Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Kraftvoller Abgang

Internationaler Markt

Die Ölpreise erleben seit Mitte März einen Höhenflug. Das Wort klingt angesichts des absolut günstigen Preisniveaus im Vergleich zu den Vorjahren unpassend. Für einen vom Öl überschwemmten Realmarkt ist der Höhenflug mindestens so unpassend. Er gehört korrigiert, zumal es immer neue Anzeichen gibt, die auf eine Fortsetzung der Überversorgung weit über dieses Jahr hinaus hindeuten. Sie kommen sowohl von der Produktionsseite als auch von der Nachfrageseite. Die eine funktioniert zu gut, die andere zu schlecht.

Vorgestern schoss ein Blitz in die kontinuierlich steigende Preisbewegung. Vielleicht war es auch nur ein Gedankenblitz einiger Finanzjongleure, die ihre Wahrnehmung für einen Moment auf Realität justierten. Jedenfalls bewirkte er eine Wende der Bewegung. Die Preise drehten abwärts. Gestern kam noch mehr Abgang hinzu.

Nun gibt es allen Anlass, diesen Ausbruch von bodenständiger Vernunft nicht überzubewerten. Finanzjongleure handeln grundsätzlich irrational. Auch dieses Wort klingt eventuell unpassend. Im Rahmen der herrschenden Ökonomie handeln sie selbstverständlich rational, da sie das machen, was die wissenschaftliche Ökonomie von ihnen axiomatisch verlangt, immerfort ihren eigenen Vorteil suchen. In diesem Sinn gehören Finanzjongleure zu den wenigen Menschen, die der reinen Lehre durch ihr modellhaftes Verhalten als homo oeconomicus entsprechen. Allerdings entspricht dieses Verhalten nicht dem normalen menschlichen Sein. Wir alle sind anders, sind vielschichtiger, haben Emotionen und Empathie. Wir entsprechen nicht dem Modell des homo oeconomicus. Deshalb ist es richtig, sowohl das Modell als auch das Verhalten der Finanzjongleure als irrational zu bezeichnen.

Diese Irrationalität wird dazu führen, dass der Versuch, die Ölpreise in die Höhe zu treiben, noch nicht überwunden ist. Es ist aber wahrscheinlich, dass er erneut überwunden werden wird, so wie es Mitte des letzten Jahres geschah, als die Ölbörsen ihren ersten ordentlichen Abgang starteten. In anderen Worten, ein erneuter Rückgang der Öl- und Heizölpreise ist wahrscheinlich. Es ist nur vollkommen ungewiss, wann genau er vollzogen wird. Vielleicht begann er vorgestern. Vielleicht wird er Ende Juni beginnen, wenn die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden.

Heute Morgen geht der Abgang der Ölnotierungen weiter. Kraftvoll ist die Bewegung in diesem Moment aber keineswegs. Der Dollar nimmt die andere Richtung. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 597,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 58,67 Dollar und in London zu 65,40 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8925 Euro . Damit kostet der Euro 1,1204 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise setzen den gestern Morgen begonnenen Abgang fort. Dadurch entsteht ein kraftvolles bärisches Bild, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Es sieht so aus, als müsse nun der nächste Schritt in die gleiche Richtung folgen. So einfach werden es uns die Finanzjongleure aber wahrscheinlich nicht machen. Im Kampf um Gewinn aus steigenden Preisen kapitulieren sie sicher nicht vor der Realität, sondern nur vor sich selbst.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern stetig herein. Dynamik kommt hingegen bei der Hoffnung auf günstigeres Heizöl auf. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf mittlerem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem deutlichen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Wir sehen längerfristig wieder Preispotenzial nach unten.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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