Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: USA sollen Russland mit Öl ausboten

Internationaler Markt

Libyen schlägt die Ukraine, nicht im Fußball, auch nicht im Krieg, aber an den Ölbörsen. Während der Krim-Konflikt bis zum Referendum am Wochenende auf Sparflamme lodert, steuert Libyen auf einen Bürgerkrieg zu, der das Zeug hat, die Ölnotierungen ordentlich aufwärts zu hieven. Der gestrige Versuch, einen beladenen Öltanker an den staatlichen Autoritäten vorbei auf den Weltmarkt zu schicken, scheiterte an eben diesen Staatsautoritäten. Zur Stunde tobt ein Wortgefecht, in dem geklärt werden soll, welche Partei nun die Gewalt über das Schiff hat, Staat oder Separatisten. Unterdessen bereitet der Staat nach eigenen Angaben eine Militäraktion zur Befreiung der blockierten Ölhäfen vor. Die Separatisten rüsten sich ihrerseits gegen den möglichen Ansturm der Regierungstruppen. Nach einem Aufbau von Lieferfähigkeit klingt das beileibe nicht. Schade eigentlich, zumal im Süden des Landes gerade eine friedliche Lösung mit einer Gruppe erzielt wurde, die eines der produktionsstärksten Ölfelder besetzt hielt. Das Öl von dort strömt wieder. Es kann aber nicht verschifft werden. Wenn in den Häfen Kämpfe ausbrechen sollten, muss mit einer Zerstörung der Ölterminals gerechnet werden. Sie würde eine längerfristige Lieferunterbrechung besiegeln.

Die Lage geht gerade in die Preisbildung an den Börsen ein. Wirklich alarmierend sieht die Entwicklung noch nicht aus. Es gibt einen ans Skurrile grenzenden Grund, der das möglicherweise verhindert. Dieser verbindet den Krim-Konflikt mit US-amerikanischem Größenwahn. Derzeit überbieten sich US-Politiker in bester John-Wayne-Rhetorik mit Drohgebärden gegen den Klassenfeind Putin. Wären Worte militärische Waffen, fände der dritte Weltkrieg bereits statt. Der mediale Druck zum gewaltigen Wort ist so stark, dass selbst zur Reflektion fähiges Personal wie Hillary Clinton oder Barack Obama nicht ohne Gesichtsverlust an der Scharfmacherei vorbeikommt. Die politische Klasse lässt sich von der auferstandenen Glaubenskriegerin Sarah Palin am Nasenring durch die Manege ziehen. „Mister Präsident, es gibt nur eines, was einen bösen Menschen mit einer Atombombe stoppen kann, und das ist ein guter Mensch mit einer Atombombe“. Ausgerechnet ein Parteikollege Palins, Rand Paul, Senator von Kentucky, rät von jedweder militärischen Phantasie gegen Russland ab und gewinnt damit sogar Testwahlen. Er möchte Putin wirtschaftlich zur Strecke bringen, indem er Europa mit amerikanischem Öl und Gas versorgt. Hierzu möge der Präsident umgehend das Exportverbot für Rohöl und Gas aufheben und die ohnehin wachsende US-Förderung massiv steigern. Sein Petitum: Die Krim-Krise ist keine Bedrohung, sondern eine unermessliche Chance für Rohstoffgeschäfte der USA. Na dann mal los. Finanzjongleure könnte diese Phantasterei immerhin daran hindern, die Kriegskarte im Fall Libyens oder der Ukraine allzu locker zu spielen.

Heute Morgen wird diese Karte in der Tat sehr verhalten an den Ölbörsen eingesetzt. Es gibt eine Aufwärtsbewegung. Sie findet aber noch in einem kurzfristigen Abwärtstrend statt. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 908,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,30 Dollar und in London zu 108,16 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,16 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise tendieren weiterhin abwärts. Gestern gaben die Ölnotierungen den Ausschlag. Aktuell wird die Vorgabe ein wenig zurückgenommen. Die Trends in den verschiedenen Perioden bleiben aber fest im freundlichen Bereich. Der Binnenmarkt mit seiner schwachen Nachfrage bietet dem Handel kaum eine Chance, nennenswert höhere Margen und damit eventuell höhere Preise einzufordern. Die Aussichten sind kurzfristig mal wieder ein wenig harzig. Mittelfristig scheint die Sache aber positiv für Verbraucher zu laufen. Wir können uns gut ein Dreijahrestief der Heizölpreise innerhalb der kommenden drei Monate vorstellen. Wer darauf spekuliert, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer Spekulation ablehnt, sollte einfach Heizöl ordern. Die Preise sind bereits gut. Zuletzt waren sie im August 2011 tiefer als heute. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen droht zu zerreißen
Unruhen in Venezuela
Produktionsausfälle im Südsudan

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schwache Konjunkturdaten aus China
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
Winter in den USA läuft aus

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