Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Viel Öl, viel Missklang

Internationaler Markt

Max Weber empfahl der Politik vor gut 100 Jahren die Balance zwischen Verantwortungs- und Gesinnungsethik zu suchen. Die verantwortungsvolle Entscheidung orientiert sich am tatsächlichen Ergebnis für die betroffenen Menschen. Die Gesinnungsentscheidung stellt die Einheit zwischen Werten und Handlungsabsicht über das realisierbare Ergebnis. Webers Lehre findet bis heute höchste Anerkennung unter den politischen Denkern unseres Landes. Sein Petitum erkennt man in ernsthaften Debatten um die richtige Politik in der Ukraine-Frage. Lauter sind allerdings die Stimmen, die sich auf die richtige Gesinnung berufen. Sie verzichten auf differenziertes Denken zugunsten der einfachen Botschaft.

Gesinnungsethisch ist die US-Politik seit Jahren zunehmend auffällig. Ihre Polarisierung macht es einem Europäer schwer, den um Konsens ringenden Dialog zu führen. Da prallen zwei unterschiedliche Denkkulturen aufeinander. Hinzu kommt der Widerspruch zwischen den formulierten amerikanischen Werten und der ausgeübten politischen Praxis. Da passt wenig zusammen.

Im Streit um die Ukraine wären wir möglicherweise schon weiter, wenn die USA respektieren würden, dass es sich hierbei um eine europäische Angelegenheit handelt. In Verhandlungen zwischen der EU und Russland wäre Webers Balance höchstwahrscheinlich ein von beiden Seiten verstandener politischer Ansatz, der den Dialog fördern würde. Die Idee wird in absehbarer Zeit nicht über den Konjunktiv hinauskommen. Und so bleiben die für Menschen und Ölpreise misslichen Umstände auf unabsehbare Zeit Realität. Daran ändern selbst negative Auswirkungen der Politik auf die Konjunktur, um deren Wachstum die USA besonders ringen, nichts. Da zeigt sie sich, die Gesinnungsethik.

Trotz der schlechten Voraussetzungen sehen wir eine verbraucherfreundliche Entwicklung der Ölnotierungen. Sie ist das Ergebnis des guten Angebots, das uns zu einem wesentlichen Teil die USA bescheren. Sie arbeiten wie die Ameisen an ihrem Ölboom. Sein Ausmaß wird Woche für Woche in den US-Bestandsdaten offensichtlich. Die Rohölvorräte haben nach den aktuellen Daten schon wieder ein neues historisches Hoch erreicht. Darüber hinaus wachsen auch die Produktenvorräte. Die entsprechenden Zahlen von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), den beiden für die US-Bestandserhebung zuständigen Institutionen, lauten wie folgt:

Rohöl: +1,7 Mio. Barrel (DOE) bzw. +3,0 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,9 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,7 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,0 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 5,2 (DOE) bzw. 3,7 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 91 Prozent. Diese Zahl verstärkt den prinzipiell bärischen Effekt der Daten, da sie zeigt, dass der Bestandsaufbau in eine Phase wachsender Rohölnachfrage fällt. Der Aufbau in den Produktenlagern nährt zudem Zweifel an der Nachfragekraft der US-Bürger und damit an der Konjunkturentwicklung. Sie läuft nicht so, wie Politik und Notenbank es beschreiben.

Fazit: Die Lage am Ölmarkt ist bedingt bärisch. Gestern und vorgestern sanken die Notierungen. Heute Morgen steigen sie leicht. Eine Tagestendenz ist das noch nicht. Die Tonne Gasöl kostet 903,75 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 99,50 Dollar und in London zu 107,93 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,17 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben deutlich nach. Wenn sich heute nichts Gravierendes ändert, werden wir die Darstellung des kurzfristigen Aufwärtstrends beenden. Der mittelfristige Abwärtstrend ist auf alle Fälle wieder solide auf Kurs. Der Binnenmarkt ist sehr ruhig. Die Nachfrage ist mindestens wegen der Feiertage schwach, wahrscheinlich auch wegen unzureichend attraktiver Preise. Daran ändern die in den Preisen enthaltenen Rabatte des Handels nichts. Beides, schwache Nachfrage und unzureichend attraktive Preise, werden von unseren Messsystemen, Heizölkauf-Barometer und Tiefpreis-System, bestätigt. Die bärische Lesereinschätzung in Kombination mit wenigen Käufen deutet zudem darauf hin, dass auf tiefere Preise spekuliert wird. Die Voraussetzungen für einen Erfolg des Spiels verbessern sich. Wer ihm folgt, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer gezwungen ist, Heizöl zu kaufen, soll wissen, dass die Preise immer noch besser sind als am 2. Mai in den letzten drei Jahren. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Ukraine-Konflikt wird immer heißer
Wirtschaftssanktionen gegen Russland bedrohen Öl- und Gaslieferungen
Weniger Öl aus der Nordsee

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Russland beordert Truppen an Ukraines Grenze in Kasernen zurück
Schwache Konjunkturdaten aus den USA und China
Rezessionsgefahr in Russland
Verhandlungen um iranisches Atomprogramm

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