Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Neue Woche, alte Probleme

Internationaler Markt

Im Markt gibt es genug Öl, um die Preise zu senken. In den Staaten gibt es aber nicht genug politischen Willen, um eine Senkung zu realisieren. Es fehlt an Kompetenz für eine friedvolle Zusammenarbeit. In politischen Debatten und Initiativen steht die Gesinnung zu einer Situation über der Verantwortung für Menschen und Lebensumstände.

Wäre Verantwortung eine praktizierte politische Kategorie, hätte sich die gegenwärtige Eiszeit zwischen Ost und West spätestens nach dem Referendum in der Ostukraine auflösen müssen. Es macht die Sackgasse deutlich, in die sich alle Parteien manövriert haben. Aber leider nimmt die aus unserer Sicht unvorstellbar dumme Entwicklung ungebremst ihren Lauf. Die nächsten Stationen sind eine Präsidentschaftswahl, die Teile der ukrainischen Bevölkerung ablehnen, und Energiesanktionen gegen Russland nach der vorhersehbar unglücklich verlaufenden Wahl. Beide Maßnahmen sind geeignet, die Lage weiter zu eskalieren.

Das Ringen des Westens um die Durchsetzung der eigenen Position mit unklarem Ziel ist nicht geeignet, die Lage in der Ukraine zum Besseren zu wenden, schlimmer noch, sie verschlechtert die eigene Situation. Spätestens wenn das russische Gas nicht mehr durch die wichtigen Pipelines in der Ukraine fließt, wird sich Europa mit einem schmerzvollen Energiepreisanstieg und als Folge mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert sehen. Bleibt zu hoffen, dass dann ein Sturm der Entrüstung über die Politik losbricht.

Die Ukraine ist ein aus vielen Bevölkerungsgruppen zusammengesetztes zerstrittenes Pulverfass. Das wird kaum durch nicht minder zerstrittene „Ordnungsmächte“ an seiner Peripherie zu beruhigen sein. Dass es diesen Mächten so schwer fällt, eine Ordnungspolitik des gegenseitigen Interesses zu entwickeln, zeugt von einer allgemeinen Ohnmacht der aktuellen Politik. Das ist ein beunruhigender Umstand.

Zu dieser Beschreibung passt der gegenwärtige Stand der Verhandlungen um das iranische Atomprogramm. Nach einer guten Ausgangslage kristallisieren sich auch dort Schwierigkeiten heraus, die das Vorhaben infrage stellen. Sollte das Abkommen nicht zustande kommen, würde Europa einmal mehr unter Energiesanktionen zu leiden haben, da es kein Öl aus dem Iran bekommen könnte.

Im Gegensatz zur Ukraine- und Iranproblematik kann der Westen derzeit wenig zur Lösung der Probleme in Libyen beitragen, die er allerdings maßgeblich mit hervorgerufen hat. Dort eskaliert der Streit unter den Bevölkerungsgruppen in militärischer Gewalt. Am Wochenende übernahm eine antiislamistische Milizengruppe das Parlament in Tripolis. An eine Wiederbelebung libyscher Öllieferungen ist derzeit nicht zu denken.

Die genannten Ereignisse schaffen trotz einer im Prinzip bärischen Marktlage beim Öl ein bullisches Klima, das sich in absehbarer Zeit wohl nicht auflösen wird. Insofern müssen Hoffnungen auf eine Rückkehr zu sinkenden Ölnotierungen gedämpft werden. Heute Morgen sind bereits wieder bullische Handelstendenzen zu beobachten. Die Tonne Gasöl kostet 916,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,41 Dollar und in London zu 110,21 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3712 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich am Rand ihrer kurz- und mittelfristigen Abwärtstrends. Sie drohen diese zu verlassen. Die Vorgaben für den Anstieg kommen hauptsächlich von den internationalen Ölnotierungen. Der Binnenmarkt ist extrem ruhig. Ein paar Rabatte in den Preisen können das Kaufinteresse nicht stimulieren. Unser Heizölkauf-Barometer steht ganz unten. Das Tiefpreis-System zeigt, wie weit wir von wirklich guten Preisen entfernt sind. Insofern ist die Zurückhaltung der Kunden naheliegend. Sie haben eine verhaltene Hoffnung, dass sich die Preise zum Besseren entwickeln, wie die Lesereinschätzung zeigt. Wir sind hierzu zunehmend besorgt. Die politische Lage ist aus unserer Sicht wirklich bedenklich. Wer Heizöl benötigt, sollte trotz der nicht optimalen Preise ordern. Im Dreijahresvergleich stehen sie gut da. Spekulationswillige Kunden müssen sich des Risikos ihrer Einstellung bewusst sein. Die große Politik arbeitet derzeit klar gegen sie. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine rutscht immer tiefer in die Krise
EU dreht an Sanktionsschraube
Libyen rutscht immer tiefer in die Krise
Libysche Ölindustrie kommt nicht auf die Beine
Atomverhandlungen mit dem Iran laufen unbefriedigend

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Ölnachfrage in Prognosen etwas reduziert
Mehr Öl aus der Nordsee im Juni
Moskau zur Zusammenarbeit mit OSZE bereit
Rezessionsgefahr in Russland

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