Unseren neuen Kommentar für den 19.11.18 finden Sie hier.


Heizölpreise: US-Bürger bunkern für den Winter

Internationaler Markt

Die USA brauchen in diesen Wochen sehr viel Öl, genauer Ölprodukte, das heißt Heizöl, Diesel und Benzin. Der Laie kauft, der Fachmann wundert sich. Tendenziell sinkt die Nachfrage seit Jahren. Aktuell steigt sie spürbar. Das sollte im Fall der USA kein Problem sein. Schließlich wächst die Rohölförderung sehr viel stärker. In den Lagern klettern die Rohölpegel immer höher. Der Abfluss wird durch zu knappe Raffineriekapazitäten behindert. So jedenfalls sprechen Finanzjongleure über die Situation. Das Wort „knapp“ gefällt ihnen gut, weil es synonym für Gewinn mit Waren, in diesem Fall Heizöl und Benzin, steht. Wirklich knapp ist hier gar nichts. Vermutlich sind wir Zeuge einer vorwinterlichen Bevorratungswelle, die ungewöhnlich stark ausfällt. Es gibt keinen Grund, die gegenwärtige Nachfrage auf die weitere Entwicklung hochzurechnen, jedenfalls nicht für die Warenhändler. Für Finanzjongleure gibt es immer einen entsprechenden Grund. Sie müssen schließlich das in Massen strömende frische Notenbankgeld unterbringen. Teurere Ölpreise sind dabei hilfreich.

Wie wenig Substanz das Thema Knappheit hat, wird unter anderem an den US-Bestandsdaten deutlich. Die Füllstände der Rohöllager sind nahe ihrem Allzeit-Hoch. Die Heizöl- und Benzinvorräte sind höher als im Vorjahr. Das ist der ganze Kern der Botschaft. Die Veränderungen zur Vorwoche geben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Erhebung zuständigen Institutionen, wie folgt an:

Rohöl: +2,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,8 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,7 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,3 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,5 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf 89 Prozent. Die Anlagen kommen langsam aus der Wartungsphase zurück. Damit wird in Kürze wieder mehr Produkt gekocht. Bald wird es eher zu viel als zu wenig für die USA geben. Das kurbelt dann den Export an. Werften bauen seit einiger Zeit übrigens verstärkt Produktentanker.

Die nach Knappheit suchende Finanzszene fahndet auch ständig nach Wirtschaftsaufschwung. Tag für Tag werden tausende von Zahlen gefragt, wo sich das Wachstum versteckt hält. Manchmal scheint es aufzutauchen, um kurz darauf schon wieder zu verschwinden. China hat es natürlich. Andere Schwellenländer haben es auch. Die alten Ökonomien haben es aber nicht. Warum auch, es ist doch das gute Recht der Alten, es nicht mehr zu haben. Vielleicht ginge alles besser, wenn man den Jugendwahn einfach aufgäbe und sich auf die Situation einer alten Ökonomie einstellte. Das wollen die Eliten nicht akzeptieren. Und so wird noch mehr Geld in alte Systeme gepumpt als Botox in alte Gesichter. Einen realwirtschaftlichen Effekt sehen wir dadurch nicht.

Einen Effekt sehen wir vermutlich in Kürze bei den Ölpreisen, wenn das Abkommen zur Beilegung des Atomstreits mit dem Iran für die Freigabe ordentlicher Ölmengen sorgt. Aktuell überwiegen die positiven Einschätzungen zum Gang der Diplomatie in dieser Sache. Man darf auf dieses Abkommen hoffen, das neben einer entscheidenden Wirtschaftsverbesserung für Teheran eine sehr gute Angebotserweiterung für Europa bringen wird.

Finanzjongleure ließen sich gestern hauptsächlich vom Notenbankgeld und von der US-Ölnachfrage inspirieren. Die Notierungen stiegen demzufolge. Es ist schwer vorstellbar, dass die Bewegung lange anhalten kann. Heute Morgen kommen die Preisschwingungen fast zum Erliegen. Vermutlich sinken sie bald wieder. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 910,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 94,10 Dollar und in London zu 108,44 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,31 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise tendieren weiter abwärts. Gestern stiegen sie allerdings. Sie wurden von den Ölnotierungen getrieben. Der Dollar setzte nichts dagegen. Er hat aber ohne Zweifel Potenzial für Abwärtsdruck auf die Heizölpreise. Der Binnenmarkt ist ruhig. Sein Einfluss auf die Preise ist verschwindend gering. Wer auf günstigeres Heizöl spekulieren möchte, sollte das Preisgeschehen eng verfolgen, am PC oder mit dem Smartphone. Mit etwas Geduld und Standhaftigkeit bei Gegenbewegungen kann wahrscheinlich ein guter Kaufmoment aufgespürt werden. Dem „Antispekulanten“ sei mitgeteilt, dass der Preis gerade nahe einem Zweijahrestief steht. Das ist allemal ein Kaufgrund. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: US-Ölnachfrage überraschend hoch
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Entwicklung in Libyen
China bleibt auf wirtschaftlichem Expansionskurs

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Rohölbestände sehr hoch
OPEC erhöht Angaben über Ölschiefervorkommen
Geringe US-Ölimporte
Ölangebot übertrifft Ölnachfrage

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