Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Kaufwelle überzieht den Markt

Internationaler Markt

Gut versorgt oder überversorgt, das ist hier die Frage. Den wirklichen Zustand des Ölmarkts zu erfassen, ist kaum möglich. Daher kann über die Antwort trefflich spekuliert werden. Das Resultat schlägt sich im Preis nieder. Einige OPEC-Mitglieder sehen den Markt deutlich überversorgt. Damit wollen sie sagen, dass ihnen der Preis zu niedrig ist. Sie streben einen Kartell-Beschluss für die Senkung des eigenen Angebots an. Andere Mitglieder schließen einen solchen Beschluss aus. Sie sorgen sich ausschließlich um ihre Marktanteile. Der Preis ist für sie ein Kampfinstrument gegen den Wettbewerb. Wäre die Überversorgung so groß, wie viele Äußerungen das nahe legen, müsste Öl noch deutlich billiger werden.

Goldman Sachs und Morgan Stanley, zwei besonders gerissene Finanzunternehmen, posaunen in die interessierte Welt, dass es derzeit keine Überversorgung gibt, dass sie aber bei weiter steigender Produktion eintreten kann. Das hört sich plausibel an und stimmt mit einigen uns zugänglichen Daten überein. Spannender als der Wahrheitsgehalt der Aussage ist aber die Finanzstrategie der beiden Unternehmen. Denn was immer sie an Intelligentem verbreiten, hat das Ziel, sie reich zu machen. Mit einfachen Wahrheiten klappt das kaum. Da werden schon mal Finten aufgebaut, um die Finanzhorde an den Börsen in die falsche Richtung zu locken und sie dann abzukochen.

Die These von der Überversorgung bekam gestern mit der Meldung der US-Bestandsdaten Aufwind. Der relevantere der beiden Berichterstatter, das DOE (Department of Energy), legte Zahlen vor, die einen unerwartet hohen Aufbau darstellen. Die Nennung des zweiten Berichterstatters API (American Petroleum Institute), die nicht zu denen des DOE passt, wurde ausgeblendet. Im Einzelnen legten die Institutionen folgende Zahlen vor:

Rohöl: +7,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 6,8 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung fiel auf 87 Prozent. In dieser Zahl ist die Erklärung für den Bestandsaufbau bei Rohöl enthalten. Viele Anlagen sind nun wegen der Umstellung auf Winterware außer Betrieb genommen. Das Rohöl, das sie bald wieder verarbeiten werden, staut sich in den Lagern vor den Anlagen.

Nach der Veröffentlichung geschah das, was üblicherweise geschieht, wenn es zuviel von einer Ware gibt. Sie wird billiger. Heute Morgen testet die Finanzszene schon wieder die andere Richtung. Die allgemeine Stimmung deutet derzeit tatsächlich darauf hin, dass die Szene keine klare Idee hat, was sie mit der Marktlage anfangen soll. Sie weiß nicht, ob es lediglich genug oder zuviel Öl gibt. Daher schwingen die Preise. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 730,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 80,64 Dollar und in London zu 84,88 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7909 Euro . Damit kostet der Euro 1,2644 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise stehen auf dem gleichen Niveau wie gestern. Wie sie dahin kamen, zeigt die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreistendenz. Nach unserer Einschätzung wird sich das Pendeln um dieses Niveau fortsetzen. In Kürze werden wir wahrscheinlich das grüne Band des Abwärtstrends neu zeichnen müssen.

Der Binnenmarkt ist sehr belebt. Die Fähigkeiten des Handels werden gleichwohl nicht überfordert. Die Lieferzeiten sind nun allerdings länger als üblich. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht wieder auf der höchsten Stufe.

Der Glaube an günstigeres Heizöl ist wankelmütig. Die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung schwankt von Tag zu Tag deutlich. Gestern reagierten die Beobachter auf die Aufwärtsbewegung des Vortags. Die Mehrheit der bärisch eingestellten Abstimmungsteilnehmer sank. Viele von ihnen wurden zu Käufern.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt mit Ausnahme von Sachsen kein Kaufsignal mehr. Das deckt sich nicht mit dem Verhalten der Käufer. Gleichwohl ist dieses Verhalten plausibel. Nun handeln diejenigen, die die Hoffnung auf tiefere Preise aufgeben. Wer diesem natürlichen Reflex trotzt und weiterhin auf tiefere Preise setzt, braucht starke Nerven. Das Auftreten eines neuen Preistiefs in diesem Winter ist alles andere als sicher.

Die Preistrends weisen in allen relevanten Bereichen abwärts. Das ist natürlich eine Einladung, weiter auf noch attraktivere Preise zu spekulieren. Eine nennenswerte Gruppe potenzieller Käufer folgen der Einladung. Man sollte diese Spekulation aber nicht überziehen, sonst kann sie in einem persönlichen Misserfolg enden.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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