Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Ohne Herrn Draghi wären sie schöner

Internationaler Markt

Zahlen wirken, mehr als Worte, wie Fakten. Sie sind es nicht. Nehmen Sie Roulette. Solange die Kugel rollt, ist jede Zahl ein Spekulationsobjekt. Im wahren Leben rollt die Konjunktur ständig. Deshalb ist das faktische, was Konjunkturdaten zu vermitteln versprechen, eine Illusion. Ihre Bewertungen sind erratisch. Der Zufall will es, dass über China vorgestern wunderbare und heute hässliche Zahlen zu lesen sind. Sie unterstreichen die Fehlbarkeit zeitgemäßer Datensammelleidenschaft. Nun ist China groß, vielfältig und geheimnisvoll. So charakterisiert man den US-Ölmarkt üblicherweise nicht. Aber selbst in diesem begrenzten Gebiet werden ähnlich verwirrende Zahlen zu Tage gefördert. Das gilt aktuell für eine erste Veröffentlichung zu den Bestandsdaten der letzten Woche. Sie sind nicht in das Bild vom Markt einzuordnen. Da wird von gesunkenen Rohöl- und gestiegenen Produktenvorräten berichtet. Dabei läuft die Förderung so hoch wie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr, während die Verarbeitung an Raffinerien durch Streiks und Wartungsarbeiten teilweise lahmgelegt ist. Man hofft, durch die zweite Veröffentlichung heute Nachmittag ein verständlicheres Bild der Marktlage zu erhalten.

In die Kategorie Verständlich werden indes die Zahlen des EIA-Monatsberichts (Statistikbehörde im US-Energieministerium) eingeordnet, die ebenfalls gestern herauskamen. Sie zeigen weiterhin mehr Angebot als Nachfrage oder mehr Förderung als Verbrauch bis über das Jahr 2016 an. Mindestens in diesem Jahr soll die globale Überversorgung sogar noch zulegen. Die USA bauen ihre Förderung trotz der niedrigen Ölpreise weiter aus. Sie nähern sich einer 50-prozentigen Eigenversorgung, die sie vermutlich vor Ablauf des Jahrzehnts erreichen werden. Das wird China nicht schaffen. Die Öl-Eigenversorgung liegt dort unter 40 Prozent, Tendenz fallend. Der Pro-Kopf-Verbrauch beträgt mittlerweile 1,3 Liter am Tag. Zum Vergleich, ein durchschnittlicher US-Bürger verbraucht täglich „nur noch“ 9,6 Liter Öl. Die OPEC wird gemäß EIA-Bericht weiterhin mehr Rohöl fördern als sie sich selbst per Quote erlaubt. Ihre Reservekapazität beträgt gegenwärtig knapp zwei Millionen Barrel pro Tag.

„Faktisch“ dürfen die EIA-Zahlen auch nicht genannt werden, da sie im Wesentlichen Prognosen sind und, genau wie Konjunkturdaten, mit Hilfe von Rechenmodell generiert werden. Man schenkt ihnen gleichwohl mindestens den gleichen Glauben wie ihren Konjunkturschwestern. Dieser Glaube sorgt an den Ölbörsen für bärische Stimmung. Die Ölpreise purzeln. Heizölpreise in Europa gehen da kaum mit. Ihnen kommt der niedergehende Euro in die Quere.

Heute Morgen geben sich alle Notierungen an den Börsen, Dollar eingeschlossen, zugeknöpft. Sie dümpeln seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 560,75 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 48,77 Dollar und in London zu 56,54 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9361 Euro . Damit kostet der Euro 1,0682 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise geben ein wenig nach. Nun sind sie also am unteren Rand ihres noch gültigen Aufwärtstrends angekommen. Das passende Bild dazu ist die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz. Dorthin werden wir in Kürze einen neuen Trendkanal zeichnen. Gegenwärtig kann dieser nur seitwärts gerichtet sein. Um die Qualität der aktuellen Preise einordnen zu können, empfiehlt sich ein Blick auf die 12- oder 36-Monats-Ansicht in der Grafik. Beide machen den Vorteil gegenüber früheren Heizölpreisen deutlich.

Der Binnenmarkt ist still und müde. Bestellungen kommen dürftig. Hoffnungen auf tiefere Preise sind beliebt. Das Markt- und Preisgeschehen zu verfolgen, ist kein Massenphänomen mehr unter Ölheizern. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf einem tiefen Wert für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem deutlichen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Neben ein paar Spontankäufern sind noch Beobachter im Markt, die bei tieferen Preisen zu kaufen gedenken.

Diese Beobachter werden sich eventuell vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen. Das zeigt derzeit keine Kaufsignale. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist leider nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung steckt in einer 55/45 Situation für Preisnachlass.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen