Unseren neuen Kommentar für den 03.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Unsicherheit bleibt

Internationaler Markt

Rohöl ist nicht gleich Rohöl. Es gibt eine kaum zu überblickende Vielfalt von Sorten. Sie haben unterschiedliche Energiegehalte, unterschiedliche Viskositäten, unterschiedliche Schwefelgehalte und einen breiten Mix von unliebsamen Nebenstoffen und Verunreinigungen. Ihre Verarbeitung zu Ölprodukten muss in einer Raffinerie auf den spezifischen Sortenmix abgestimmt werden. Jede Sorte hat einen anderen Preis. Gleichwohl werden Preisveröffentlichungen auf die drei Referenzöle Brent (Nordseeöl), WTI (West Texas Intermediate) und den OPEC-Korb reduziert. Die Referenzöle sind selbst ein Gemisch aus verschiedenen Sorten, allerdings mit definierten Charakteristiken für Energie- und Schwefelgehalt sowie Dichte. Brent und WTI werden an Börsen gehandelt. Ihre Preise sind bei uns gelistet.

WTI ist aufgrund seiner Zusammensetzung das wertvollste der drei Rohöle. Jahrelang war es etwas teurer als Brent und der OPEC-Korb. Das änderte sich in 2010. Damals fiel der WTI-Preis unter den Brent-Preis. In der Öffentlichkeit kursierten verschiedene Erklärungsversuche. Die meisten waren unzutreffend. Heute wissen wir, dass der Effekt den Beginn des US-Ölbooms und ein Defizit in der US-Transportstruktur widerspiegelt. Das geförderte Öl wurde zu einem großen Teil in den Zentraltanks in Cushing, Oklahoma, eingelagert. Von dort konnte es nur ungenügend verteilt werden, da die Richtungen der angeschlossenen Pipelines nicht stimmten. Die stammten aus der Zeit der großen Rohölimporte über die Südküste. Cushing, der sogenannte Andienungs-Ort für WTI, drohte überzulaufen. Das drückte ab Ende 2010 den Preis, wie dieser Chart zeigt.

Mittlerweile ist die Transportstruktur geändert. Nun droht Cushing leerzulaufen, obwohl der US-Ölboom unvermindert anhält. Massen von Rohöl wurden in andere Lager, vornehmlich im Süden des Landes, umgepumpt. Demzufolge nähert sich der WTI-Preis wieder an den Brent-Preis an.

Im Chart ist auch zu erkennen, dass der jahrelange Aufwärtstrend der Ölpreise mit dem Beginn des US-Ölbooms beendet wurde. Für die Sorte Brent entwickelte sich ein Trend, der zwischen seitwärts und schwach abwärts einzuordnen ist. Er wurde durch die jüngsten geopolitischen Bedrohungen noch nicht gebeugt. Das ist eine gute Feststellung. Angesichts des US-Ölbooms hätte er allerdings einen stärkeren Abwärtslauf verdient. Der sollte einsetzen, sobald die Ukrainekrise in ein friedliches Fahrwasser gesteuert wird.

Davon ist aktuell noch nichts zu spüren. Momentan herrscht allenfalls abwartende Ruhe an den Ölbörsen. Die kann vor dem Wahlwochenende in der Ukraine wieder zu Sturm werden. Die Tonne Gasöl kostet zur Stunde 912,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,88 Dollar und in London zu 109,81 Dollar gehandelt. Der Euro kostet 1,3708 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise bewegen sich kaum. Immerhin, sie halten ihre Abwärtstrends in den verschiedenen Zeitbetrachtungen. Die Vorgaben durch die Ölnotierungen sind leicht bullisch. Der extrem schwache Binnenmarkt hält mit rabattierten Preisen dagegen. Nachfrage findet dennoch kaum statt. Echte Kaufanreize stellen die aktuellen Preise nicht dar, wie unser Tiefpreis-System zeigt. Allerdings sind sie de facto nicht schlecht. Im Vergleich der letzten drei Jahre am 21. Mai liegen sie ganz unten. Die Hoffnung unserer Leser auf tiefere Preise hellt sich wieder auf. Das ist möglicherweise die Frucht der aktuellen Medienabstinenz zur Ukrainefrage. Die kann sich mit dem Abhalten der Präsidentschaftswahl schnell ändern. Wir sind weiterhin besorgt über die Auswirkung der geopolitischen Vorgänge und stehen der Spekulation auf tiefere Heizölpreise allenfalls neutral gegenüber. Das Risiko, mit einer bärischen Erwartung falsch zu liegen, ist beachtlich. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen rutscht immer tiefer in die Krise
Ukraine rutscht immer tiefer in die Krise
EU dreht an Sanktionsschraube gegen Russland
Produktionsausfall in der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Moskau gibt Signale der Entspannung im Ukrainekonflikt
Ölnachfrage in Prognosen etwas reduziert
Rezessionsgefahr in Russland

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