Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Notenbanken bleiben am Drücker

Internationaler Markt

Der Ölmarkt verändert sich so stark wie lange nicht in seiner Geschichte. Für ein paar Jahre partizipieren Verbraucher am technischen Fortschritt. Er beschert uns ein unerwartetes Angebot. Die USA scheinen nur die Spitze der Bewegung zu sein. Aber eines ist auch klar. Mehr Öl steckt nicht in der Erde. Das vorhandene Öl wird lediglich intensiver geborgen. Es ist wie mit der Flüssigkeit in einem Schwamm. Je höher der Druck, desto mehr wird ausgequetscht.

Die Situation wirkt beruhigend auf die Preise. Eine über viele Jahre ohne technischen Fortschritt getriebene Teuerung hat ihr vorläufiges Ende gefunden. Seit über zwei Jahren schwingen die Preise um einen konstanten Mittelwert. Rohöl der Sorte Brent und Gasöl, das Vorprodukt für Heizöl, sind fast preisgleich zum Vorjahr. Wahrscheinlich werden sie im Laufe der kommenden Monate sogar etwas billiger werden. Der Dollarkurs hat derzeit mehr Einfluss auf die Heizölpreise als die Ölnotierungen.

Die neuen Umstände am Ölmarkt wären ohne den Geldmarkt nicht denkbar. Die Tatsache, dass dort immer mehr überschüssiges Vermögen nach Anlage sucht, macht den Fortschritt bei der Förderung erst möglich. Es steht viel Spielgeld zur Verfügung, mit dem Neues geschaffen wird. Das Neue verspricht hohe Gewinne. Damit diese Bewegung beginnen konnte, mussten die Ölpreise zuvor steigen. Dabei ist es unerheblich, ob sie aus einer klassischen Mangelsituation der Ware (Realwirtschaft) oder als Teil des Geldmarkts (virtuelle Wirtschaft), in dem Gewinne aus sich selber heraus generiert werden, stiegen. Beide Aspekte haben Anteil am Geschehen.

Das Reale verstehen wir in rational geprägten Zeiten besser als das Virtuelle. Gleichwohl messen wir dem Virtuellen eine höhere Bedeutung zu. Das drückt sich nicht zuletzt im unersättlichen Streben nach Geld aus. Das Streben nach Waren ist hingegen begrenzt, auch wenn viele Begrenzungen das für irdisches Leben zu respektierende Maß überschreiten. Grundlage des Geldes ist der Glaube an seine Werthaltigkeit. Grundlage einer Ware ist der menschliche Bedarf. Der Glaube an das Geld ist derzeit aus nachvollziehbaren Gründen nicht sehr gefestigt. Die obersten Glaubenshüter in den Notenbanken inflationieren (entwerten) ihn durch ihr Reden und Handeln. Wenn wir aufhören an Geld zu glauben, hört es auf zu existieren. Bevor das geschieht, lassen Notenbanker Präsidenten und Kanzlerinnen ans Mirkofon treten, um uns zum Glauben zurückzuführen. Die Grundlage des menschlichen Bedarfs ist in Zeiten knapper Versorgung und hoher Bedrohung durch die Umwelt spürbar und begreifbar. Mit dem neuzeitlichen Wohlstand entfällt die Grundlage zunehmend in großen Teilen der Bevölkerung. Ökonomen und Philosophen waren sich einst sicher, dass der Wohlstand die Menschen zu einer sehr harmonischen Lebensweise führen wird. Heute konstatieren sie, dass das nicht der Fall ist. Das Empfinden für das rechte Maß ist gestört. Das führt zu vielfältigen sozialen und ökologischen Problemen.

Im Lebensalltag führt das Inflationieren des Geldes durch die Währungshüter der bedeutenden Notenbanken gemäß ihrer Deutungshoheit (Statistik) nicht zu Inflation. Das erklärte uns Mario Draghi erst wieder in der vergangenen Woche. Dieser Umstand ist nicht wirklich erstaunlich. Denn realwirtschaftlich spürbare Inflation setzt zwei Bedingungen voraus, zu viel in Umlauf gegebenes Geld und hohe Kaufbereitschaft. Geld gibt es gemäß früherer Maßstäbe in der Tat in viel zu großer Menge. Die Kaufbereitschaft des Publikums ist aber nur noch ungenügend vorhanden, teilweise weil dem Publikum das entsprechende Einkommen fehlt, teilweise weil es nicht mehr gemäß des vorhandenen Einkommens kaufen will. Eventuell ist die alte Annahme von Ökonomen und Philosophen, dass das menschliche Verlangen Grenzen kennt, doch nicht obsolet.

Herr Draghi hat, indem er auf eine extrem geringe Inflation verweist, das Öl auf seiner Seite. Sein Preis ist eine relevante Größe in der Inflationsberechnung. Wenn Öl nicht teurer wird, ist die Wahrscheinlichkeit für geringe oder sogar keine Inflation groß. Im Umkehrschluss können wir davon ausgehen, dass die Notenbanken, solange Öl nicht teurer wird, inflationieren werden. Warum sie das angesichts der Irrelevanz für die Realwirtschaft tun, ist eigentlich nur so zu erklären wie das Verdienen von Geld mit Geld. Sie tun es, weil sie es in ihrer Logik tun müssen. Das Geldsystem hat die Herrschaft über sich selbst übernommen.

Die Ölnotierungen legten in den letzten Tagen zwar zu. Ein Trend ist darin aber nicht zu erkennen. Heute Morgen deutet sich eine Bewegung in Gegenrichtung an. Die Tonne Gasöl kostet 901,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,57 Dollar und in London zu 106,06 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,71 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise befinden sich erfreulicherweise immer noch im Abwärtstrend, obwohl sie momentan steigen. Der Auftrieb kam gestern erneut von den Ölbörsen. Der Dollar bot wenig Gegenteiliges. Der Binnenmarkt ist für die Jahreszeit relativ ruhig. Sein Preiseinfluss geht gegen Null. Die weiteren Aussichten sind wenig spektakulär. Heizöl wird mittelfristig eher etwas billiger als teurer werden. Zwischenzeitliche Preisanstiege sind immer möglich. Im Hintergrund tobt schließlich ein außer Rand und Band geratenes Geld- und Finanzsystem. Die Abstiege werden keine neue Preisdimension erreichen. Für einen guten Kaufmoment können sie aber durchaus sorgen. Spekulativ eingestellte Kunden werden ihre Freude finden. Nutzen Sie die Möglichkeiten der Marktverfolgung am PC oder mit dem Smartphone. Wer es lieber sicher mag, soll wissen, dass Heizöl derzeit deutlich billiger als in den beiden Vorjahren zum gleichen Zeitpunkt ist. Sie können also beherzt kaufen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Entwicklung in Libyen
China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik

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Geringe US-Ölimporte
Ölangebot übertrifft Ölnachfrage

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