Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Sie laufen so gut

Internationaler Markt

Gefahr und Unsicherheit, Spannung und Blockade, die Begriffe haben in diesen Tagen Konjunktur. Derweil ist der Ölmarkt im Allgemeinen oder der Heizölmarkt im Speziellen recht entspannt. Die deutsche Konjunktur wird als phänomenal, die US-amerikanische als durchwachsen und die chinesische als schlecht beschrieben. China hat unter den drei bedeutenden Volkswirtschaften das größte, Deutschland das geringste Wachstum aufzuweisen. All diese Widersprüche und viele andere werden täglich weitgehend unbemerkt mit einer gigantischen Kommunikationsmaschinerie durch unsere Großhirne geblasen, nicht etwa mit dem Ziel sie zu erklären oder aufzulösen, sondern mit dem Ziel, Emotionen zu wecken.

Die geopolitische Gefahr kann unmöglich besorgniserregend sein, wenn der wichtigste Rohstoffmarkt der Welt, der Ölmarkt, keine Alarmsignale aussendet. Es ist offensichtlich, dass niemand unter dem hohen Führungspersonal die Absicht hat, einen Krieg vom Zaun zu brechen. Die heiß gehandelte Auseinandersetzung um die Krim ist pures Theater. Die Halbinsel ist an Russland zurückgefallen. Welche Bedeutung das für die Menschen auf der Krim hat, wird sich zeigen. Für Russland hat es aus nachvollziehbaren Gründen sehr große Bedeutung. Es geht um den Erhalt seiner vitalen Militärstrategie. Eine andere kann sich das Land nicht leisten. Es verfügt nicht über die Mittel, die der Westen in sein Militär steckt. Allein in den europäischen Teil der NATO fließt fast dreimal soviel Geld. Die NATO insgesamt ist elfmal so gut finanziert wie die russische Armee. Armer Putin. Da fällt das Einsehen seiner westlichen Kollegen nicht schwer. Fragt sich nur, für wen die aggressive Show veranstaltet wird.

Eine Politik anderer Art wird relativ lautlos im Ölmarkt ausprobiert. Die USA geben testweise fünf Mio. Barrel aus ihren strategischen Reserven frei. Offiziell soll die Funktion der technischen Umsetzung überprüft werden. Schelmische Beobachter wähnen dahinter den Versuch, den Ölpreis zum Schaden Russlands abzusenken. Der Markt kann das Öl nämlich gar nicht aufnehmen. Er müsste also mit einer deutlichen Preisbewegung reagieren. Schauen wir mal ganz entspannt, was passiert.

Den USA fällt es nicht schwer, den Fünf-Millionen-Test zu machen. Allein in der letzten Woche stiegen ihre öffentlichen Rohölvorräte gemäß den Bestandsdaten des DOE (Department of Energy) um diese Menge. Das Öl kann offensichtlich zu gegebener Zeit ohne Probleme zurückgeführt werden. Die Bestände der Produkte gaben übrigens annähernd um den gleichen Betrag nach. Da dieser Umstand aber auf gut gefüllte Benzinlager trifft, wird er von der Finanzszene nicht bullisch verarbeitet. Das API (American Petroleum Institute) liefert tendenziell ähnliche Daten. Die Gesamtbevorratung liegt auf dem üblichen Niveau der letzten Jahre. Als Veränderung zur Woche lauten die erhobenen Zahlen wie folgt:

Rohöl: +6,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,8 Mio. Barrel (API)
Benzin: -5,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,5 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,4 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 86 Prozent. Sie macht deutlich, dass einige Raffinerieteile nun für Umstellungsarbeiten auf Sommerware aus dem Verkehr gezogen sind.

Die für uns relevanten Rohölnotierungen der Sorte Brent werden zwischen den widersprüchlichen Einflüssen mehr oder weniger festgehalten. Gasöl und Heizöl geben wegen des zu Ende gehenden Winters diesseits und vor allen Dingen jenseits des Atlantiks nach. Gleiches macht der Dollar. Das hat aber nichts mit dem Winter zu tun. Heute Morgen ist noch keine Richtung an den Ölbörsen zu erahnen. Nur beim Dollar geht es schon wieder abwärts. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 896,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 98,13 Dollar und in London zu 108,22 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 71,70 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben weiter fröhlich nach. Glückwunsch an alle Verbraucher. Die Vorgaben kamen gestern sowohl von den Ölnotierungen als auch vom Dollar. Sie sind nicht nur verbraucherfreundlich, sondern auch im Sinne des Handels. Ihm bietet sich nämlich die Chance, die miserablen Margen der letzten Zeit ohne negative Auswirkung für die Kunden zu verbessern. Mit anderen Worten, die Rabatte sinken. Dazu trägt auch der Umstand bei, dass im Binnenmarkt mehr gekauft wird. Es spricht sich herum, dass die Heizölpreise attraktiv sind. Die Aussichten sind es aber auch. Wir rechnen damit, dass Heizöl auf Sicht von zwei bis drei Monaten noch günstiger wird. Wer darauf spekulieren möchte, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wir weisen darauf hin, dass diese Spekulation nicht mit dem Hoeneß-Fall gemein zu machen ist. Wer sie trotzdem ablehnt, soll wissen, dass die Preise einem Dreijahrestief nahe sind. Man kann mit einem Kauf also nicht falsch liegen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen droht zu zerreißen
Unruhen in Venezuela

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schwache Konjunkturdaten aus China
USA geben Teil der strategischen Reserven frei
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar

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