Unseren neuen Kommentar für den 02.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Physischer Markt ohne Impulse

Internationaler Markt

Die Politik bestimmt zurzeit das Geschehen an den Ölbörsen. Der G20-Gipfel hat begonnen, hat aber auf fast allen Gebieten bisher nichts gebracht. Insbesondere die Frage über eine Lösung des Syrienkonflikts wurde kaum besser behandelt als in den letzten Tagen. Die USA stehen mit ihrer Forderung nach einem raschen Militärschlag fast allein. Die Mehrzahl der Schwellenländer fürchten weltwirtschaftliche Folgen, wie einen steigenden Ölpreis. Aber auch Hilfsorganisationen und Internationaler Währungsfonds bilden eine ungewohnte Koalition für eine politische Lösung. EU-Kommissionspräsident Barroso hält die globale Erholung immer noch für anfällig und warnt vor übereiltem Handeln.

In den Fragen der Finanzsicherheit, also Regelung der Finanzbranche, Staatsschulden und Geldpolitik, sind ebenfalls lediglich vereinzelt Stimmen für ein gemeinsames Handeln zu vernehmen. Aber auch diese Äußerungen scheinen Lippenbekenntnisse zu sein. Das Treffen wird, auch durch den Syrienkonflikt verursacht, von einer Stimmung des Misstrauens begleitet. Die eigenen Interessen drohen die Idee des gemeinsamen Vorankommens zu verdrängen. Eine Richtungsentscheidung wird es wohl auch in diesen Fragen auf diesem Treffen nicht geben. Das bedeutet weiterhin je nach Bedarf eine an unilateralen Interessen ausgerichtete lockere Geldpolitik und die ungehemmte Wette auf lebensnotwendige Ressourcen. Unabhängig von der Energiewende in Deutschland und unabhängig vom Heizöl verursacht dieses mutlose Aussitzen eine Verteuerung von Energie.

Dabei wurden gestern wieder die Daten über die Veränderung in den US-Beständen veröffentlicht. Kurzfristig sanken die Ölnotierungen, erholten sich aber praktisch sofort wieder. Sie wurden von einem bis zu diesem Zeitpunkt starken Euro und guten Wirtschaftsdaten gestützt. Letztlich waren die Zahlen unspektakulär und wenig aussagekräftig. In ihrer Bedeutung blieben sie hinter den anderen aktuellen Geschehnissen zurück. Dennoch sollen die Werte nicht unerwähnt bleiben. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, nahmen folgende Veränderungen zur Vorwoche auf:

Rohöl: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -4,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,1 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 3,1 (DOE) bzw. 4,7 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg leicht auf knapp 92 Prozent. Der Abbau blieb hinter den Erwartungen zurück und auch die Kraftstoffnachfrage der USA bleibt nahezu unverändert gering.
Zurzeit herrscht ängstliches Abwarten an den Ölbörsen. Die Befürchtungen der Kritiker eines Militärschlages bezogen auf etwaige negative Folgen für den Ölpreis bestätigen wir, sofern dies überhaupt ein taugliches Argument in dieser eher ethischen Frage ist. Solange der Militärschlag nicht erfolgt ist, verlaufen die Veränderungen in einem einigermaßen normalen Rahmen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 959,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,30 Dollar und in London zu 115,18 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,15 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen wieder an. Der Anstieg rührte gestern von einem ordentlichen Abschwung des Eurokurses her. Als Ursachen wurden starke Wirtschaftsdaten aus den USA genannt und das schwache Auftreten der europäischen Vertreter auf dem G20-Gipfel. Im kurzfristigen Aufwärtstrend wendet der Heizölpreis wieder nach oben, nachdem er von seinem Höchstwert wieder herunter kam. Im mittelfristigen Preisband scheint er am oberen Rand festzukleben. Wir befürchten ein weiterhin weitgehend isoliertes Vorgehen der USA im Syrienkonflikt mit den bereits beschriebenen Folgen für den Ölpreis. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Sorge vor Totalausfall Libyens als Öllieferant
Kritische Stimmen zur globalen Angebotssituation
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Britisches Parlament lehnt Militäreinsatz gegen Syrien ab
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion
Eventuell werden strategische Reserven freigegeben

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