Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Saudi Arabien zieht in den Krieg

Internationaler Markt

Nun reicht es den Nachbarn. Sie wollen endlich so etwas wie eine politische Ordnung im Jemen sehen. Dafür ziehen Saudi-Arabien, Kuwait, Oman und Ägypten an der Seite jemenitischer Regierungstruppen in den Kampf. An den Ölbörsen wurde die Nachricht auf den Satz, Saudi Arabien liegt im Krieg, reduziert. Er löste unter den hinreichend konditionierten Finanzjongleuren pawlowsche Reflexe aus, die die Ölpreise rasant steigen ließen. Dabei ist man sich in der Finanzszene einig, dass hier keine Gefahr einbrechender Ölförderung droht. Allenfalls im Jemen selbst könnte der homöopathische Beitrag zur globalen Ölversorgung verloren gehen. Das würde die Übersorgung keinesfalls tangieren. Um die Preisreaktion zu rechtfertigen, wurde die Aufmerksamkeit flugs auf eine mögliche Bedrohung der Öltransporte im Golf von Aden, dem Vorhof des Suezkanals, gelenkt. Wenn der unpassierbar werden sollte, müssten die Tanker um das Kap der Guten Hoffnung fahren. Das würde Öl an den kontraktgemäßen Lieferorten Rotterdam, Niederlande und Cushing, Oklahoma in der Tat verteuern.

Die Reaktion ist übertrieben. Es gibt derzeit keine Indikation für ein solches Szenario. Höchstwahrscheinlich werden die Preise kurzfristig wieder zurückkommen. Dazu haben sie nach wie vor den besten aller Gründe, die andauernde Überversorgung. Es wird mehr Öl gefördert als verbraucht. Natürlich kann dieser Zustand nicht von Dauer sein. Der Preisverfall verscheucht das Kapital aus dem Ölmarkt. Investitionen werden zuhauf gestrichen. Dadurch ist die zukünftige Förderung bedroht. Um die stabil auf hohem Niveau zu halten, werden Rohölpreise oberhalb von 80 Dollar pro Barrel benötigt. Je länger diese auf sich warten lassen, umso größer wird die Gefahr von exorbitanten Preissteigerungen am Ende der Niedrigpreisphase. Aktuell ist es zu früh, über eben dieses Ende und das zukünftige Preisniveau zu spekulieren. Das laufende Jahr sollte für Verbraucher recht freundlich bleiben, wobei die erste Hälfte die bessere sein dürfte. Es ist sogar möglich, dass die wunderbaren Rohölpreise vom Januar noch einmal erreicht werden. Hierzulande werden die Heizölpreise das nicht schaffen, da sie vom Dollar um rund zehn Prozent höher gehalten werden. Der von der EZB verramschte Euro verschlechtert die Lage tendenziell weiter.

Heute Morgen ist die angesprochene Rückkehr der Ölnotierungen an den Börsen bereits erkennbar. Sie darf wohl als Tagestrend eingeschätzt werden. Der Dollar geht misslicherweise wieder in die andere Richtung. Er scheint seine Läuterungsphase durchlaufen zu haben und nun wieder Gas zu geben. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 540,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 50,49 Dollar und in London zu 58,19 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,9233 Euro . Damit kostet der Euro 1,0831 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise sind in die Mitte ihres seitwärts gerichteten Trendkanals hinaufgesprungen, wie der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Es besteht Hoffnung, dass sie von dort wieder ein wenig abwärts tendieren. Der Euro, das zentralbankgeschundene Kunstgeschöpf, wird den Weg durch seinen zu befürchtenden Verfall aber schwierig gestalten.

Im Binnenmarkt geht es lebhaft zur Sache. Bestellungen kommen in flotter Folge herein. Hoffnungen auf tiefere Preise waren bis gestern sehr beliebt. Der Preissprung sorgte für Ernüchterung. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf höchstem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem mickerigen Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise. Neben vielen Käufern, die sich einen guten Preis sichern wollen, sind weiterhin einige Beobachter im Markt, die bei tieferen Preisen zu ordern gedenken.

Diese Beobachter werden sich vermutlich vom mathematischen Tiefpreis-System bestätigt fühlen, das in den meisten Regionen Deutschlands keine Kaufsignale mehr anzeigt. Diese werden definitiv wieder kommen. Ob der Preis dann wirklich tiefer liegt als heute, ist wie immer nicht gewiss.

Die Preistrends weisen nur in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation legt eine Spekulation auf fallende Ölpreise nicht unbedingt nahe, die Überversorgung des realen Markts hingegen schon. Die Heizölpreis-Entwicklung befindet sich nach unserer Einschätzung in einer 55/45 Situation für fallende Preise.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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