Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Kurze Entspannung

Internationaler Markt

Die Ölpreise geben nach. Der Satz wird die hier versammelte Leserschaft durchweg erfreuen. Nur einige Erneuerbare-Energien-Fundamentalisten (EEF) mögen unzufrieden sein, weil er ihre These vom dauerhaften Anstieg der Ölpreise stört. Mehr als durch das Tagesereignis wird die These allerdings durch die Preisentwicklung der letzten Jahre konterkariert, wie diese Grafik für die Rohölsorte Brent zeigt. Der Ölmarkt ist seit dem Frühjahr 2011 ein anderer als in der gesamten ersten Dekade dieses Jahrtausends. Die stand in der Tat unter dem Stern endender Ölströme und dauerhafter Preisanstiege. Das Angebot konnte über weitere Strecken nicht mit dem Anstieg der Nachfrage Schritt halten. Die letzten zwei Jahre zeigen ein anderes Bild, das selbst Fachleute überrascht. Das Ölangebot wächst nun schneller als die Nachfrage. Das liegt einerseits am Einsatz neuer Technologien zur Ölförderung, darunter Fracking, und andererseits am Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums.

Die neuen Ölfördertechnologien kosten Geld, sehr viel Geld. Das ist grenzenlos vorhanden und reicht im Falle des Öls sogar bis in die Realwirtschaft. Diesen Vorteil genießen nicht alle Wirtschaftszweige. Dass Öl ihn genießt, verdankt es dem alten Knappheitsnimbus. Der ist zwar durch die jüngsten Entwicklungen de facto aufgehoben. Die Endlichkeit der Ressource Öl gilt aber unverändert. Ein üppiges Angebot kann es nur temporär geben, wenn viel Geld für die Entwicklung der Technologie zur Verfügung steht und wenn die Nachfrage lahmt. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein. Sollte sich die Nachfrage als dauerhaft schwach erweisen, würde das Geld zur Entwicklung weiterer Öltechnologien abgezogen werden. Ein Ölpreisanstieg wäre die unausweichliche Folge, nicht sofort, sondern nach dem Verbrauch des überschüssig geförderten Öls. Sollte die Nachfrage hingegen deutlich anziehen, würde die Ölförderung selbst mit den neuen Technologien bald wieder an die Grenzen des Möglichen stoßen. Der Preisanstieg würde postwendend einsetzen. Die seit zwei Jahren günstige Phase der Preisentwicklung, als solche wird sie zwar nicht im Vergleich zu Vergangenheitspreisen gesehen, als solche muss sie aber im Hinblick auf einst realistische Erwartungen verstanden werden, ist also nur eine Übergangszeit. Die EEF mögen sich entspannen.

Grund zur allgemeinen Entspannung gibt es nicht. Es ist angebracht, die Phase relativer Entspannung zur Vorbereitung auf andere Zeiten zu nutzen. Dabei helfen EEF mit ihrer stromfixierten Weltsicht (Sonne und Wind) leider wenig. Strom stellt nur gut 20 Prozent der hierzulande benötigten Endenergie. Dieser Anteil wird durch fehlgeleitete Entwicklungen rasant schnell teurer. Eine Energiewende, die den Namen verdient, muss sich endlich der 80 Prozent Endenergie annehmen, die gar nichts mit Strom zu tun hat. Wohnwärme gehört definitiv dazu.

Die erfreuliche Tagesbewegung der Ölpreise wird vermutlich noch keinen neuen Trend beschreiben. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass der kurzfristige Aufwärtstrend in Kürze wieder aufgenommen wird. Dass der übergeordnete Seitwärtstrend dabei verlassen wird, ist hingegen unwahrscheinlich. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 919 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,68 Dollar und in London zu 108,15 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,76 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Gestern halfen ihnen die Öl- und Dollarnotierungen einzuknicken. Der Binnenmarkt ist im Sommerloch. Er trägt nichts zum Geschehen bei. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist durch den Rückgang in keiner Weise berührt. Er steht unbeeindruckt fest. Vermutlich wird er die Preisrichtung in den kommenden Tagen und Wochen vorgeben. Die mittel- und längerfristige Entwicklung sehen wir aber durchaus positiv. Wir erwarten keinen dauerhaften Aufwärtstrend. Eher sehen wir einen erneuten Preisrückgang kommen. Der Dreijahrestrend passt dazu. Er ist klar abwärts gerichtet. Heizöl ist übrigens deutlich billiger als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte sein Umweltgewissen mit einem Kompensations-Zertifikat für den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls beruhigen. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
US-Rohölbestandsdaten sinken
Ägypten ist ein Problemfall
Rohölbedarf soll deutlich steigen
Einige kleine Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
Produktenangebot soll deutlich steigen
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen