Unseren neuen Kommentar für den 07.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: US-Rohöl rückt näher an den Weltmarkt

Internationaler Markt

Es sieht so aus, als sei der kurze, charttechnisch untermauerte Aufwärtslauf der Ölnotierungen auf einem moderaten Niveau beendet. Nun sollte es wieder abwärts gehen. Aus der Realwirtschaft ist nichts bekannt, was dem entgegen stehen könnte, kein Wirtschaftswunder, keine Anlagenexplosion, kein Wetterdesaster und auch politisch gibt es keine neue Katastrophe zu melden. Ein starker Treiber der Preise, die Kälte in den USA, verzieht sich langsam von der Wetterkarte. Mehr als dieser Umstand unterstützt die Schlussfolgerung, dass die Heizölversorgung in dieser harten Saison nicht kollabieren wird, die Auflösung der bullischen Situation. Finanzjongleure leiten das aus den US-Bestandsdaten ab. Die weisen bei den Destillaten (Heizöl und Diesel) einen geringeren Abbau auf, als erwartet wurde.

Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) erhobenen Bestandsänderungen wurden gestern nicht nur wegen der Heizölsituation mit Spannung erwartet. Die Finanzszene wollte auch Licht im Dunkel der Rohölentwicklung sehen. Sie zeigte sich erneut bärisch. Die Bestände wuchsen, obwohl die Raffinerien ihre Produktion steigerten. Der dritte Komplex, die Benzinvorräte, stehen derzeit nicht im Fokus der Interessen, nicht zuletzt weil ihr absolutes Volumen recht hoch ist. Die Veränderungen in den öffentlichen US-Öllagern gegenüber der Vorwoche werden wie folgt beziffert:

Rohöl: +3,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,1 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,5 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,5 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,7 (DOE) bzw. 0,1 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung liegt bei 87 Prozent. Damit sollte man gut über den Winter kommen. In Kürze wird die Verfügbarkeit sinken, weil die Anlagen auf die Produktion von Sommerware umgestellt werden.

Ein Datum, das derzeit hohe Beachtung findet, ist hier nicht genannt, der Rohölvorrat im US-Zentrallager in Cushing, Oklahoma. Dieser drohte aufgrund der steigenden US-Förderung überzulaufen. Mittlerweile sinkt er, weil es eine höhere Pipelinekapazität Richtung Süden zu den Häfen und Raffinerien am Golf von Mexiko gibt. Da Rohöl nach wie vor nicht exportiert werden darf, steigen die Vorräte nun dort in den Tanklagern. Das wird zu reduzierten Rohölimporten führen, da die Lager mit US-Rohöl belegt werden. Es ist zu erwarten, dass das Weltmarktangebot unter anderem aus diesem Grund steigen und damit die Preise unter Druck geraten werden. Die beiden Linien in diesem Chart werden sich in nicht all zu ferner Zukunft wieder berühren. Es handelt sich um die Preise für US-Rohöl WTI und Nordseerohöl Brent. Man erkennt den Zeitpunkt, an dem die US-Ölförderung zu steigen begann, an der Trennung der Linien. Als die bessere Einbindung von WTI in den Weltmarkt als Projekt verkündet wurde, schlossen sie sich fast. Das war Ausdruck einer Wette. Nun, da das Projekt realisiert ist, wird die Preisentwicklung nachhaltig zusammenlaufen. Wir erwarten eine Annäherung von beiden Seiten, Brent abwärts und WTI aufwärts.

Heute Morgen tendieren Brent und WTI gemeinsam abwärts. Darin steckt die bereits erwähnte Umkehrung der charttechnischen Situation. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 918,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,80 Dollar und in London zu 108,45 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,39 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich wieder solide im Abwärtstrend. Es gibt eine entsprechende, allerdings schwache Vorgabe von den Öl- und Dollarnotierungen. Der Handel hilft im Binnenmarkt aufgrund der zurückhaltenden Nachfrage oft mit, die Preise flach zu halten. Die Aussichten für noch tiefere Preise sind freundlich. Wer darauf spekuliert, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Die aktuellen Preise sind allerdings schon ziemlich gut. Wem der Spatz in der Hand lieber ist als die Taube auf dem Dach, soll wissen, dass Heizöl ungefähr soviel kostet wie vor drei Jahren. Das hat derzeit kein anderer Energieträger zu bieten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Konjunkturdaten aus China gut
Öllieferungen aus der Nordsee sollen sinken
Stress vor den Atomverhandlungen mit dem Iran
US-Notenbank pumpt immer noch viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Ende der US-Kälte naht
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
US-Notenbank drosselt die Geldpumpe weiter
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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