Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Käufer haben eine gute Zeit

Internationaler Markt

Der Abwärtstrend der Ölnotierungen ist uneingeschränkt intakt. Unsere Einschätzung, dass die OPEC (Organisation Öl exportierender Staaten) spätestens bei Erreichen der 90-Dollar-Marke für die Sorte Brent Maßnahmen ergreifen wird, die den weiteren Preisverfall stören, trifft nicht zu. Im Gegenteil, durch Preissenkungen einzelner Mitglieder wird der Trend befeuert. Statt diesen gemeinsam zu bekämpfen, eröffnet das Kartell einen knallharten Verdrängungswettbewerb.

Die Politik dahinter ist geprägt von kurzfristigen Eigeninteressen und einer plausiblen Strategie. Eigeninteressen bestehen im Aufrechthalten auskömmlicher Erlöse für die Staatshaushalte der fast vollständig vom Öl abhängigen Staaten. Kurzfristig ist es den Anbietern egal, ob sie Einnahmenausfälle aufgrund sinkender Preise oder geringerer Verkaufsmengen haben. Bei der Entscheidung für das eine oder das andere kommt die Strategie ins Spiel.

Man kann aus Sicht eines Ölanbieters argumentieren, dass bei fallenden Preisen Verkaufsmengen reduziert werden müssen, um die Preisbildung zu beeinflussen und die zurückgehaltenen Mengen später zu einem besseren Preis verkaufen zu können. Mit diesem Ansatz startete die OPEC 1960 ihre Mission. Die Geschichte hat allerdings gezeigt, dass diese Strategie nie zufriedenstellende Ergebnisse lieferte, aus Mangel an Solidarität und an Möglichkeiten, die Politik durchzusetzen. Erfolge stellten sich bei der OPEC erst ab dem Jahr 1972 ein. Damals überschritten die USA als größter Ölproduzent der Welt ihr Peak Oil, den Höhepunkt der Förderung. Das war der Moment, ab dem Drohungen, Ölmengen zu reduzieren, zu den gewünschten Preiseffekten führten.

In diesem und den folgenden Jahren werden die USA wahrscheinlich mehr Öl fördern als 1972. Peak Oil ist einstweilen Geschichte. Und die USA sind nicht das einzige Land außerhalb der OPEC, dessen Förderung steigt. Dieser Umstand stürzt die OPEC zurück in das alte Dilemma. Um es zu überwinden, müssen die wachsenden, durch neue Technologien geförderten Ölmengen bekämpft werden. Das kann nur über den Preis gelingen. Wenn er unter die Kosten der Fracking- und Ölsand-Produktionen fällt, werden diese nach und nach eingestellt, Mengen vom Markt verschwinden und Ölpreise wieder steigen. Aus Kostensicht können sich OPEC-Mitglieder die Strategie leisten. Ihre Förderung ist 80 bis 90 Prozent billiger als die technologiegetriebene Förderung des Westens. Haushaltspolitisch ist die Strategie allerdings eine Hochrisiko- Angelegenheit. Mit dem Wegbrechen von Öleinnahmen sind Kürzungen von Sozialleistungen und Sicherheitsausgaben verbunden, die politische Destabilisierung zur Folge haben werden.

Wenn wir diese schlimmen Konsequenzen ignorieren, können wir genüsslich einer Zeit freundlicher Ölpreisentwicklung entgegenblicken. Natürlich wird der Preisrückgang dabei nicht immer so glatt verlaufen wie in den letzten Monaten. Heute Morgen ist von ihm an den Börsen beispielsweise gar nichts zu sehen. Gleiches gilt für den Dollaranstieg. Die US-Notenbank hat ihn einstweilen gestoppt. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 760,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 85,22 Dollar und in London zu 88,35 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7866 Euro . Damit kostet der Euro 1,2713 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise tasten sich an weiteren Abgang heran, wie die kurz- und mittelfristigen Grafiken der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigen. Trendgemäß müsste er kommen. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Der Binnenmarkt ist nun sehr belebt. Die Lieferzeiten sind gleichwohl weiterhin passabel. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht wieder am Höchstwert.

Die Einschätzung zur Preisentwicklung ist ebenfalls positiv, allerdings geringer als gestern. Die Mehrheit unserer Leser erwartet weiterhin tiefere Preise, wobei ein Hauch von Vorsicht vor einem Überreizen der Situation erkennbar wird.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt erneut ein Kaufsignal. Das deckt sich mit dem Kaufverhalten der Kunden und steht nicht im Widerspruch zur Preiseinschätzung der Leser. Wer auf noch tiefere Preise setzt, sollte das Geschehen eng verfolgen, um nicht von einer Gegenbewegung überrascht zu werden.

Die Preistrends weisen in allen relevanten Bereichen abwärts. Das ist natürlich eine Einladung, weiter auf noch attraktivere Preise zu spekulieren. Man sollte diese Spekulation aber nicht überziehen, sonst kann sie in einem persönlichen Misserfolg enden. Der Satz mutet in diesen Tagen, da die Preise einen echten Absturz zeigen, deplatziert an. Er muss aber gerade in so einem Moment unterstrichen werden.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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