Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Russland agiert, der Westen lamentiert

Internationaler Markt

An den Börsen ist die Ukraine stark, als Impulsgeber für die Kursbewegungen. In allen anderen Belangen ist sie schwach, keine handlungsfähige Regierung, keine staatspolitische Linie, kein Geld, keine Nation, nur ein Staat. Er droht zu zerfallen, zunächst an den inneren Spannungen und nun an den äußeren Interessenlagen.

Kluge Leute weisen immer wieder darauf hin, dass dieser Staat weder zum Osten noch zum Westen gehören kann. Er bildet Osten und Westen in seinem Inneren ab, also kann er nur Brücke zwischen beiden Hemisphären sein. Anstatt dem Staat und seinen Bürgern auf den eigenen Weg zu helfen, zerren die Lager an ihm herum und befeuern die inneren Spannungen bis zum Bersten. Wieder sind die USA der Agent Provocateur, der Menschen mit einem unzeitgemäßen Freiheitsbegriff anstiftet. Wieder stehen europäische Länder als Dackel zur Seite. Wieder fällt Russland die Rolle als Schutzmacht der Despotie zu. Keiner kann seinen eigenen Klischees entkommen. In Syrien bezahlt das Volk diese Politik mit dem Leben. Der Iran hat Glück, dass ihm Syrien dieses Schicksal (bisher noch) stellvertretend abnimmt. In Somalia, Libyen, Ägypten und anderswo hielt sich Russland zurück. Dennoch drohen die Länder zu zerfallen und ihre Bevölkerungen zu verarmen und entwürdigen. Ein arabisches Sprichwort sagt „Eine Nacht der Anarchie verursacht mehr Schaden als 100 Jahre von Tyrannei“. Vielleicht war es diese simple Weisheit, die das ägyptische Militär, Institution der Unfreiheit, Totengräber der Demokratie, zum Eingreifen bewog. Es eröffnet dem Volk eine neue Perspektive.

Russland macht in der Ukraine territoriale Beute. Gut möglich, dass dabei ein ethnisches Schlachten verhindert wird. Dem Westen gelang das in Ex-Jugoslawien nicht. Den USA haftet das Stigma der Destabilisierung an. Wer will es einer anderen politischen Tradition verdenken, dagegen zu opponieren. Eine erwachsene, weise Reaktion auf russische Fakten wäre, sie duldsam mit Gesprächen zu begleiten, zu beobachten, ob sie besser funktionieren als die eigene Politik, und den Einfluss auf den großen Akteur nicht zu verlieren. Leider wird der seit Jahren verspielt. Die pubertäre Reaktion amerikanischer Alphatiere sieht anders aus. Gespräche werden eingestellt und Drohgebärden werden aktiviert. Das stellt Gegnerschaften klar, nicht mehr und nicht weniger.

An den Ölbörsen freuen sich Bullen über kriegsschwangere Phantasien. An den Aktienbörsen spielen sie dann die Leerverkaufskarte. Dafür gibt es immer Möglichkeiten, trotz öffentlich ausgesprochener Verbote. Eine Spannungen unterdrückende, undemokratische, gemeinsam abgestimmte Vorgehensweise könnte wahrscheinlich die Börsen und die gegenseitige Bedrohung der Volksgruppen im Zaum halten. Es wäre kein feines, aber eventuell ein zweckmäßiges Vorgehen. Russland geht diesen Weg derzeit allein. Immerhin, die Börsen scheinen das zu akzeptieren. Heute Morgen drehen die gestern eingeschlagenen Richtungen um.

Die Tonne Gasöl kostet aktuell 924,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 108,80 Dollar und in London zu 109,69 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,65 Eurocent. Hier ist der Pulverdampf schon mal raus. Nun sollte die Politik folgen.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zog es gestern in die Höhe. Angesichts der politischen und medialen Hitze ist das Resultat aber undramatisch. Heute wird es weitgehend annulliert. Die Ölbörsen sorgen für die Vorgaben. Der Binnenmarkt zeigt etwas Leben. Besorgte Käufer ordern vermehrt Heizöl. Die Kaufanreiz schaffenden Rabatte schmelzen dahin. Das kann sich schnell wieder ändern. Kurzfristig erwarten wir weitere Unruhe im Preisgeschehen. Mittelfristig hoffen wir auf politische Vernunft und nachgebende Preise. Das Marktpotenzial dafür ist vorhanden. Wer darauf setzt, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wem das zu unsicher ist, sei gesagt, dass die Heizölpreise heute immer noch und schon, je nach Sichtweise, gut sind. Man macht nichts falsch, wenn man jetzt ordert. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine-Russland-Konflikt
Libyen liefert weiterhin kaum Öl
Produktionsausfälle im Südsudan
Unruhen in Venezuela
US-Heizölvorräte knapp

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
Atomverhandlungen mit dem Iran laufen wieder
OPEC wird kurzfristig mehr Öl liefern

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