Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Schlechter Lauf einstweilen gestoppt

Internationaler Markt

Topthema im Ölmarkt ist der Irak, wo der Jahrhunderte alte Streit zwischen Schiiten und Sunniten nun als offener Bürgerkrieg ungefähr so wie in Syrien ausgetragen wird. Eine ähnliche Lage mit weniger starken religiösen Zügen sehen wir in Libyen. Alles in allem ist mit der Zerstörung der gesellschaftlichen Ordnung in diesen Ländern die Disposition von über fünf Mio. Barrel Rohöl infrage gestellt. Das entspricht fast sechs Prozent der globalen Ölversorgung. Die größte Fehlmenge würde der Irak beibringen, wenn er ausfiele.

Der Preissprung der letzten Woche wurde von eben dieser Sorge ausgelöst. Im Gegensatz zu bisher aufgelaufenen Ausfällen stünden bei vollem Wegfall der Mengen keine ausreichenden Reservekapazitäten mehr zur Verfügung. In dem Fall würden die Ölpreise explodieren.

Soweit ist es noch nicht. Im Irak wird derzeit unverändert Öl gefördert. Die Hauptgebiete befinden sich auf kurdischem Territorium und südlich von Bagdad, weit entfernt vom Operationsgebiet der sunnitischen Söldnerlegion. Schiiten rüsten sich, dieser Truppe eine funktionierende Armee entgegenzustellen.

Im Kampfgebiet finden die Feinde ein reichlich gefülltes Waffenarsenal vor, das die USA mit ihrem Abzug zur Verfügung stellten. In Libyen und in Syrien standen und stehen ebenfalls riesige Waffenarsenale für ausgedehnte Terrorkriege bereit, die West und Ost bereitwillig lieferten. Nun brennt sie also, die Welt. Und diejenigen, die westliche Freiheitsideen ohne Geschichts- und Sozialkenntnis zu exportieren versuchten, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, beim Anzünden dabei gewesen zu sein.

In der Ukraine haben sie ebenfalls mit gezündelt. Dort glimmt die Lunte unverändert weiter. Einzig der uneingeschränkte Ost-West-Konflikt zwischen den großen Mächten scheint noch vermeidbar zu sein. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und innerhalb der Ukraine ist es nicht, wobei der eine nur um Gas geht, der andere immerhin um Herrschaft und Selbstbestimmung. Der Gaskonflikt hätte sich längst mit Hilfe des Westens lösen lassen sollen. Das war nicht der Fall. Nun wird er mit einem Lieferstopp fortgesetzt. Der Konflikt um Herrschaft und Selbstbestimmung hat immer noch das Zeug, ein veritabler Bürgerkrieg zu werden. Selbst in Europa ist diese archaische Form der Auseinandersetzung noch nicht ausgerottet.

Heute Morgen zeichnet sich an den Ölbörsen eine Beruhigung des Preisanstiegs ab. Mit dem Preissprung der letzten Woche ist die neue Lage einstweilen hinreichend gewürdigt. Nun wird abgewartet, was im Irak und in der Ukraine weiter passiert. Die Tonne Gasöl kostet 924,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 107,36 Dollar und in London zu 113,15 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3546 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise halten nach dem Gewaltsprung der letzten Tage inne. Die entsprechende Vorgabe kommt von den Ölbörsen, wo die ersten Emotionen zur neuen Weltlage verarbeitet sind.

Der Binnenmarkt wird nun erwartungsgemäß ruhiger, wie unser Heizölkauf-Barometer zeigt. Käufer verlieren aufgrund kräftig gestiegener Preise die Kauflaune. Der Handel hat nun wieder Grund stärkere Rabatte in die Preise zu legen. Viel wird es nicht nützen, da es nur wenig Spielraum gibt, gegen den Anstieg der letzten Tage Spürbares zu setzen.

Das mathematische Tiefpreis-System ist in seiner Einstellung mittlerweile deutlich von allen regionalen Kaufsignalen entfernt. Einen guten Kaufmoment gibt es derzeit nicht mehr, allenfalls einen Kaufgrund, den Schutz vor weiter steigenden Heizölpreisen. Unsere Leser sind in ihrer Einschätzung der weiteren Preisentwicklung so pessimistisch wie lange nicht mehr. Wir sehen die Lage unfreundlich aber nicht hoffnungslos. Der Preissprung kann durchaus in Teilen annulliert werden.

Natürlich legt der kurzfristige Aufwärtstrend etwas anderes nahe. Aber selbst dieser bietet reichlich Abwärtsspielraum. Mittelfristig reicht es immerhin für einen Seitwärtstrend und längerfristig steht sogar noch der Abwärtstrend. Uns bleibt nur zu konstatieren, dass die aktuellen Heizölpreise deutlich von der Erwartung der vorletzten Woche entfernt sind, dass sie aber immer noch unter den Werten der letzten zwei Jahre liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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