Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Nicht billig aber gut

Internationaler Markt

Öl wird wieder billiger. Als Verbraucher hier in Europa betrifft Sie dieser Satz leider nicht, denn der Dollar wird teurer. Die Rechnung Öl in Dollar x Dollar in Euro = Öl in Euro führt im Ergebnis zu einigermaßen stabilen Heizölpreisen. Freude an einem Ölpreisrückgang haben derzeit nur amerikanische Kunden.

Freude haben eventuell auch einige Finanzjongleure, die ihre zuletzt platzierten Prognosen nun aufgehen sehen. Gut, von den genannten Zielen, Brent knapp unter 50 und WTI um 40 Dollar pro Barrel, sind die Notierungen noch deutlich entfernt. Für high five ist es zu früh. Da der überversorgte Realmarkt wieder mehr Aufmerksamkeit erhält, muten die Zielansagen aber nicht mehr vollkommen absurd an. Die Finanzszene begründet ihre Einstellung im Wesentlichen mit der Lagersituation. Die läuft weltweit an ihre Auslastungsgrenzen. Es werden Schätzungen verbreitet, nach denen in Fernost 80 Prozent der Kapazitäten besetzt sind, in Europa sollen es sogar 90 Prozent sein und in den USA 70 Prozent. Das Zentrallager der USA in Cushing Oklahoma soll im Frühjahr volllaufen. Die Ölförderung zeige entgegen anders lautender Vorhersagen noch keine Schwäche. Sie liefert ein bis zwei Millionen Barrel Rohöl pro Tag, für die es keine Abnehmer gibt. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob die Zahlen der Realität gerecht werden.

Wenig Freude an einem erneuten Preisrückgang haben die Ölproduzenten. Ihnen werden harte Einschnitte in die Betriebsabläufe abverlangt. Besonders übel soll es um Firmen stehen, die in der Nordsee engagiert sind. Man vermutet, dass 70 Prozent der britischen Ölförderer derzeit rote Zahlen schreiben. In den USA ist die Lage nicht ganz so dramatisch. Aber auch dort versenken Unternehmen Geld in den Bohrlöchern. Die großen Gesellschaften können die Situation relativ gut durchstehen, da sie auf dicken Gewinnpolstern sitzen. Allesamt müssen sie gleichwohl Ausgaben kürzen. Das geschieht hauptsächlich bei den Investitionen in neue Quellen. Dieser Mangel könnte früher oder später zu steigenden Ölpreisen führen. Der Konjunktiv ist hier angebracht, denn es gibt eine nennenswerte Gruppe von Ölunternehmen, die mit der Situation relativ entspannt umgehen kann. Sie erhöhen sogar ihre Investitionen in neue Ölquellen und Fördertechniken. Sie verfügen über gigantische Geldreserven und produzieren zu niedrigen Kosten. Diese Firmen sitzen im Mittleren Osten. Sie werden vermutlich die Gewinner der aktuellen Ölpreisverwerfungen sein.

Heute Morgen setzt sich der Abgang der Ölpreise an den Börsen fort. Der Dollar hat derweil schon wieder einen Satz nach oben gemacht. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 570,25 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 49,86 Dollar und in London zu 58,16 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9250 Euro . Damit kostet der Euro 1,0811 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise ziehen fast waagerecht ihre Bahn. Schritt für Schritt nähern sie sich im immer noch gültigen Aufwärtstrend seiner unteren Grenze. Wenn die erreicht ist, zeichnen wir einen neuen Trendkanal. Der kann kaum anders verlaufen als seitwärts. Die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt hierzu mehr, als Worte ausdrücken können. Die 12-Monats-Ansicht macht deutlich, dass trotz des jüngsten Preisanstiegs weiterhin eine gute Preissituation vorliegt.

Der Binnenmarkt ist frühjahrsmüde. Bestellungen kommen mäßig. Hoffnungen auf tiefere Preise sind beliebt. Das Markt- und Preisgeschehen zu verfolgen, ist nun kein Massenphänomen mehr unter Ölheizern. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf einem mittleren Wert für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem klaren Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Neben ein paar Spontankäufern sind noch Beobachter im Markt, die bei tieferen Preisen zu kaufen gedenken.

Diese Beobachter werden sich eventuell vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das gibt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung steckt weiterhin in einer 50/50 Situation.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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