Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Sehr schön anzusehen

Internationaler Markt

Finanzjongleuren geht es in diesen Tagen schlecht. Mit den US-Bestandszahlen wurde ihnen gestern ein Bonbon offeriert, den sie nicht zu sich nehmen mochten. Trotz bemerkenswerter Abbauten beim Rohöl schickten sie die Notierungen erneut abwärts. Prinzipiell haben sie damit recht, denn das Angebot ist bonfortionös und der Wochenrückgang irrelevant. Man ist nur anderes von der Finanzszene gewohnt. Üblichweise wird jede bullische Note für einen Zugewinn mit Öltiteln genutzt. Aber nun ist die Szene unpässlich und entledigt sich der gierig aufgenommenen Papiere.

Die Lage am Finanzmarkt scheint im Moment ernst bis hoffnungslos zu sein. Wieder einmal wird deutlich, dass dort mit irrealen Werten operiert wird. Steigerung von Buchnotierungen und Buchgewinn hat nichts mit Stärkung von Wirtschaftskreisläufen und Steigerung von Wohlstand geschweige denn von Wohlbefinden zu tun. Solange die Schimäre funktioniert, beeindruckt sie die ganze Welt. Wenn ihr hohler Kern sichtbar wird, wackelt das System. Wir sehen die Momentaufnahme eines Filmrisses. Nach kurzer Pause wird die Vorstellung in üblicher Weise fortgesetzt werden. Sie folgt dem Plot von Schillers Wilhelm Tell, bei dem der Bevölkerung Respekt vor einem Hut auf einer Stange befohlen wird.

Der Filmriss kann dazu führen, dass die aufgeblasenen Ölpreise erheblich dezimiert werden. Aus Sicht von Ölkäufern ist das ein erfreulicher Umstand. Für Staaten, deren Wohlstand auf nichts anderem als dem Ölverkauf fußt, bedeutet das Ungemach. Ihre Haushalte drohen in Schieflage zu geraten. Ihre Gesellschaftsordnung wird dadurch gefährdet. Der Iran, Saudi Arabien und Venezuela sind solche Staaten. Sie sind auf Rohölpreise um 100 Dollar angewiesen. Von ihren Bemühungen, den Filmriss zu beheben, wird bald zu hören sein. Im Kern hat er allerdings wenig mit Öl zu tun. Sein Ursprung ist im Geld- und Finanzsystem verortet.

Beim Öl nimmt man den stetigen Rückgang US-amerikanischen Benzinkonsums zu Kenntnis und die bereits erwähnten Bestandsdaten, die gemäß der unterschiedlichen Berichte von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) wenig vertrauenswürdig sind. Die Zahlen zur wöchentlichen Änderung lauten wie folgt:

Rohöl: -1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -6,7 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,3 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,6 (DOE) bzw. ein Abbau von 5,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung sank auf 86 Prozent. Der Wert ist zwar schwach, angesichts eines 16-Jahres-Tiefs der aktuellen Benzinnachfrage aber vollkommen ausreichend. Er wird in den kommenden Wochen steigen, weil Raffinerien aus dem Wartungszyklus zurückkehren.

Heute Morgen ist der Abgang der Ölnotierungen zum Stillstand gekommen. Der Trend ist aber weiterhin intakt, so dass die Wahrscheinlichkeit für tiefere Notierungen erhalten bleibt. Die Tonne Gasöl kostet 821,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 86,63 Dollar und in London zu 97,59 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,63 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise setzen ihren außergewöhnlichen Lauf fort. Gestern waren die Ölnotierungen erneut Treiber des Abgangs. Der Dollar nahm mit seinem Anstieg allerdings eine gute Portion Druck aus dem Geschehen. Die Heizölpreise stehen im bundesdeutschen Durchschnitt unter 80 Cent pro Liter bei einer Bestellung von 3.000 Liter. Sie sind deutlich billiger als vor 12 und vor 24 Monaten. Und sie befinden sich unter dem Tiefstwert des Vorjahres. Die freundliche Preissituation belebt den Binnenmarkt spürbar. Dadurch sind die Lieferzeiten verlängert. Die Margen steigen. Jetzt profitieren Verbraucher und Heizölhändler von den Verwerfungen der globalen „Märkte“. Wer auf noch tiefere Preise spekulieren möchte, findet dafür unter anderem den passablen Grund eines starken Trends. Wer es sicher mag, kann beherzt bestellen. Der Preis ist im Rückblick der letzten beiden Jahre gut. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: FED sieht Gelddrucken nach wie vor positiv
China wächst weiterhin
Infrastrukturstörungen erwartet
Spannungen in Nordafrika, Nahost und Nordkorea

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Finanzjongleure geraten in Panik
US- und Nordseeförderungen steigen
Südsudan kehrt als Lieferant zum Markt zurück
Libyen produziert wieder auf Vorkriegsniveau
Saudi Arabien nimmt neues Offshore-Ölfeld Manifa früher in Betrieb
Sehr viel Öl am Markt
EIA- und OPEC-Monatsberichte nennen schwache Nachfrage
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl

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