Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Niveau gut, Aussicht durchwachsen

Internationaler Markt

Billigere Ölpreise durchzusetzen, ist mittlerweile ein außerordentlich schwieriges Unterfangen. Die Überzeugung, dass der US-Öl-Boom vorüber sei, schafft ein tendenziell bullisches Klima unter den Finanzjongleuren. Ölleute wissen, dass der Markt auch bei sinkender US-Förderung überversorgt bleibt. Ihr Expertenwissen vermag die Preise aber nicht mehr zu senken. Dazu bedarf es extremer Impulse wie beispielsweise der Aussicht auf ein überfülltes Zentrallager. Eine überdurchschnittliche Füllung, die in fast allen Lagern vorliegt, ist nicht genug.

In den aktuellen US-Bestandsdaten deutete sich zunächst so eine Aussicht an. Die endgültigen Zahlen bestätigen diese Möglichkeit zwar für die Rohöllagerung in Cushing, Oklahoma. Ein Abbau bei den Benzinvorräten reicht aber, um den Meldungen die Spitze zu nehmen und den Finanzjongleuren die Handelsidee vom Ende des US-Öl-Booms zu erhalten. Die zuvor gefallenen Preise drehten wieder aufwärts. Im Einzelnen gaben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) folgende Zahlen zur Veränderung der US-Vorräte zu Protokoll:

Rohöl: +5,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +5,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: 0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,6 (DOE) bzw. 8,3 (API) Mio. Barrel gegenüber der Vorwoche. Die Raffinerieauslastung beträgt 91 Prozent. Die Ölbevorratung in den USA steigt nach wie vor. Sie ist auf ein extremes Langzeithoch geklettert, wie diese Grafik zeigt.

Die beeindruckt Finanzjongleure nicht mehr. Sie picken sich stattdessen ein erneutes Eingreifen saudischer Kampfflugzeuge im Jemen als willkommenen Aspekt für preistreibendes Handeln heraus. Unerwartet schlechte Konjunkturdaten aus China, die die Nachfrageaussichten dämpfen, ignorieren sie. Wie gesagt, sie kreieren sich ein bullisches Klima. Wirklich bedrohlich im Sinn unerhört steigender Öl- und Heizölpreise ist das allerdings nicht. Denn mit jedem Anstieg wird die Wahrscheinlichkeit für einen Rückgang der US-Förderung geringer, weil Projekte wieder profitabel werden. Ergo, der Preisanstieg beseitigt seine Ursache.

Heute Morgen gibt sich die Ölbörse verhalten. Eine Tagesrichtung ist noch nicht zu erkennen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 567,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 56,08 Dollar und in London zu 62,54 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9354 Euro . Damit kostet der Euro 1,0690 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise annullieren ihren gestern erzielten Rückgang, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Dass dieser Rückgang kein großer Sprung werden würde, lag in der Luft. Dass er nun so gut wie nichts einbringt, offenbart die tendenziell preistreibende Stimmung der Finanzjongleure. Ihnen sind anders lautende Marktgegebenheiten momentan egal.

Der Binnenmarkt läuft extrem ruhig. Bestellungen kleckern in homöopathischen Dosen herein. Lebendiger wirkt dagegen die Hoffnung auf günstigeres Heizöl. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf geringem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem satten Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Die wird nur schwer zu befriedigen sein.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich etwas tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie seitwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Wir befürchten, dass es aufwärts geht.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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