Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Kleine Störung aus Libyen

Internationaler Markt

Preisverfall kann ganz schön langweilig sein, insbesondere wenn die Finanzszene die keineswegs eindeutigen Marktdaten ignoriert und ausschließlich ihrer Stimmung folgt. Die wäre längst besser in der psychologischen Abteilung als am Börsenparkett aufgehoben. Am Freitag setzten sich die Panikattacken der Akteure fort. Sie steigerten sich mit Wiedereröffnung der Ölbörse nach dem Wochenende zur Raserei. Die Preise erreichten neue Langzeittiefs. Dann aber geschah das Unfassbare. Die Notierungen legten eine rasante Wende hin und gewannen rund drei Prozent an Wert. Was war geschehen?

Gute Konjunkturdaten aus den USA und eine Aufhellung der chinesischen Werte? Die gab es bereits am Freitag. Die OPEC reduziert ihre Lieferungen? Das ist derzeit kein Thema. Libyen muss zwei Exporthäfen wegen erneut aufflammender Kämpfe schließen und Force Majeure anmelden, das Nichterfüllen der Lieferverpflichtungen wegen höherer Gewalt. Damit geht dem Markt schlagartig ein Angebot von bis zu 0,5 Mio. Barrel pro Tag verloren. Das unvorhergesehene Ereignis wirkt wie eine OPEC-Kürzung. Und siehe da, die Finanzszene reagiert bullisch.

Nun sollte man allerdings keinen bullischen Marsch erwarten, der womöglich über Tage oder Wochen andauert. Erstens sind die fehlenden Ölmengen Libyens aufgrund des bestehenden Angebots bereits kompensiert und zweitens erwartet man im ersten Quartal 2015 einen Minderbedarf an OPEC-Öl in Höhe von 1,5 Mio. Barrel pro Tag gegenüber dem laufenden Quartal. Es wird also hart für die Finanzszene, aus dem Problem Libyens ein Versorgungsproblem für den Weltmarkt zu machen. In dieser Hinsicht ist die bullische Meldung des Wochenendes eine Ente.

Das scheint sich in der Szene bereits herumzusprechen. Die rasant gestiegenen Notierungen neigen dazu, wieder einzuknicken. Der Dollar schwingt derweil auf und ab. Zur Stunde kostet die Tonne Gasöl 562,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 58,06 Dollar und in London zu 62,18 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8029 Euro . Damit kostet der Euro 1,2455 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich aufgrund des Ausfalls Libyens einmal anderes als in den letzten Wochen. Sie fallen nicht. Sie halten das Niveau. Möglicherweise werden sie sogar ein wenig aufwärts drehen. Eine dramatische Wende der Preisbewegung ist derzeit allerdings unwahrscheinlich. Der kurzfristige Abwärtstrend ist intakt.

Am Binnenmarkt wird lebhaft aber nicht berauscht gekauft. Der Handel benötigt für die eine oder andere Lieferung sogar etwas mehr Zeit als üblich. Das liegt daran, dass im Winter mehr Eilbestellungen auflaufen. Die haben notgedrungen Vorfahrt. Logistisch sind sie Taxi- statt Busfahrten. Das heißt, sie erlauben weniger Transportmenge.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht hoch, aber nicht ganz oben. Der Glaube an noch günstigeres Heizöl ist so stark, dass die attraktive Preissituation nicht ausreicht, um eine gebührende Kaufwelle anzufachen. Spekulativ eingestellte Kunden sehen die Preise purzeln und wollen mehr davon. Und sie bekommen es. Hinter den Bestellern warten noch viele potenzielle Käufer.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt in allen Regionen Kaufsignale. Damit liegt eine Entscheidungshilfe vor. Sie wird durchaus angenommen. In der kalten Jahreszeit kommen Kunden hinzu, die keine ausgewiesenen Preisbeobachter und Schnäppchenjäger sind. Sie treffen auf einen bemerkenswert günstigen Moment mit wunderbaren Preisen. Glückwunsch.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge sollte das möglich sein, wenn nicht umgehend dann im Verlauf des Winters. Es ist allerdings Respekt vor dem Wahnsinn der Ölbörse geboten. Da wird alles andere als Logik gehandelt. Derzeit ist die Preisbildung wieder sehr stark von der wirren Psychologie der Finanzszene geprägt.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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