Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Kleine Ursache große Wirkung

Internationaler Markt

45 Dollar oder 41 Prozent, das sind die Zahlen zum Abgang der Ölpreise für die Nordseesorte Brent seit Sommer dieses Jahres. Sie sind nur ein Zwischenergebnis. Nach Lage der Dinge ist der Abwärtstrend noch nicht am Ende. In unserer Währung formuliert klingen die Werte nicht ganz so beeindruckend, 27 Euro oder 33 Prozent. Die Gemeinschaftswährung verlor im genannten Zeitraum gehörig an Wert gegenüber dem Dollar. Verbraucher dürften es verschmerzen, zumal es vor einem halben Jahr noch so aussah, als sollten sie nur mit der Euroabwertung konfrontiert werden. Im Wesentlichen wurde es aber eine Ölpreisabwertung.

Beeindruckend im umgekehrten Sinn ist die in Zahlen ausgedrückte Ursache des Ölpreisverfalls. Sie erscheint gerade zu lächerlich. Gemäß EIA (Statistikbehörde des US-Energieministeriums) steht in diesem Jahr einer globalen Ölnachfrage von durchschnittlich 91,44 Mio. Barrel pro Tag eine Produktion von 91,96 Mio. Barrel pro Tag gegenüber. Kleine Ursache – große Wirkung, das ist das Gesetz der Preisbildung am Ausgleichspunkt von Angebot und Nachfrage. Da ist erheblich mehr Psychologie als Warendisparität im Spiel.

Die Prognose zum Wachstum der US-Förderung wurde von der EIA übrigens ein wenig reduziert. Das ist eine erste Reaktion auf die durch den Ölpreisverfall erzwungene Kürzung der Investitionsbudgets für die Ölinfrastruktur. Eine Reduktion der US-Ölnachfrage sieht die EIA nicht vor. Im Gegenteil, sie geht von einem kleinen Wachstum aus. Das gilt auch für die globale Nachfrage. Sie soll sogar etwas stärker wachsen als die globale Förderung. Das klingt nicht mehr nach einer guten Voraussetzung für weiteren Preisabgang. Eine wichtige Voraussetzung liegt aus heutiger Sicht allerdings weiterhin vor. Die Konjunktur wächst nicht so, wie die Finanzszene sich das wünscht.

Gestern legte der Abgang der Ölnotierungen eine Pause ein. Es war höchste Zeit für diese Gegenreaktion. Heute Morgen geht es an den Börsen schon wieder in die gewohnte Richtung, das heißt abwärts. Ursächlich ist eine Vorabveröffentlichung zu den US-Bestandsdaten, die gewaltige Aufbauten vermuten lässt. Heute Nachmittag gibt es Klarheit dazu. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 599,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 62,95 Dollar und in London zu 66,09 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8074 Euro . Damit kostet der Euro 1,2386 Dollar .

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise markieren das nächste Preistief der letzten viereinhalb Jahre. Dieser Satz galt vorgestern, gestern und er gilt heute. Mittlerweile lösen derartige Ereignisse keinen Kaufrausch mehr aus. Heizöl könnte schließlich noch günstiger werden. So geht Deflation. Der Preis ist spitze, aber kaum jemand kauft.

Der Binnenmarkt bleibt dennoch einigermaßen in Schwung. Der Handel benötigt für die eine oder andere Lieferung mehr Zeit als üblich. Das liegt daran, dass im Winter mehr Eilbestellungen auflaufen. Die haben notgedrungen Vorfahrt. Logistisch sind sie Taxi- statt Busfahrten. Das heißt, sie erlauben weniger Transportmenge.

Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steht hoch, aber nicht ganz oben. Der Glaube an noch günstigeres Heizöl ist so stark, dass die attraktive Preissituation nicht ausreicht, um die Kaufdynamik zu befeuern. Spekulativ eingestellte Kunden sehen die Preise purzeln und wollen mehr davon. Und sie bekommen es. Hinter den Bestellern warten noch viele potenzielle Käufer.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt in allen Regionen Kaufsignale. Damit liegt eine Entscheidungshilfe vor. Sie wird durchaus angenommen. In der kalten Jahreszeit kommen Kunden hinzu, die keine ausgewiesenen Preisbeobachter und Schnäppchenjäger sind. Sie treffen auf einen bemerkenswert günstigen Moment mit wunderbaren Preisen. Glückwunsch.

Die Preistrends weisen in allen Bereichen abwärts. Die Konstellation ist natürlich eine Einladung zur Spekulation auf noch mehr Abgang. Nach Lage der Dinge sollte das möglich sein. Aktuell erwarten wir allerdings eher eine seitwärts gerichtete Suchphase. Die physische Marktlage sollte erst im Verlauf des neuen Jahres weitere Preistiefs bringen. Die realen Ereignisse strafen uns Lügen. Aktuell gilt das allerdings nicht, weil Rohöl billiger wird, sondern weil der Dollar nachgibt.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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