Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Libyen tickt im Preis

Internationaler Markt

Es gibt gute Gründe, den jüngsten Anstieg der Ölnotierungen zu annullieren. Ein schwächerer ist die Charttechnik. Sie stand gestern bärisch. Und tatsächlich gaben die Notierungen nach. Der stärkere Grund ist ein erwarteter Rückgang der Rohölnachfrage wegen Umstellungsarbeiten vieler Raffinerien am Ende des Sommers. Weltweit rechnet man mit einem Nachfragerückgang von 2,4 Mio. Barrel pro Tag gegenüber Juli. Der Ausfall libyschen Öls wäre dadurch mehr als kompensiert. Das Stichwort Libyen hat gestern allerdings neue Fakten geschaffen. Der eingeleitete Preisrückgang wurde kassiert, als über Unruhen in den Ölhäfen des Landes berichtet wurde. Rivalisierende Interessen bringen Bevölkerungsgruppen gegeneinander auf. Gewerkschaftlich organisierte Ölarbeiter blockieren die Verschiffung, um höhere Löhne zu erkämpfen. Das Gros der Bevölkerung leidet unter dem bereits entstandenen Einnahmeausfall, bisher sind es 1,6 Mrd. Dollar, und lehnt sich gegen die Blockaden auf. Es kommt aber auch zu nicht genehmigten Verschiffungsversuchen, die die Regierung mit Waffengewalt vereiteln lässt. Die Gemengelage ist unübersichtlich. Sie wird sich sobald nicht auflösen. Für die Preisbildung ist es aus Sicht der Verbraucher tatsächlich am besten, wenn die Welt auf libysches Öl verzichten kann. Für Libyen wäre das natürlich eine Katastrophe. Noch dauert der bullische Preiseffekt des ordnungsfreien Öllandes an.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben ein wenig nach. Gestern geschah das dank eines deutlichen Dollarrückgangs gegen die Preisentwicklung der Ölnotierungen. Der Binnenmarkt ist nach wie vor ruhig. Er hat keinen nennenswerten Einfluss auf die Preisbildung. Die kurzfristigen Aussichten sind aufgrund der oben geschilderten Umstände nicht sehr freundlich. Gleichwohl ist das Angebots-Nachfrage-Verhältnis aus unserer Sicht mittel- und längerfristig ein guter Grund, um die Heizölpreise auf oder sogar ein wenig unter dem aktuellen Niveau zu halten. Wer die Spekulation auf tiefere Preise ablehnt, kann derzeit bedenkenlos kaufen. Heizöl kostet deutlich weniger als vor 12 Monaten. Risikobereite Verbraucher mögen auf den weiteren Jahresverlauf setzen. Der Preis sollte wieder in die Region von 80 Cent bei 3.000 Liter Liefermenge zurückkehren. Das wären rund fünf Prozent weniger als heute. Dieser Tipp ist selbstverständlich ohne Gewähr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Sorge vor Eskalation der Gewalt in Libyen und Ägypten
Force Majeur auf libysches Öl
Ein paar gute Konjunkturdaten aus Europa und USA
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Gute Konjunkturzahlen schüren Sorge über Ende der lockeren Geldpolitik
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Viele Länder melden steigende Ölproduktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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