

Bevor der Gas- und Ölboom Nordamerikas die Weltmarktpreise spürbar absenken kann, muss mehr geschehen als der Aufbau neuer Infrastruktur. Die USA müssen ein 1979 eingeführtes Gesetz kippen, das den Rohstoffexport verbietet. Die Energieindustrie kämpft für die Änderung. Die verarbeitende Industrie widersetzt sich, weil sie vom aktuellen Energiepreisvorteil gegenüber anderen Industrieländern profitiert. Ohne Marktvergrößerung werden sich die US-Energieunternehmen am eigenen Wachstum verschlucken. Da sie über eine der stärksten Lobbys in Washington verfügen, darf man davon ausgehen, dass die USA bald den Weltmarkt mit ihren Energierohstoffen beglücken werden.

Können Verbraucher damit entspannt in die Preiszukunft sehen? Das ist unwahrscheinlich, weil das Ende des Booms bereits absehbar ist. Zum einen gibt es für die nordamerikanische Situation keine vergleichbaren Parallelen andernorts in der Welt. Zum anderen liegen dem Boom keine neu gefunden, sondern nur neu erschlossene Rohstoffe zugrunde. Die Existenz der Gas- und Ölmengen ist in geowissenschaftlichen Statistiken schon lange vermerkt. Mit ihrem Abbau wird der verbleibende Kuchen kleiner. Wir nähern uns zwar komfortabler aber auch schneller dem Ende des irdischen Rohstoffangebots.

Darüber hinaus überfordern wir die Atmosphäre noch stärker als bisher mit den Verbrennungsrückständen der geborgenen Bodenschätze. Das Problem ist nicht so sehr, dass wir sie bergen und für unser Wohlergehen nutzen. Das Problem ist, dass wir sie maßlos verfeuern. Die vorhersehbare temporäre Lösung eines Preisproblems hat die langfristige Verschärfung dieses Problems und die beschleunigte Erhöhung der Erderwärmung zur Folge.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben moderat nach. Gestern waren ihnen die Öl- und Devisenbörse gewogen. Die charttechnische Konstellation der Ölnotierungen spricht für einen Fortgang des Abgangs. Beim Dollar-Euro-Verhältnis sieht es weniger positiv aus. Das könnte Vorteile des Ölhandels annullieren. Der Binnenmarkt ist etwas belebter als in der letzten Woche. Die Margen bleiben weiterhin niedrig. Der Preisvorteil gegenüber dem Vorjahr ist auf sieben Prozent bei 3.000 Liter Liefermenge angestiegen. Wer wenig Öl im Tank hat, sollte diesen Vorteil als Kaufgrund betrachten. Im Jahresverlauf erwarten wir noch attraktivere Gelegenheiten. Deshalb raten wir nicht zu einer Komplettfüllung. Im Tank sollte Platz für noch bessere Zeiten bleiben. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

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