Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: USA lassen Bärchen los

Internationaler Markt

Die US-Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal hochgerechnet auf das Jahr um 2,9 Prozent. Mit einem so herben Rückgang hatte man nicht gerechnet. Er wird Folgen für die Prognose des Ölkonsums haben. Der zeigt ohnehin gerade eine unerwartete Schwächephase. Zur Erinnerung, der Winter war in den USA sehr kalt und beeinträchtigte das normale Leben ungewöhnlich stark.

Die Schwächephase der US-Nachfrage kommt unter anderem in den Bestandsdaten zum Ausdruck. Sie steigen stärker als erwartet an. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Erhebung zuständigen Institutionen, legten dazu gestern folgende Zahlen vor:

Rohöl: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +0,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 3,6 (DOE) bzw. 5,9 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung stieg zwar auf 89 Prozent. Der Wert ist, gemessen an der ambitionierten Nachfrageerwartung für die diesjährige Sommersaison, gleichwohl schwach.

Die Ölnachfrage in den USA wird vermutlich im Abwärtsmodus bleiben. Als Trend existiert dieser seit 2005. Lediglich in den Jahren 2010 und 2013 legte der Konsum zu. Dieser Umstand konnte nicht verhindern, dass in den letzten acht Jahren ein Nachfragerückgang von insgesamt zehn Prozent auflief.

Da die Ölproduktion seit 2009 beachtlich ansteigt, ist es naheliegend, dass US-Ölunternehmen den Export von Rohöl anstreben. Über kurz oder lang wird das Exportverbot sicher aufgelöst werden. Dann stünden dem Weltmarkt in zwei bis drei Jahren nennenswerte Mengen zur Verfügung, die dämpfend auf die Preisentwicklung wirken können.

Die gegenteilig wirkenden Einflüsse, Krieg im Irak, Auflösung der staatlichen Ordnung in Libyen, Atomverhandlungen mit dem Iran, Ukraine-Krise, sind in diesen Tagen nicht in der Preisbildung zu erkennen. Im Wesentlichen sind sie eingepreist. Die Ölnotierungen reagieren nun auf andere Einflüsse bis sich in den Krisengebieten etwas Neues ergibt.

Heute Morgen werden Gewinne, die gestern im späten Handel aufliefen, annulliert. Die Ölnotierungen befinden sich in einem schwachen kurzfristigen Abwärtstrend. Die Tonne Gasöl kostet 930,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 106,62 Dollar und in London zu 113,85 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3638 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich wenig. Dieser Umstand deckt sich mit dem Geschehen an den internationalen Ölbörsen. Die Marke von 80 Cent pro Liter im Bundesdurchschnitt bei 3.000 Liter Liefermenge scheint sich erneut wie im Januar und Februar dieses Jahres als Referenzwert zu etablieren.
Der Binnenmarkt ruht still. Bestellungen kommen nur in homöopathischen Dosen herein, wie unser Heizölkauf-Barometer zeigt. Mehr oder weniger hohe Rabatte in den Preisen vermögen keine Kauflust zu wecken, da sie im Vergleich zu den externen Preiseffekten gering sind. Sie dienen allenfalls der Differenzierung zwischen den Heizölhändlern.

Das mathematische Tiefpreis-System steht weit von jedwedem Kaufsignal entfernt. Ein Kaufgrund kann allenfalls die momentane Freude über ein wenig Verbilligung im Zusammenhang mit einem leeren Tank sein. Unsere Leser schätzen die kurzfristige Preisentwicklung wieder positiv ein. Daraus folgt, dass kaum jemand aus Sorge vor einer Eskalation der geopolitischen Probleme Heizöl bestellt.

Der aktuelle Rückgang der Preise ist eine Gegenbewegung zum Aufwärtstrend der letzten zwei Wochen. Die Trends bleiben dabei intakt. Um sie zu brechen, bedarf es einer grundlegenden Änderung mindestens eines Krisenfaktors, zum Beispiel die Zerschlagung der ISIS im Irak. Das scheint utopisch zu sein. Anlass zur Hoffnung auf günstigeres Heizöl bietet allerdings die längerfristige Preisbetrachtung. Sie zeigt nach wie vor einen Abwärtstrend an. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise knapp unter dem Niveau der letzten beiden Jahre liegen. Sie sind trotz der bedrohlichen Ereignisse nicht davongeflogen. Dass das noch geschehen kann, ist nicht in Gänze ausgeschlossen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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