Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Noch schlafen die Bullen

Internationaler Markt

Da draußen lodern einige bullische Unruheherde. Wir können uns glücklich schätzen, dass sich deren giftiges Gemenge noch nicht an den Ölbörsen ausgebreitet hat. Dort reagiert man ausnahmsweise stärker auf bärische Einflüsse.

Im Südsudan nehmen die Kämpfe unter den verfeindeten Volksgruppen an Intensität zu. Die Ölanlagen sind bedroht. In dieser Lage entwickelt sich nun eine Koalition der ehemaligen Widersacher Südsudan und Sudan, die gemeinsame Truppen zum Schutz der Ölinfrastruktur aufstellen. Beide Länder sind von den Ölexporten abhängig. Im Südsudan wird gefördert. Durch den nördlich gelegenen Sudan gelangt das Öl per Pipeline und Seehafen in die Welt. Im Irak gewinnt Al-Kaida immer mehr Einfluss. Das Netzwerk verfügt über Truppen, die mittlerweile um die Herrschaft in einigen Städten kämpfen. Die seien nicht weit von den südlichen Ölanlagen des Landes entfernt, heißt es. Damit erhöht sich die Bedrohung der Ölströme. Bisher war lediglich die nördliche Region um Kirkuk Ziel von Anschlägen auf Pipelines. Für internationale Ölgesellschaften wird das Engagement im Irak immer unangenehmer, nicht nur wegen der Terrorgefahren, sondern auch wegen der Steuerpolitik und der überbordenden Bürokratie des Landes. ExxonMobil reduziert deshalb seine Beteiligungen an den Ölvorkommen. Einige davon gehören zu den größten Feldern der Welt. Das Gros der aufgegebenen Positionen geht an chinesische Gesellschaften. Im Jemen kam es zu einem Anschlag auf eine Ölpipeline. In Libyen, wo die Ölförderung wieder aufgenommen wird, zeigt die Bevölkerung weiterhin hohe Streitbereitschaft. Dadurch bleiben die Exporthäfen geschlossen. In allen Fällen ist Europa von den drohenden oder bereits eingetretenen Ausfällen am stärksten betroffen.

Die Lage rund um den Persischen Golf und Nordafrika ist außerordentlich fragil. Aus europäischer Sicht ist das oberste Gebot die Aufrechterhaltung der bestehenden Ölflüsse. Die Autoritäten vor Ort gehen aber weiter. In einigen Ländern gibt es ehrgeizige Pläne zum Aufbau großer Raffinerien, um die Wertschöpfung bei der Energieproduktion zu erhöhen. Offensichtlich haben die Leute, deren Lage wir für beinahe aussichtslos halten, eine andere Sicht auf die Realität als wir. An den Ölbörsen ist mal die eine, mal die andere Sichtweise dominant. Aktuell ist es eine realpolitisch optimistische. Die kann jederzeit kippen und über den Faktor Angst steigende Ölnotierungen hervorrufen.

Die beste Medizin gegen die Angst ist die Entwicklung der Ölförderung in den USA. Die Tatsache, dass einige Infrastrukturprojekte in absehbarer Zeit dafür sorgen werden, dass der ölige Erfolg besser auf die internationalen Märkte gelangen wird, hilft, die Angst und damit die Bullen zu besänftigen. Überwinden wird man sie nie. Dafür sorgt nicht zuletzt die US-Notenbank mit ihrem ausgedehnten Geldschöpfungsprogramm.

Die extreme Kälte in den USA hat übrigens keine bullische Wirkung, obwohl dadurch mehr Heizöl benötigt wird. Die Wetterbedingungen behindern den Transport. Dadurch sinkt die Nachfrage im Straßen- und Flugverkehr.

Heute Morgen steigen die Ölnotierungen. Als Gegenbewegung zum Abgang der letzten Tage entspricht das durchaus unseren Erwartungen. Gestern wurde eine ähnliche Bewegung im Laufe des Tages annulliert. Schauen wir mal, ob das heute wieder gelingt. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 912,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 93,81 Dollar und in London zu 107,36 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,44 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben erneut nach. Die Bewegung ist gering, aber immerhin besser als wir erwartet haben. Dieses Mal wird sie vom Dollar geleitet. Der Binnenmarkt ist ohne Preiseinfluss. Er läuft problemlos. Die Aussichten bleiben durchwachsen. Tendenziell stellen wir uns auf eine freundliche Preissituation für Verbraucher ein, wobei sie momentan kaum freundlicher sein könnte. Es wird aber immer wieder zu finanzmarktgetriebenen Preisanstiegen kommen, die als Spaßbremse wirken werden. Wer auf noch günstigere Heizölpreise spekulieren will, sollte das Geschehen eng verfolgen, am PC oder mit dem Smartphone. Wer Spekulieren ablehnt, sollte kaufen. Heizöl ist deutlich billiger als am Beginn der letzten zwei Jahre. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen liefert weiterhin kein Öl
Diverse kleinere und mittlere Lieferstörungen
US-Notenbank pumpt weiterhin viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schwache Konjunkturdaten aus China, USA und Europa
Saudi Arabien befürchtet erhebliches Überangebot
Weitere Steigerung der US-Exporte erwartet
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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