Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Schwacher Dollar wirkt Wunder

Internationaler Markt

Haben wir irgendwann kein Öl mehr oder wollen wir bald keines mehr? Vor wenigen Jahren klang diese Frage absurd. Damals war sich das Gros der Fachleute sicher, dass es eng wird mit der Versorgung. Der Chef der Total, Christophe de Margerie, sah die Weltölproduktion im Jahr 2008 ihrem Peak nahe. Heute fürchten Konzernstrategen um Kunden und Nachfrage. So klagt der neue Chef der Total, Patrick Pouyanné, „Jahr für Jahr ist der Nachfragezuwachs für Öl niedriger als erwartet und auf der Angebotsseite wird mehr produziert als vorausgesehen“.

Für dieses Jahr trifft die Diagnose zu und auch in 2012 gab es einen ordentlichen Produktionsüberhang. Ganz so dramatisch, wie Pouyanné sie beschreibt, ist die Langzeitlage der Anbieter indes nicht. Für 2015 liegt eine einigermaßen ausgewogene Angebots-Nachfrage-Schätzung der IEA (Internationale Energie Agentur) vor. Natürlich liegen die Nerven im Moment miserabler Konjunkturprognosen blank. Aber auch hierzu gibt es immer wieder Gegenanzeigen, wie die aktuellen Daten aus der EU und den USA zeigen. Im Kern können Denker und Lenker nur beklagen, dass die Welt sich nicht so verhält, wie sie das gerne hätten. Das bietet der Spekulation ein weites Feld. Aktuell reiten Finanzjongleure auf der Idee der Ölüberproduktion. Letzte Woche haben sie noch einmal zu einem kurzen, heftigen Galopp angesetzt und die Preise auf ein Vierjahrestief getrieben.

Die freien Ölkonzerne kommen trotz Klagen mit der Lage recht gut klar. Unangenehmer ist sie für die großen Staatsgesellschaften, die ihre Nationalhaushalte zu finanzieren haben. Da macht sich Ratlosigkeit breit. Die in der OPEC organisierten Produzenten schwanken zwischen drosseln, um den Preis zu retten, und pumpen, um Marktanteile zu sichern. Derzeit will keiner mit dem Drosseln beginnen. Mit der Konsequenz des Preisverfalls durch Pumpen verbinden sie immerhin die Hoffnung, die wachsende US-Produktion in die Unwirtschaftlichkeit zu treiben und loszuwerden. Bei Grenzkosten von über 80 Dollar pro Barrel gelingt das bereits. Allerdings trifft das nur auf 20 Prozent der neuen US-Förderung zu. 80 Prozent dieser Förderung erfolgt bei Kosten zwischen 40 und 80 Dollar pro Barrel. Aus den USA hört man, dass der Preis schon auf 50 bis 60 Dollar sinken müsse, um die US-Förderung nennenswert zu treffen. Wenn das so ist, haben Finanzjongleure noch einen heißen Ritt vor sich und Verbraucher gute Zeiten vor Augen.

Nach dem kräftigen Preisverlust am Donnerstag nahmen Finanzjongleure am Freitag Gewinne aus ihren Short-Positionen (Typ Leerverkäufe) mit und regten damit eine Gegenreaktion an. Heute Morgen wird diese in Teilen annulliert. Zudem zeigt der Dollar wieder eine Schwächephase. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 698,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 75,04 Dollar und in London zu 78,40 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,7984 Euro . Damit kostet der Euro 1,2525 Dollar

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise laborieren an einer abgesenkten Trendgrenze herum, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Die Lage scheint geeignet zu sein, erneut einen kurzfristigen Abwärtstrend hervorzurufen. Mit einem derart ausgeprägten Pessimismus der Öl- und Finanzszene haben wir in diesem Jahr nicht mehr gerechnet.

Bei diesen Preisen lassen Kunden nicht auf sich warten. Sie stürmen den Binnenmarkt und ordern fröhlich Heizöl. Der Handel zeigt noch keine Überforderungstendenzen. Alles läuft rund, sogar die Notbestellungen. Die kosten natürlich einen ordentlichen Aufschlag. Zwischen Normal- und Notlieferung handelt es sich um einen Unterschied wie zwischen Bus- und Taxifahrt. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, steigt postwendend auf die höchste Stufe.

Der Glaube an günstigeres Heizöl ist aktuell sehr hoch. Spekulativ eingestellte Leser sehen die Preise purzeln und wollen mehr davon. Das bekommen sie in diesen Tagen deutlicher als wir es erwartet haben. Die plötzliche Dollarschwäche hat einen gehörigen Anteil daran.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt mit Ausnahme des Westens der Republik noch keine Kaufsignale. Die sind aber in Kürze zu erwarten. Sie werden durch das Verhalten der Käufer vorweggenommen. In der kalten Jahreszeit kommen viele Kunden hinzu, die keine ausgewiesenen Preisbeobachter und Schnäppchenjäger sind. Sie treffen nun auf einen bemerkenswert günstigen Moment mit einem neuen Tiefpreis. Glückwunsch.

Die Preistrends weisen in den längerfristigen Bereichen abwärts. Die Konstellation kann man als Einladung zur Spekulation auf weiteren Abgang interpretieren. Zwingend war das mit Blick auf den kurzfristigen Bereich nicht. In diesem Fall führte das hartnäckige Festhalten an einer Preisidee zum Erfolg. Das ist nicht immer so. Es ist eben Spekulation. Die kann erfolgreich sein, sie muss aber nicht erfolgreich sein.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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