Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Kriegspanik treibt den Preis

Sondermeldung

Die Ölnotierungen steigen aufgrund des erwarteten Kriegseingriffs westlicher Länder in Syrien unbotmäßig an. Im Tagesverlauf legten sie bisher um drei Prozent zu, Tendenz steigend. Ölrelevant ist Syrien nicht. Daher nennen wir den Vorgang unbotmäßig. Gleichwohl ist er nachvollziehbar, da die Auswirkungen eines Kriegseintritts unkalkulierbar sind. Im schlimmsten Fall droht ein Flächenbrand, in den die Großmächte USA, Russland und eventuell sogar China verwickelt werden. Der Kriegseintritt ist nach der vorausgegangenen Rhetorik ein konsequenter und ein dummer Schritt.

Im Binnenmarkt ziehen die Heizölpreise ebenfalls stark an. Vorlieferanten nehmen weitere Anstiege nun bereits vorweg.

Lesen Sie hier den heute früh verfassten Tageskommentar:

Internationaler Markt

Seit zwei Monaten steigen die Ölnotierungen. Das klingt nicht gut. Besser klingt, seit über zwei Jahren halten die Ölpreise ihr Durchschnittsniveau. Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Sachverhalt in einer stetigen Fortentwicklung des jüngsten Anstiegs gekippt wird. Die Lage im Nahen Osten und in Nordafrika wird die Notierungen allerdings noch einige Zeit hochhalten.

Öl als fossile Energieressource ist ein knapperes Gut als Gas und Kohle. Knappheit herrscht derzeit aber nicht. Seit sich die Preise auf dem aktuellen Niveau festgesetzt haben und seit unbegrenzte Finanzmittel durch Notenbanken zur Verfügung gestellt werden, lohnt sich das Bohren immer teurerer Löcher. Sie liefern mehr Öl als Menschen zu kaufen bereit sind. Beim Gas ist die Situation noch extremer. In den USA wird soviel davon gefördert, dass die Preise zusammengebrochen sind. Bei der Ölförderung wird das anfallende Gas abgefackelt, weil sich der Verkauf nicht lohnt.

Heute stellt sich die Frage nach den Grenzen des Wachstums anders dar als vor wenigen Jahren. Nicht der Mangel an Ressourcen, sondern der Mangel an Nachfrage wird eine grundlegende Veränderung einläuten. In den alten Industrieländern zeigt sich der Nachfragemangel bereits. Daran ändern auch kurze Phasen steigenden Verbrauchs nichts. Ursächlich für die Konsumzurückhaltung der Menschen sind die Energiepreise. Das aktuelle Niveau schließt bereits eine nennenswerte Zahl von Bürgern vom großzügigen Konsum aus. Jede weitere Anhebung des Preisniveaus erhöht die Zahl der Ausgeschlossenen. Es geschieht das Logische, die Konjunktur schrumpft, weil die konsumierende Masse auf Entzug gesetzt wird. Der Versuch, diesen Umstand durch den Zustrom frischen Geldes zu wenden, kann nicht funktionieren, weil das neue Geld nur an diejenigen fließt, die kreditwürdig sind. Notenbankgeld wird grundsätzlich per Kredit in Umlauf gebracht. Wer an der Grenze seiner finanziellen Möglichkeiten lebt, ist nicht kreditwürdig. Als Konjunkturmotor fallen also immer mehr Menschen in den alten Industrienationen aus. Wenn der kreditwürdige Teil der Bürger es schaffen sollte, den Konsum und damit die Konjunktur anzuheben, werden die Energiepreise weiter steigen. Dadurch werden weitere Menschen auf Entzug gesetzt und die Konjunktur wird geschwächt.

Der Umgang mit dem Geld- und Finanzsystem ist eine prinzipielle Einladung, höhere Ölpreise zu erzeugen. Dennoch werden sie wegen der konjunkturellen Bremsen vermutlich nicht davonlaufen. Es spricht mehr dafür, dass weitere Menschen auf Energieentzug gesetzt werden, als für deutlich höhere Ölpreise. Was sich seit gut zwei Jahren zeigt, ist ein neues Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Es handelt sich dabei einerseits um den klassischen volkswirtschaftlichen Preisbildungsmechanismus und andererseits um einen sozialen Misstand, auf den es derzeit keine befriedigende Antwort gibt. Regenerative Energieträger werden diesen Missstand nicht beseitigen.

Die Vorgänge in den gewalttätigen Unruheherden der Welt stören das Gleichgewicht zeitweise und sorgen für höhere Preise. Längerfristig werden sie keine Wirkung haben. Dafür spricht allein die ökonomische Abhängigkeit vieler Öl produzierender Länder von ihren Exporten. In Libyen werden diese gerade wieder aufgenommen. Als Folge tendieren die Ölbörsen heute Morgen abwärts. Die Tonne Gasöl kostet 938,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,14 Dollar und in London zu 110,84 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,77 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Die Bewegung deckt sich mit den börslichen Vorgaben. Vom Binnenmarkt kommen kaum Impulse. Der Handel ist ruhig. Die Preisaussichten sehen aktuell nicht sehr verheißungsvoll aus. Die politische Großwetterlage lässt die Rückkehr in die Mitte der mittel- und längerfristigen Abwärtstrends nicht zu. Sobald die Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika aus den Schlagzeilen verschwinden, wird die Situation freundlicher. Dann können die Heizölpreise durchaus um fünf Prozent und mehr bei 3.000 Liter Liefermenge sinken. Wer sich auf solche Spekulationen nicht einlassen mag, sollte Heizöl ordern. Argument: Es kostet deutlich weniger als vor 12 Monaten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: USA und Alliierte tendieren zur Teilnahme am syrischen Krieg
Sorge vor erneutem Ausfall Libyens als Öllieferant
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schwache US-Konjunkturdaten
Libyen nimmt erste Öllieferungen wieder auf
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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