Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: OPEC pfeift im Walde

Internationaler Markt

Innerhalb der OPEC wurde man bereits unruhig ob der abstürzenden Ölnotierungen. Einige Volkswirtschaften der ölreichsten Staaten werden defizitär, wenn die Preise unter 100 Dollar pro Barrel fallen. In der letzten Dekade stiegen die Staatsausgaben so schnell wie die Ölpreise. Militär, subventioniertes Benzin, Wohltätigkeiten für die Verlierer der Gesellschaften und vieles mehr müssen zum Erhalt von Ruhe und Ordnung teuer bezahlt werden. Dazu bedarf es hoher Ölpreise. Die scheinen nun wieder gesichert zu sein. Der Abwärtstrend wurde beendet und gewendet. Es herrsche kein akuter Gesprächsbedarf mehr, hört man aus dem Kartell.

Ein Blick auf das Ölangebot und die globale Konjunktur lässt eher ein Pfeifen im Walde als die Rückkehr der Gelassenheit vermuten. Die USA benötigen für viele Jahre kaum noch OPEC-Öl. Von einst 40 Prozent Importöl fiel die Menge als Folge der gestiegenen Eigenproduktion und des reduzierten Verbrauchs auf acht Prozent, Tendenz fortlaufend. Kanada sucht händeringend nach Absatz für das ölige Ergebnis seiner Landumwandlung. Aus den derzeit im Tagebau betriebenen Ölsandfeldern könnte das Land 400 Jahre lang seinen Ölbedarf auf dem aktuellen Niveau decken. Rechnerisch entspricht das einer kanadischen Alleinversorgung der Erde über zehn Jahre. In Brasilien ringen die wachsenden Mineralöl- und Ethanolunternehmen um die Gunst der Kunden. Biomasse aus Mais und Zuckerrohr findet nicht mehr genügend Abnehmer. Der Irak schickt sich an, Saudi Arabien als potentestem Rohölanbieter Konkurrenz zu machen. Und selbst in der Nordsee ist mit weiterentwickelter Explorations- und Fördertechnik noch kein Ende der Lieferfähigkeit abzusehen.

Die Angebotslage lässt sich so zusammenfassen: Die Erde hat genug Öl zu bieten, um unsere Atmosphäre durch sein Verbrennen derart zu vergiften, dass menschliches Leben unlebenswert bis unmöglich wird. Wir sind in der Lage Techniken zu entwickeln, mit denen all dieses Öl gehoben werden kann. Heute spricht vieles dafür, dass wir nicht vom Öl verlassen werden, sondern dass wir das Öl verlassen werden, damit wir zufrieden leben können. Gleiches gilt für Gas, Kohle und Uran.

Gleichwohl wird das Ölangebot immer teurer, weil der Technikeinsatz wächst. Insofern sind steigende Ölpreise unumgänglich. Die in den letzten Jahren aufgelaufenen Preissteigerungen gehen aber nur zum Teil auf das Konto teurer Technik. Mindestens so bedeutend für die Preissteigerung ist die Existenz überschüssigen Finanzvermögens, das unter anderem ins Öl fließt. Dieses Vermögen steigt unvermindert an, weil die Produktion irrealen - d.h. nicht der Realwirtschaft gewidmetem - Geldes fortgeführt wird. Wenn die OPEC heute entspannt auf die Preisbildung blickt, muss sie mehr über die Vorgänge an den Finanzmärkten wissen als andere oder ihre Angst durch Pfeifen vertreiben. Für uns als Zaungast sieht die Lage außerordentlich labil aus. Der physische Markt ist überversorgt, die Weltkonjunktur erfüllt die Erwartungen nicht und das Finanzsystem wird mit der Gelddruckmaschine am Leben gehalten. Da muss nur ein Finanzjongleur mit dem falschen Fuß aufstehen, um die nächste Runde eines panischen Preissturzes einzuleiten.

Heute Morgen wurden die gestrigen Gewinne an den Börsen eliminiert. Eine Tagesrichtung ist daraus noch nicht zu erkennen. Hoch, runter oder konstant ist für die weitere Entwicklung möglich. Es werden Stellungsgefechte um kleine Änderungen ausgefochten. Die Tonne Gasöl kostet 835,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 88,48 Dollar und in London zu 99,66 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,45 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Das Weltmarktgeschehen läuft den Ereignissen am Binnenmarkt ausnahmsweise hinterher. Durch den Kauf-Tsunami der letzten Woche und die daraus resultierende Überforderung der Lieferfähigkeit stiegen die Heizölpreise sehr schnell. Nun, da die Kundenflut abebbt, werden Börsen- und Binnenpreise wieder zusammengeführt. Die Überhöhung aufgrund des plötzlich knappen Angebots bleibt in weiten Teilen der Republik erhalten. Es wird ein paar Wochen dauern, bis der Markt wieder ins Gleichgewicht gebracht ist. Während dieser Zeit könnten die Ölnotierungen am internationalen Markt erneut auf Abwärtstrend wechseln. Ungeachtet der vorsichtig freundlichen Aussicht stellen wir fest, dass Heizöl billiger ist als vor 12 und vor 24 Monaten. Das ist allemal ein Kaufgrund. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Kundenansturm überfordert Binnenmarkt
FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
China wächst weiterhin
Einige kleine Infrastrukturstörungen
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schlechte Konjunkturdaten aus den USA und China
US- und Nordseeförderungen steigen
Südsudan kehrt als Lieferant zum Markt zurück
Libyen produziert wieder auf Vorkriegsniveau
Saudi Arabien nimmt neues Offshore-Ölfeld Manifa früher in Betrieb
Sehr viel Öl am Markt
EIA- und OPEC-Monatsberichte nennen schwache Nachfrage
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl

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