Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Noch Luft nach unten

Internationaler Markt

Es war lächerlich, was Finanzjongleure letzte Woche als Reaktion auf die Einmischung einer Militärallianz unter Führung Saudi Arabiens in den jemenitischen Konflikt zeigten. Da wurde Krieg um Öl gehandelt. Den gibt es nicht, weder an den Bohrlöchern noch auf den Transportwegen. Das musste die Zockerbande auch einsehen und stellte die eingegangenen Long-Positionen (Papiere auf steigende Kurse) wieder glatt. Die Ölpreise kamen von ihren merkwürdigen Preisspitzen zurück. Aus Sicht der Verbraucher lautet die Zusammenfassung der Aktion, außer Spesen nichts gewesen. Aus Sicht der Finanzjongleure gilt, das eingesetzte Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes, vielleicht sogar einer, der den ganzen Unsinn angefangen hat.

Nachdem die Angelegenheit an den Ölbörsen abgehakt ist, kann man sich den wesentlichen Themen der Zeit zuwenden. Das sind die zu erwartende Einigung im Atomstreit mit dem Iran und die Entwicklung der Ölflut, die den Markt überzieht. Die Frage zu den Verhandlungen der UN-Vetomächte plus Deutschland mit dem Iran lautet nicht mehr, ob es ein Abkommen geben wird, sondern nur noch wann es das Abkommen geben wird und wann die produzierten aber blockierten Ölmengen auf den Markt gelangen? Und damit ist dann das zweite Fass aufgemacht. Wie wird sich die Überversorgungslage in den kommenden Monaten entwickeln? Dazu gibt es widersprüchliche Annahmen, von denen mal die eine mal die andere als zutreffender angesehen wird.

Die eine Annahme geht davon aus, dass der Preisverfall beim Öl mit der Folge deutlich sinkender Investitionen in neue Projekte noch in diesem Jahr zu einem spürbaren Rückgang der Überversorgung führen muss. Die Preise würden nicht minder spürbar steigen bis sich ein neues Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage eingependelt haben wird. Die andere Annahme bezieht weitere technische Entwicklungen mit ein. Die Produktivität der bestehenden Förderung, insbesondere in den USA, wird gesteigert mit der Folge, dass auch ohne weitere Exploration mehr Öl auf den Markt gelangen wird. Hierfür gibt es Beispiele aus der Gasindustrie, die nach 2008 in eine ähnliche Lage geriet, wie die Ölindustrie heute. Die Gaspreise verfielen aufgrund des gewaltigen Angebots aus gefrackten Ressourcen. Explorationsbohrungen sanken dramatisch um rund 80 Prozent. Dennoch wächst die Gasförderung stetig. Diese Erfahrung weckt in der Finanzszene Skepsis zu den bisher geäußerten Preisannahmen. Einige Zockerhäuser und Beratungsfirmen stellen die selbst formulierten Preiserhöhungen für 2016 bereits infrage.

Neben den Imponderabilitäten des Angebots ist die Nachfrage ein Sack voller Fragezeichen. Wächst sie oder wächst sie nicht, ja fällt sie sogar? Bei schlechter Konjunktur ist das Wachstum mau, das ist klar. Aber selbst wenn die Konjunktur brummt, könnte die Entwicklung zur Nutzung regenerativer Energieträger einen Schwund der Nachfrage auslösen. Dann wäre an nennenswert steigende Preise gar nicht mehr zu denken. Sie merken schon, Preisprognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Deshalb lässt sich auf diesem Gebiet so trefflich spekulieren.

Heute Morgen wirken die Notierungen an den Ölbörsen wie festgenagelt. Nach dem großen Abgang zu später Stunde am Freitag herrscht Ruhe. Gleichwohl darf man ein weiteres Minus in Betracht ziehen, das auf die Heizölpreise ausstrahlen wird. Beim Dollar ist das nicht der Fall. Der zappelt derzeit auf mehr oder weniger konstantem Niveau auf und ab. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 529,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 47,99 Dollar und in London zu 55,83 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9206 Euro . Damit kostet der Euro 1,0863 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise hängen momentan in der Mitte ihres seitwärts gerichteten Trendkanals fest, wie der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Das sollte sich heute eigentlich ändern. Das späte Minus an den Ölbörsen am Freitag müsste deutliche Spuren beim Heizöl hinterlassen, zumal der Euro keine unangenehmen Gegenerscheinungen zeigt.

Im Binnenmarkt geht es eher ruhig zu. Bestellungen kleckern kläglich herein. Die Vorosterwoche lässt grüßen. Was bleibt, sind Hoffnungen auf tiefere Preise. Die werden wieder wachsen. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf mittlerem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem ausbaufähigen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Preisbeobachter werden sich vermutlich vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen, das keine Kaufsignale mehr anzeigt. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist wie immer nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung befindet sich nach unserer Einschätzung in einer 55/45 Situation für fallende Preise.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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