Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Profiteure der Chinasorgen

Internationaler Markt

Impulsgeber des Tages hätte gestern der gesunkene Ölvorrat in den USA sein können. Impulsgeber hätte auch die Ansammlung von Konjunkturdaten für die EU und die USA sein können, die allesamt recht freundlich sind. In beiden Fällen hätten die Ölnotierungen deutliches Aufwärtspotenzial in höhere Preise umsetzen können. Aber es kam so, wie Steinbrück singt: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“

Bezüglich der Ölvorräte kommt „Butter bei die Fische“. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, meldeten nur sinkende Zahlen über die wöchentliche Lagerbewegung. Das hatten sich Finanzjongleure anders vorgestellt. Sie handelten dann einfach nach ihren Vorstellungen und nicht nach den Zahlen, die wie folgt lauten:

Rohöl: -2,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,9 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 5,4 (DOE) bzw. 3,0 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt gute 92 Prozent. Um die Finanzjongleure nicht als vollkommene Autisten dastehen zu lassen, sei erwähnt, dass die US-Ölproduktion auf ein 23-Jahres-Hoch geklettert ist, dass die sommerliche US-Benzinnachfrage erneut schwach ist und dass die Vorräte trotz des kräftigen Rückgangs der letzten Wochen immer noch auf einem sehr komfortablen Niveau stehen. Das alles sind wahrlich keine bullischen Aspekte.

Bezüglich der Konjunkturdaten, die wegen ihrer Veröffentlichungsfülle wahrhaft inflationär und damit eigentlich wertlos sind, lohnt sich kein tieferer Blick. Es sei aber angemerkt, dass die Finanzszene immer noch an den Tags zuvor veröffentlichten schlechten Zahlen aus China herumlaboriert. Sie ist geschockt, dass der Weltrealwirtschaftsgarant nicht mehr den Erwartungen gerecht wird. Sollte das Wirtschaftswachstum keine sieben Prozent mehr erreichen, ergäbe sich ein ausgewachsenes Staatsschuldenproblem. In dem Fall würden wir sagen, willkommen im Club.

Der tatsächliche Impulsgeber des Tages scheint die Charttechnik gewesen zu sein. Sie trieb die Finanzszene zu Gewinnmitnahmen. Danach sieht es heute Morgen auch schon wieder aus. Mehr als eine Konsolidierung des kurzfristigen Aufwärtstrends liegt bisher allerdings nicht vor. Nach kurzer Pause könnten die Notierungen also weiter steigen. Einen langfristigen Aufwärtstrend sollte man derzeit aber nicht fürchten. Die übergeordnete Bewegung verläuft nämlich seitwärts. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 910,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,88 Dollar und in London zu 106,73 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 75,69 Eurocent. Die Werte zeigen einen deutlichen Anstieg zur Vorwoche.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Gestern waren die Ölnotierungen dafür maßgeblich. Der Dollar hielt schwach dagegen. Der Binnenmarkt ist im Sommerloch. Er trägt nichts zum Preisgeschehen bei. Die Preise beginnen am kurzfristigen Aufwärtstrend zu rütteln. Noch ist er intakt. Es ist aber gut möglich, dass sich das nun ändern wird. Die mittel- und längerfristige Entwicklung sehen wir ohnehin entspannt, da wir keinen dauerhaften Aufwärtstrend erwarten. Eher können wir uns einen erneuten Preisrückgang im Laufe des Jahres vorstellen. Diese Hoffnung leiten wir aus der Dreijahresansicht ab, in der der aktuelle Trend klar abwärts gerichtet ist. Heizöl ist übrigens deutlich billiger als vor einem Jahr. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: EU- und US-Konjunkturdaten
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
US-Ölbestandsdaten sinken
Ägypten ist ein Problemfall
Rohölbedarf soll deutlich steigen
Einige kleine Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
Produktenangebot soll deutlich steigen
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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