Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Objekt einer Börsenshow

Internationaler Markt

Machen Sie sich auf ein abwechslungsreiches Programm gefasst. Die Finanzszene kreiert mit den Ölpreisen wieder großes Theater. Da jagt eine Überraschung die nächste.

Der Ölmarkt ist überversorgt. Zu dieser Aussage gibt es so gut wie keinen Widerspruch, weder aus den Kommunikationszentren der großen Investmentbanken noch aus der Ölszene. Da ist es nur folgerichtig, wenn die Finanzszene nun laut über eine Abwärtskorrektur der Ölpreise nachdenkt. Just zu diesem Zeitpunkt ziehen die Preise an. Dabei wird ein Volumen gehandelt, als gäbe es kein Morgen.

Der Dollar fällt, die Ölpreise steigen. Dieses Muster wird von Zeit zu Zeit als Begründung aus der Kiste gezogen, so auch gestern. Das klingt nach Verschiebung innerhalb des Finanztheaters. Die Richtung passt aber so gar nicht zur Erwartung einer Abwärtskorrektur der Ölpreise.

In einer Vorabmeldung zu den heute zur Veröffentlichung anstehenden US-Bestandsdaten werden Rückgänge in allen Kategorien genannt. Das klingt doch bullisch. Nach all den Zuläufen der letzten Monate ist ein Abgang allerdings eine Notwendigkeit, damit das Lagersystem überhaupt funktioniert. Zu einer Preisrallye taugt das überfällige Phänomen eigentlich nicht.

Die Nachfrage wird steigen. Davon sind sowohl die OPEC als auch die Statistikbehörde im US-Energieministerium (EIA) überzeugt, zumindest heute. Beide Institutionen korrigieren ihre Prognosen in den aktuellen Monatsberichten nach oben. Also ist das Überangebot am Ende? Nein, das Angebot wird auch steigen, bei der OPEC mehr als bei Nicht-OPEC-Anbietern. Zusammenfassend prognostizieren die Institutionen höhere Ölpreise als zuvor für dieses und deutlich niedrigere Ölpreise als zuvor für das kommende Jahr. Aktuell liegen die Ölpreise bereits über den für 2015 vorhergesagten Durchschnittspreisen.

Die US-Ölproduktion wurde überschätzt. Die EIA korrigiert sie nach untern, ein klein wenig. Wenn die Preise steigen sollten, wird die Produktion auch steigen und die Preise wieder abwärts drücken. Das ist eine weitverbreitete Meinung unter Analysten. Muss man, um einen solchen Beitrag leisten zu können, wirklich Analyst sein? Und sind wir nach Übermittlung der neuen Erkenntnisse schlauer? Wohl kaum. Aber schön, dass man all die Widersprüche zu unserer Unterhaltung aufführt.

Wer mit Öl und anderen Rohstoffen heizt, kann sich dem Theater um die Preisbildung nur schwer entziehen. Gleiches gilt für Aktienbesitzer. Die zeigen allerdings immer deutlicher, was sie davon halten. Gar nichts. Der Rückzug privater Personen aus diesem Umfeld nimmt zu. Er beunruhigt die Finanzszene. Entsetzt nimmt sie zu Kenntnis, dass ihre gewinnbringenden Kunden einfach gehen. Wen wundert das?

Nach der Preisrallye gestern herrscht heute Morgen Ruhe an den Ölbörsen. Der Gewinn wird verdaut. Eigentlich verlangt er eine Gegenbewegung. Schauen wir mal, was der Nachmittag mit den US-Bestandsdaten in dieser Angelegenheit zu bieten hat. Der Dollar fällt. Es reicht aber nicht, um den Heizölpreisen einen satten Anstieg zu ersparen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 612,50 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 61,14 Dollar und in London zu 67,18 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8896 Euro . Damit kostet der Euro 1,1241 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise werden von den Börsenvorgaben aufwärts getrieben, wie der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Mit der realen Versorgungslage am Ölmarkt hat das nichts zu tun. Die ist komfortabel. In den Preisen kommt die Spielsucht der Finanzjongleure zum Ausdruck.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern stetig herein. Mehr Dynamik kommt in der Hoffnung auf günstigeres Heizöl auf. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf niedrigem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem satten Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Die wird mal wieder jäh enttäuscht.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Wir sehen längerfristig wieder Preispotenzial nach unten.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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