Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: USA ertrinken in Öl

Internationaler Markt

In den USA hat der Ölboom für den höchsten Rohölbestand seit 1982 gesorgt. Unter normalen Umständen würden die Ölpreise damit einen ordentlichen Abgang hinlegen. Die Umstände sind aber nicht normal. Der Ost-West-Konflikt um die Ukraine verzerrt die Preisbildung.

Die US-Bestandsdaten für die abgelaufene Woche sind so widersprüchlich wie beeindruckend. Für den Widerspruch sind die unterschiedlichen Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), den beiden für die US-Bestandserhebung zuständigen Institutionen, zuständig. Eindruck hinterlassen die als zuverlässiger eingeschätzten Erhebungen des DOE. Sie weisen einen Aufbau für Rohöl und Destillate (Heizöl und Diesel) aus und führen damit zum Rekordwert in den landesweit verteilten Rohöllagern. Das Zentrallager in Cushing Oklahoma, das vor wenigen Monaten noch überzulaufen drohte, verliert aufgrund der mittlerweile ausgebauten Infrastruktur nun Rohöl an andere Standorte. Da das Lager Cushing der Auslieferungsort für die börsennotierte Sorte WTI (West Texas Intermediate) ist, wird sich der gesamte bärische Druck der Rohölschwemme erst langsam in den Preisen zeigen. Im Einzelnen lauten die Lagerdaten wie folgt:

Rohöl: +3,5 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,5 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +0,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: -0,3 Mio. Barrel (DOE) bzw. -3,4 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,8 (DOE) bzw. ein Abbau von 2,3 (API) Mio. Barrel. Der Abbau wird als Fehleinschätzung betrachtet. Die Raffinerieauslastung stieg auf 91 Prozent. Diese Zahl verstärkt den prinzipiell bärischen Effekt der Daten, da sie zeigt, dass der Bestandsaufbau in eine Phase wachsender Rohölnachfrage fällt.

Die Nachfrage nach Ölprodukten ist überraschenderweise gesunken. Dieser Umstand deckt sich nicht mit der erwarteten Konjunkturbelebung in den USA. Aktuelle Zahlen aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Häusermarkt bestätigen die mangelnde Wirtschaftsdynamik.

Die skizzierte Lage ist bestens für eine Fortsetzung der verbraucherfreundlichen Preisbildung geeignet. Diese wird allerdings durch das politische Theater um die Ukraine gestört. Es kann sein, dass diese Störung einzig Folge der mangelhaften Dialogbereitschaft zwischen Ost und West ist. Möglich ist aber auch, dass die konfrontative Kommunikation der USA gezielt eingesetzt wird, um einen Verfall der Öl- und Gaspreise zu verhindern. Sollte dieser tatsächlich kommen, wäre der Energieboom des Landes gefährdet. Die technisch anspruchsvolle Förderung ist nämlich teuer und deshalb auf „auskömmlich“ hohe Preise angewiesen.

Gestern gaben die Ölnotierungen als Folge der Bestandszahlen deutlich nach. Mittlerweile ist der Verlust weitgehend annulliert. Heute Morgen tendieren die Notierungen wieder aufwärts. Die Tonne Gasöl kostet 920,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,79 Dollar und in London zu 109,44 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,36 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Das geschieht nur bedingt als Folge der Börsenvorgaben. Der nachfrageschwache Binnenmarkt trägt einen Teil dazu mit Rabatten bei, die in den Preisen enthalten sind. Mehr Kaufbereitschaft vermögen sie aber nicht auszulösen. Unser Heizölkauf-Barometer zeigt, dass die Plattformnutzer derzeit keine Käufer sind. Der Grund für die Zurückhaltung ist unter anderem in unserem Tiefpreis-System zu erkennen. Die Preise sind relativ weit von „Kaufmomenten“ entfernt. Es herrscht allerdings eine gewisse Zuversicht, dass sich die Preise wieder besser entwickeln. Charttechnisch wird diese auf mittlere Sicht bestätigt. Der kurzfristige Trend steht noch dagegen. Er passt zur politischen Lage. Wer auf tiefere Preise spekuliert, braucht nach wie vor hohes Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer derzeit gezwungen ist, Heizöl zu kaufen, soll wissen, dass die Preise immer noch deutlich besser sind als Ende April der letzten drei Jahre. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine-Konflikt
EU-Konjunkturdaten
Weniger Öl aus der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Zweifel an Konjunkturentwicklung in China und USA
Verhandlungen um iranisches Atomprogramm
Rohölnachfrage der Raffinerien frühjahrsbedingt schwach
Libyen beginnt etwas mehr Öl zu exportieren

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