Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: US-Bestände brechen ein

Internationaler Markt

Die Ölnotierungen steigen. Dieser Satz macht der Mehrheit der hier versammelten Leserschaft keine Freunde. Mir auch nicht. Im Börsenalltag ist es aber unangebracht, den Satz emotional aufzunehmen, da klar ist, dass eine Meldung gegenteiligen Inhalts in Kürze folgen kann. Das ärgerliche an einem solchen Satz ist aus meiner Sicht nicht die Indikation einer Preissteigerung als solcher, sondern die seit Jahren übliche Praxis, diese bar jeder physischen Marktgegebenheit durchzusetzen. In anderen Worten, nicht ein mangelhaftes oder durch die Nachfrage überfordertes Angebot ist Auslöser der meisten Preissteigerungen, sondern die Existenz freier Finanzmittel, die zum Zweck des Spekulationsgewinns in Ölpapiere fließen.

Gestern war das nicht so. Gestern zogen die Ölnotierungen an, weil ein außergewöhnlicher Abbau der US-Bestände gemeldet wurde. Der erweckt zumindest den Anschein, dass der physische Ölmarkt gestresst ist. Um das vorwegzunehmen, er ist nicht gestresst. Die Vorräte sind immer noch höher als im Vorjahr und im Vorvorjahr. Die US-Nachfrage tendiert seit Langem zur Schwindsucht. Der Abbau der Vorräte kam, zumindest beim Rohöl, mit Ansage, da die Raffinerieverfügbarkeit nach dem Ende zahlreicher Wartungsarbeiten steigt. Angesichts der allgemein schwachen Nachfrage sollten dabei die Produktenvorräte ebenfalls steigen. Das war gestern nicht der Fall. Die Nachfrage legte im Vergleich zur Vorwoche zu. Daher geht eine bullische Reaktion der Börse in Ordnung.

DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden berichtenden Organisationen, meldeten folgende Zahlen über die wöchentliche Lagerbewegung:

Rohöl: -10,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -9,4 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -2,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 14,4 (DOE) bzw. 11,9 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg auf 92 Prozent. Die Zahlen beeindrucken ohne Zweifel nicht nur Bullen. Sie kamen übrigens auch zustande, weil die US-Importe drastisch zurückgefahren wurden. Dieser Umstand erhöht die globale Verfügbarkeit von Rohöl. Ein bärisches Argument ist somit bereits eingebaut. Es sollte sich bald entfalten.

Und in der Tat ist heute Morgen bereits eine Gegenreaktion auf den gestrigen Vorgang erkennbar. Soweit das Börsengeschehen rein physische Marktzusammenhänge betrifft, gibt es nach wie vor keinen Anlass zur Sorge um davon galoppierende Preise. Der gestrige Börsentag ruft allerdings weitere Finanzjongleure auf den Plan, die sich von bullischen Bildern einfangen lassen. Darin liegt derzeit die eigentliche Gefahr, die in einem akzeptablen bullischen Ölmarktmoment steckt. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 898,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,10 Dollar und in London zu 105,36 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 76,96 Eurocent. Die Werte zeigen einen deutlichen Anstieg zur Vorwoche.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise steigen weiter. Abermals werden sie von den Öl- und den Devisenbörsen getrieben. Das ist die schlechteste aller Konstellationen. Der Binnenmarkt ist als Impulsgeber nicht dabei. Er ist entspannt, aber mancherorts mit ungewöhnlich langen Lieferzeiten unterlegt. Die weitere Entwicklung der Preise gibt immer mehr Anlass zur Sorge. Mittlerweile ist der kurzfristige Seitwärtstrend in einen Aufwärtstrend übergegangen. Der mittelfristige Abwärtstrend steht noch. Er droht allerdings zu fallen. Heizöl ist noch billiger als vor einem Jahr, nicht weil sich der Preis freundlich entwickelt, sondern weil er mit einer Phase anziehender Preise verglichen wird (siehe hier). Hoffnung auf eine andere Preisentwicklung kann kaum aus der guten Versorgungslage gespeist werden. Sie bekommt derzeit allenfalls aus schlechten Konjunkturdaten etwas Nahrung. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Dazu empfehlen wir in einem ersten Schritt unseren e-Peilstab. Mit ihm lässt sich der Heizölverbrauch messen. Auf esytrol entsteht aus den Messungen ein Bild zur Energieintensität des eigenen Hauses. Wenn das bekannt ist, können Handlungen folgen.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Gute US-Arbeitsmarktdaten
Rohölbedarf soll deutlich steigen
New Yorker Notenbankchef dementiert Ende der lockeren Geldpolitik
Einige kleine Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Chinas Wirtschaft scheint in die Knie zu gehen
Produktenangebot soll deutlich steigen
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
OPEC, EIA und IEA Monatsberichte

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