Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Stellen Sie sich auf aufwärts ein

Internationaler Markt

Geringer Handel, viel Bewegung, wenig Effekt. So sah der Feiertag gestern an den Ölbörsen aus. Weil die Präsidentenwahl in der Ukraine als gelungen eingestuft wurde, sanken die Ölnotierungen. Weil der Bürgerkrieg im Osten des Landes eskaliert, steigen sie wieder. Im Laufe des Tages kehren die Börsenurlauber zurück. Dann wird sich der kurzfristige Aufwärtstrend der Ölnotierungen vermutlich mit großem Handelsvolumen fortsetzen.

Hinter dem Aufwärtstrend stehen Sorgen über die Entwicklung der europäischen Energieströme aufgrund des Ost-West-Konflikts, der sich an der Ukraine entzündete. Russland und die USA-EU-Koalition leisten sich eine bizarre Auseinandersetzung, der mindestens auf westlicher Seite eine plausible politische Logik fehlt. An dieser Stelle bemühen wir uns, ein paar Denkanstöße zu liefern, die die Ausbildung einer eigenen Einschätzung zur Sache befördern sollen. Gestern ging es um die Einbettung der politischen Akteure und ihres Handelns im eigenen Volk. Es ist unschwer zu erkennen, dass Putin in dieser Frage - sogar ohne seine Propagandamaschine - die bessere Position hat.

Der Streit wird für den Westen nicht „gewinnbarer“, wenn er auf Wirtschaftssanktionen reduziert wird. Oberflächlich betrachtet sieht es zwar so aus, als träten hier Russland in der Rolle Davids gegen die USA und die EU in der Rolle Goliaths an. Das Kräfteverhältnis der Wirtschaftsleistungen beträgt 1 zu 14. Es ist bekannt, dass Russland auf diesem Gebiet weit unter seinen Möglichkeiten funktioniert. Darauf scheint westliche Politik zu setzen. Schaut man sich volkswirtschaftliche Daten genauer an, stellt man fest, dass die Staaten ganz anders zueinander stehen.

Der Staat Russland ist so gut wie schuldenfrei, während die EU und mehr noch die USA in einer Schuldenfalle ohne Ausgang sitzen. Russland hat seine wirtschaftliche Entwicklung immer noch selbst in der Hand. Es kann den Bären mit der richtigen Politik im gegenwärtigen Wirtschaftssystem zum Tanzen bringen. Das ist in den USA nicht so. Das Land hat seine Zukunft hinter sich. Die Wirtschaft hängt an der Verschuldung des Staates. Ohne weitere Schulden droht der Wirtschaftskollaps. Mit den Schulden droht der Staatskollaps. Den Wirtschaftskollaps können sie nicht riskieren, weil ihnen, anders als in Europa, ein soziales Sicherungssystem fehlt. Der Staatskollaps wurde bisher vermieden, weil die Welt den Dollar quasi zum Nulltarif finanzierte und den USA die totale Verschuldung erlaubte. Das wird nicht mehr lange gut gehen. Große Gläubiger der USA wie China und Japan wollen ihre Währungsreserven aus der „Dollarfalle“ befreien und eine dritte Währung stark machen, wahrscheinlich den Renmimbi. Auf längere Sicht werden die USA ihre Schulden teuer bezahlen müssen. Das wird das aktuelle Wirtschaftsystem nicht aushalten. Ein neues ist derzeit nicht in Planung.

Entgegen anders lautender Bekundungen ist Europa, dessen Staaten mit vergleichsweise kleinen Beträgen im Dollar investiert sind, kein wichtiger Adressat amerikanischer Politik. Die ist gezwungen, in Asien um Partnerschaften zu werben. Und entgegen anders lautender Signale ist der gegenwärtige Öl- und Gasboom der USA nicht geeignet, die Wirtschaft des Landes dauerhaft flott zu machen, geschweige denn die EU mit nennenswerten Energiemengen zur Kompensation russischer Lieferungen zu versorgen. Die EU täte gut daran, eine eigene Position zu entwickeln, in der Russland und die USA als das vorkommen, was sie sind. Der geografische Nachbar Russland ist eine - bisweilen fremde - Macht mit kalkulierbaren Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen. Die Wahlverwandten USA sind eine durch Maßlosigkeit in den Ruin getriebene Großmacht, deren Niedergang sie hysterisch und selbst für Freunde schwer einschätzbar macht.

Die EU steht im Vergleich zu Russland hinsichtlich ihrer Handlungsfähigkeit leider nicht viel besser da als die USA. Auch wir leiden unter viel zu hohen Schulden, die in diesem Fall die Sozialsysteme infrage stellen. Auch hier sieht sich die Notenbank gezwungen, die Wirtschaft mit eigentlich verbotenen Maßnahmen aufzupäppeln. Auch hier wurde Maßlosigkeit praktiziert, mehr durch politisch gewollte Umverteilung als durch finanzindustrielle Exzesse. Das Ergebnis ist leider ähnlich wie in den USA. Unser Gesellschaftssystem ist instabil. Es muss renoviert bzw. erneuert werden. Wir verweigern die Arbeit daran.

Putin hat sich mit seinem Russland also eine gute Ausgangsposition erarbeitet, die ihm im aktuellen Konflikt weit mehr Handlungsspielraum gibt, als der USA-EU-Koalition zur Verfügung steht. Es ist die Mischung aus niedrigerem Lebensniveau mit stetiger Aufwärtsentwicklung und kalkulierbarer Verschuldung, die ihn derzeit stark macht. Das weiß er und das lässt er seine Kontrahenten spüren. Politisch ist das nicht verwerflich, zumal Russland in den letzten Jahrzehnten nicht anders behandelt wurde. Es ist also vollkommen sinnlos, eine nicht vorhandene Stärke beispielsweise durch Wirtschaftssanktionen auszuspielen. Unsere Baustelle ist nicht der Ost-West-Konflikt. Unsere Baustelle sind wir selbst. Es ist höchste Zeit, die Arbeit anzunehmen. Das täte nicht nur den Ölpreisen gut.

Heute Morgen melden sich die im Aktivierungsmodus laufenden Ölbörsen mit einem Preisanstieg zurück. Der wird im Tagesverlauf wahrscheinlich nicht so heiß gegessen wie momentan gekocht. Der Aufwärtstrend wird aber bestätigt werden. Die Tonne Gasöl kostet zur Stunde 914,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 104,28 Dollar und in London zu 110,39 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3654 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich wenig. Gestern schienen ihnen die Ölnotierungen abwärts zu helfen. Das ist heute Morgen schon wieder vorbei. Der Binnenmarkt findet kaum statt. Die üblichen Rabatte in den Preisen bringen gefühlt kein einziges zusätzliches Geschäft. Unser Heizölkauf-Barometer steht im roten Bereich. Das Tiefpreis-System ist deutlich von einem Kaufsignal entfernt. Besser werden die Preise in absehbarer Zeit aber wahrscheinlich nicht werden. Unsere Leser hofften gestern wieder vermehrt auf tiefere Preise, vermutlich weil die Lage in der Ukraine auf Entspannung stand. Wir teilten und teilen diese Hoffnung nicht. Die Ukraine bleibt ein Preistreiber. Die kurz- und mittelfristigen Abwärtstrends hängen an goldenen Fäden. Sie werden wohl reißen. Insofern können wir nicht mehr dazu raten, auf bessere Kaufmomente zu spekulieren. Derzeit sind die Heizölpreise noch tiefer als in den letzten drei Jahren zum gleichen Zeitpunkt. Das wird in Kürze nicht mehr so sein. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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