Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Libyen überrascht

Internationaler Markt

Die Ölbörsen verabschieden Syrien als Impulsgeber mit einem Preisrückgang, nachdem die Kontrahenten durch einen soliden Verhandlungskurs demonstrierten, dass sie kein Interesse an einem eigenen Waffengang haben. Zudem überraschte Libyen mit einer Verhandlungslösung zwischen den zerstrittenen Interessengruppen, die die Wiederinbetriebnahme von 25 Prozent der landesweiten Ölproduktion erlaubt. Dass trotz dieser eindeutig bärischen Umstände nicht viel Zählbares herauskam, liegt an der Präferenz der Finanzszene für ihre internen Themen, die keinen Bezug zur Realwirtschaft haben.

Gestern brachte die Personalie des zukünftigen Chefs der US-Notenbank die Ölbörsen zu Schwingungen, die weit über das Tagesergebnis hinausreichten. Von der gesuchten Person erhoffen sich die Spieler die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik. Als ein Name von der Kandidatenliste gestrichen wurde, der mit Kritik an diesem Kurs verbunden wird, schossen die Notierungen kurzzeitig in die Höhe. Im Laufe des Tages beruhigten sie sich wieder. Die Finanzmarktaktivitäten sind seit Einführung des unbegrenzten Gelddruckens erheblich gewachsen. Sie liegen heute weit über den Volumina, die die Welt in die schlimmste Finanzkrise der Neuzeit führten. Als Folge dieser Politik jagen die Aktienbörsen trotz großer Zweifel an den Konjunkturen von einem Hoch zum nächsten. Da braut sich eine Blase zusammen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die Finanzvermögen in den Büchern sind nach Schätzung einiger Experten mittlerweile auf das Neunfache der realen Werte für Waren und Leistungen angestiegen.

Auch wenn der Ölmarkt in seiner Bedeutung für die Preise hinter der Nabelschau der Finanzszene hinterherläuft, hat er über Syrien und Libyen hinaus Aspekte zu bieten, die preisrelevant werden können. Hier ist eine Auswahl:

Nach einem dreimonatigen Rückgang erreichten die Ölexporte des Iraks im August den zweithöchsten Stand des Jahres.

Die Aussichten stehen gut, dass der Südsudan den Dauerstreit mit dem Sudan beenden wird, der zu regelmäßigen Unterbrechungen der Ölexporte führt.

Mexiko, einst die Nummer Fünf der Ölproduzenten, droht vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur zu werden. Als Grund werden ungenügende Investitionen in die Ölinfrastruktur aufgrund von überhöhten Steuerforderungen des Staates angegeben.

Die österreichische OMV hat den Zugang zu einem neuen Ölvorkommen in der Barentssee geschafft. Es umfasst bis zu 160 Mio. Barrel. Mit der Menge kann die Welt fast zwei Tage lang versorgt werden.

Die USA haben ihre Ölimporte auf die Menge von vor 20 Jahren reduzieren können. Die Kosten der Importe haben sich allerdings inflationsbereinigt verdreifacht.

Saudi Arabien will mehr Gas für die Stromerzeugung einsetzen, um den Eigenverbrauch von Öl zu reduzieren. Der ist mittlerweile auf über 25 Prozent der Produktion angewachsen. Vor 20 Jahren wurden lediglich 13 Prozent selbst verbraucht.

Die Ölnotierungen tendieren heute Morgen auf einem um die Giftgaskrise befreiten Niveau. In anderen Worten die Risikoprämie von gut sechs Dollar ist eliminiert. Die Dollarnotierungen sinken. Die Tonne Gasöl kostet 939,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,06 Dollar und in London zu 109,77 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,91 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben deutlich nach. Der Anstoß kommt von den Öl- und den Dollarnotierungen. Der Binnenmarkt ist ruhig und ohne Preiseinfluss. Wir erwarten, dass sich das mit dem näher rückenden Herbst ändern wird. Sobald die Nachfrage anzieht, werden mehr oder weniger wahrnehmbare Preisaufschläge aus dem Binnenmarkt kommen. Derzeit würden diese durch die Börsenvorgaben absorbiert werden. Die weiteren Aussichten sind moderat freundlich. Das heißt, dass wir leichte Rückgänge erwarten. Wenn viel dabei herauskommen sollte, landen die Heizölpreise im Bereich von 80 Cent pro Liter bei 3.000 Liter Liefermenge. Die Frage, ob eine mögliche Einsparung von bis zu fünf Prozent das Risiko rechtfertigt, durch die Zockerei der Finanzszene doch mehr für Heizöl zahlen zu müssen als heute, muss jeder gemäß seiner Liebe oder Aversion zur Spekulation selbst klären. Aktuell kostet Heizöl übrigens rund acht Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Wenn Sie ganz eng an der Preisentwicklung bleiben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere Smartphone-App. Sie einfach schlau zu gestalten, war unser Ziel. Schauen Sie hier, ob es uns gelungen ist.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Kritische Stimmen zur globalen Angebotssituation
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Militäreinsatz gegen Syrien vom Tisch
Libyen wird Teile der üblichen Lieferungen bald wieder aufnehmen
Schwache US-Konjunkturdaten
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion

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