Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Noch im Bann der Politik

Internationaler Markt

Die Liste der bedrohten und ausgefallenen Angebote am Ölmarkt ist gut gefüllt. Iran, Libyen, Nigeria, Südsudan, Syrien, Venezuela. Für Verbraucher ist das allerdings kein Problem, da das Angebot in anderen Ländern wächst. Die wichtigsten Adressen sind USA, Kanada und Irak. Hinzu kommen viele kleine Angebotsverbesserungen bei altbekannten Lieferanten in der Region um den Persischen Golf. Die Nachfrage nimmt zurückhaltender zu als das Angebot. Eine Änderung durch einen phänomenalen Konjunkturlauf ist nicht zu befürchten. Insofern zeigt sich der physische Markt im Prinzip ungewöhnlich verbraucherfreundlich. Die Preise geben das seit dem Ausbruch der Krim-Krise aber nicht wieder. Die vom Westen initiierte Schlammschlacht um Völkerrechtsprinzipien bedroht den für Europa lebenswichtigen Energiestrom aus Russland. In Konsequenz treiben Finanzjongleure die Preise in die Höhe. Gewinner dieser Situation sind die USA und Kanada, die für ihr relativ teuer produziertes Öl bessere Preise erzielen können. Einmal mehr lässt sich das energiearme Europa von den USA eine Politik aufzwingen, die nicht dem eigenen Interesse entspricht. Im Falle des Irans geschieht das seit Jahren zu unseren Ungunsten. Und selbst die Menschen in der Ukraine dürften kein ernsthaftes Interesse an Völkerrechtsfragen haben. Dort geht es, ähnlich wie in Libyen, um die Verhinderung des Staatszusammenbruchs, um den Aufbau von Wohlstand, Lebensperspektiven, einer demokratischen Ordnung und vor allen Dingen um inneren Frieden. In den meisten dieser Fragen sind ihre ehemaligen Landsleute auf der Krim heute besser gestellt. Bleibt zu hoffen, dass die politischen Akteure diese Tatsache alsbald akzeptieren. Dann könnte man sich in der Ukraine und in Europa wieder auf die sinnvolle Entwicklung konzentrieren. Den Ölpreisen würde es gut tun.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bremsen ihren Anstieg. Aus charttechnischer Sicht ist das auch dringend nötig, um den Abwärtstrend nicht zu verlieren. Durch die politischen Ereignisse der letzten Wochen ist eine Heizöllieferung von 3.000 Liter im bundesdeutschen Durchschnitt um 76 € teurer geworden. Wenn der Trend halten sollte, kann man davon ausgehen, dass dieser Anstieg mindestens wieder annulliert wird. Andernfalls würde eine neue Situation mit noch unbekannt hohen Zielpreisen entstehen. Über Wohl und Wehe entscheiden die nächsten Tage. Der Binnenmarkt ist ruhig. Die preisbedingt eingeschlafene Nachfrage zwingt den Handel wieder zu Rabatten, allerdings mit geringem Erfolg. Die Aussichten sind für uns kaum einschätzbar. Rational betrachtet sollte der politische Spuk nun vorbei sein. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Bundesregierung gerade umfangreichen Verkäufen deutscher Öl- und Gasinfrastruktur an Russland zustimmt. Aber leider ist vieles im politischen Zirkus wie auch an den Börsen irrational. Insofern haben wir keine ausreichend wahrscheinliche Handelsempfehlung parat. Persönlich setze ich auf die Rückkehr der Vernunft und damit auf bessere Preise in den nächsten Monaten. Wer gleiches vorhat, benötigt Risikobewusstsein, ein wenig Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Viel Glück bei der Spekulation. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Nordamerika und Deutschland wollen Energiesanktionen gegen Russland
Freundliche US-Konjunkturdaten
Libyen droht zu zerreißen
Ausfälle in Nigeria
Unruhen in Venezuela

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Zweifel an Chinas Konjunktur
Irak steigert Ölproduktion
USA geben Teil der strategischen Reserven frei
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr

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