Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Verzweifelung an europäischer Politik

Internationaler Markt

Die Ukraine steuert auf einen Bürgerkrieg zu und Europa auf eine Energieblockade. In Libyen kommt es nicht zur Einigung zwischen Separatisten und Regierung und das Öl bleibt im Boden. Damit bewahrheiten sich die naheliegenden Befürchtungen. Die Ölpreise reagieren bullisch.

Europäische Außenpolitik ist eine bemitleidenswerte Erscheinung. Sie hat sich zum Dackel US-amerikanischer Tölpeleien gemacht. In allen für unsere energiepolitischen Interessen relevanten Angelegenheiten der jüngeren Geschichte unterwarf sich Europa einem blödsinnigen amerikanischen Diktat. Die Sanktionen gegen den Iran entzogen uns Öl, das andernorts teurer ersetzt wird. Die zweifelhafte Befreiung Libyens entzog uns noch mehr Öl, das andernorts teurer ersetzt wird. Sanktionen gegen Russland werden uns weiteres Öl und vor allen Dingen Gas entziehen, das sich andernorts nicht ersetzen lässt.

Ist unsere Welt durch all die Maßnahmen ein Stück besser geworden? Nein, das Chaos wird lediglich größer. Der Iran wird seine Atompläne niemals aufgeben. Das muss er als souveräner Staat auch nicht. Die USA, China, Russland, Indien, Pakistan, Großbritannien, Frankreich und andere Atommächte tun es auch nicht. Libyen wird so enden wie Somalia. Und der Ukraine helfen die westlichen Drohungen und Sanktionen gegen Russland in keiner Weise, ordnungspolitisch und wirtschaftlich auf die Beine zu kommen. Uns Europäer stürzen sie hingegen in ein Energiepreisdilemma, das schnell zu einer veritablen Energiekrise werden kann. Den USA helfen die steigenden Preise hingegen, die eigene Öl- und Gasproduktion auszubauen. Zur Energieautarkie reicht sie aber nicht und schon gar nicht zur Mitversorgung Europas.

Niemand soll sich in dieser Lage einbilden, dass die Energiewende nur den Hauch einer Chance hätte, die Fehlmengen in absehbarer Zeit auszugleichen. Russisches Öl und Gas decken unseren Endenergieverbrauch ungefähr zu 20 Prozent. Die Regenerativen haben einen Anteil von rund sieben Prozent. Sie stehen nicht kontinuierlich, sondern nur bei entsprechendem Wetter zur Verfügung. Mit dem gegenwärtigen Management der Energiewende werden die Ziele, wie sie für 2050 geplant sind, nicht erreicht. Mit der gegenwärtigen Außenpolitik wird die Absicherung der Energieflüsse bis zum Abschluss des Umbaus unserer Energieversorgung verspielt.

Das ist der Hintergrund, der der Finanzszene wunderbare Geschäfte mit bullischen Spekulationen auf Öl gestattet. Heute Morgen kostet die Tonne Gasöl 928,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,77 Dollar und in London zu 110,26 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,30 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise ziehen wieder an. Die Ölnotierungen für europäische Titel lassen ihnen keine andere Chance. Im nachfrageschwachen Binnenmarkt versucht man zwar mit Rabatten dagegen zu halten. Die Höhe des Abstiegs ist aber unmöglich auszugleichen. Unsere Preise enthalten alle Einflüsse. Im Maßstab des Tiefpreis-Systems sind sie unattraktiv für einen Kauf. So ist das Rot im Heizölkauf-Barometer, das das Nutzerverhalten auf unserer Plattform wiedergibt, nur folgerichtig. Die Hoffnung auf fallende Preise war gestern noch groß. Heute müssen wir feststellen, dass sie enttäuscht wird. Der mittelfristige Abwärtstrend ist immerhin noch intakt. Insofern ist ein Funken Hoffnung auf die Rückkehr der guten Kaufmomente noch angebracht. Die politische Lage ist eher zur Verzweiflung geeignet. Auf tiefere Heizölpreise zu spekulieren, ist derzeit heldenhaft. Wer es dennoch wagt, braucht höchstes Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer gezwungen ist, Heizöl zu kaufen, soll wissen, dass die Preise immer noch deutlich besser sind als Ende April der letzten drei Jahre. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine-Konflikt wird immer heißer
Libysches Öl bleibt blockiert
Weniger Öl aus der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Verhandlungen um iranisches Atomprogramm
Rohölnachfrage der Raffinerien frühjahrsbedingt schwach

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