Unseren neuen Kommentar für den 11.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Seitwärts setzt sich durch

Internationaler Markt

Die Preisbildung am Ölmarkt erfolgt vollkommen phantasielos. Das Denken und Handeln kreist derzeit immer um dieselben zwei Themen. Erstens: Der Ölmarkt ist überversorgt. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes ändern. Allenfalls im Sommer könnte dieser Zustand ein wenig Reduzierung erfahren. Im Herbst wird er wieder auf dem aktuellen Stand sein. Zweitens: Finanzjongleure haben die Rallye in den letzten Wochen übertrieben. Die Preise sind im Verhältnis zur Marktlage zu hoch aufgelaufen. Ein Rückgang wäre angebracht.

Die Preisrallye erfolgte in der Erwartung fallender US-Förderung. Diese ist aber trotz einer Halbierung der Bohranlagen von ihrem Hoch bei 9,42 Mio. Barrel pro Tag lediglich auf 9,37 Mio. Barrel pro Tag zurückgegangen. Das ist ein Minus von fünf Promille. Gleichzeitig stieg die Förderung anderer Länder um ein Vielfaches. Im Resultat hat die Welt heute wahrscheinlich mehr Öl zur Verfügung als vor einem halben Jahr.

Die kriegerische Auseinandersetzung im Jemen, bei der die beiden Ölschwergewichte Iran und Saudi Arabien mehr oder weniger verdeckt aufeinandertreffen, spielt bei der Preisbildung kaum eine Rolle. Das ist angesichts der Bedeutung der Ölmengen, über die hier geboten wird, untypisch. Es deckt sich allerdings mit jüngeren Erfahrungen im EU-Russland-Konflikt, im Irak-IS-Krieg sowie im Bürgerkrieg in Libyen, alles Fälle mit großer Ölbrisanz, die ebenfalls zu keinem nennenswerten Ölpreisanstieg führten. Das ist nur mit großem Vertrauen in die Versorgungssituation des realen Markts erklärbar.

Wenig Einfluss auf die Preisbildung haben bis heute auch die für die Wachstumsökonomie unbefriedigenden Situationen der USA und Chinas. Insbesondere die USA scheinen ihren wirtschaftlichen Zielen weit hinterherzulaufen. Der ausbleibende Rückgang der Ölpreise ist nur mit einem großen Vertrauen in die für die Finanzszene bedarfsgerechte Geldschöpfung der Notenbanken erklärbar. Hierbei handelt es sich um eine Wirtschaftsersatzmaßnahme mit negativer Konsequenz für das reale Leben. Die Heizölpreise hierzulande profitieren immerhin von der Dollarschwächung, die die Lage mit sich bringt.

Die Börsennotierungen schwangen am Freitag heftig ab und auf. Viel ist dabei am Ende nicht herausgekommen. Viel geht auch heute Morgen nicht bei der Preisbildung. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 614,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 60,09 Dollar und in London zu 67,04 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8744 Euro . Damit kostet der Euro 1,1436 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise schwingen seitwärts. Dabei befinden sie sich nach wie vor in einem aufwärts gerichteten Trendkanal, wie der 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zu entnehmen ist. Seitwärts bildet den Unwillen der Finanzszene ab, in der Preisbildung auf reale Marktgegebenheiten einzugehen. Es ist gut möglich, dass sich dieser Umstand demnächst auch im Trendkanal widerspiegeln wird.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern verhalten herein. Nur die Hoffnung auf günstigeres Heizöl zieht wieder an. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf mittlerem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem sehr soliden Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Wir sehen längerfristig wieder Preispotenzial nach unten.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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