Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Vom Frieden geküsst

Internationaler Markt

Natürlich sind die Unruheregionen des Ölmarkts nicht befriedet. Befriedet scheinen lediglich die Großmachtinteressen in diesen Regionen. Genau genommen befinden sie sich auf dem Weg zur Befriedung. Was befriedete Interessen bedeuten können, zeigt die Ölbörse. Die alarmgetriebene Ölpreisrallye der Monate Juli und August wird gerade annulliert. Das Börsengeschehen orientiert sich in diesen Tagen am Realmarkt, das heißt an Angebot und Nachfrage. Eine solche Situation hat mit Blick auf die letzten Jahre Seltenheitswert. Endlich wird das gewürdigt, was uns immer wieder veranlasst, über eine Phase stabiler oder gar leicht rückläufiger Ölpreise zu spekulieren. Das Angebot ist üppig. Die Nachfrage wächst mit gezogener Bremse.

Am üppigen Angebot hat der neue Ölboom in den USA einen großen Anteil. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich das Angebotswachstum eine Zeit lang fortsetzen wird. Die Raten werden allerdings sinken. Und von langer Dauer wird das Glück nicht sein. Öl aus gefrackten Quellen versiegt viel schneller als Öl aus konventioneller Produktion. Der Bohraufwand ist immens. Bald werden viele Tausend Bohrungen im Jahr nötig sein, um das Förderniveau zu halten. Der Aufwand gibt den USA ein Stück Unabhängigkeit zurück. Die Ölimporte können deutlich reduziert werden, so dass China die USA in Kürze als größter Ölimporteur ablösen wird. Um den Traum von der vollständigen energetischen Unabhängigkeit zu realisieren, reicht die Entwicklung auf der Angebotsseite jedoch nicht aus. Dieser Traum kann nur mit einer drastischen Nachfragesenkung in Erfüllung gehen. Die Tradition der USA scheint derartige Gedanken zu verbieten. Gleichwohl sollte man nicht ausschließen, dass die Entwicklungen auf der Nachfrageseite eines Tages als gigantische „Energiequelle“ verstanden werden.

Neben den USA melden auch andere Länder Fortschritte bei der Aufstockung ihrer Förderung. So schafft Saudi Arabien, die alte Königin der Ölwelt, ein neues Förderhoch, obwohl die schwarze Energie längst nicht mehr so unbeschwert aus dem Boden sprudelt wie zur Zeit der großen Entdeckungen. Man muss dem Glück mit gewaltigen Wassereinschüssen auf die Sprünge helfen. Großes geschieht auch im Irak, in Kuwait, in Kanada und in Katar. Großes kann im Iran geschehen, wenn man das Land lässt. In diesen Tagen beginnt eine neue Gesprächsrunde zum Atomstreit, bei der erstmals ernsthafte Hoffnungen auf einen Erfolg angebracht sind. Großes kann schließlich der Kontinent Afrika als Ganzes zum Ölangebot beisteuern.

Auf der Nachfrageseite ist von den alten Industrieländern eine Senkung zu erwarten. Diese folgt sowohl aus schwachen Konjunkturen als auch aus Energieeinsparungen sowie dem Ersatz fossiler durch regenerative Angebote. Schwellenländer befinden sich in einer anderen Phase. Sie erhöhen ihren Ölbedarf gewaltig. Selbstverständlich sind China und Indien die wichtigsten Nachfrageländer im Wachstum. Weitere Beispiele großer Verbrauchssteigerungen finden wir in Saudi Arabien, Russland, Brasilien, Thailand, Südkorea. Insgesamt wächst das Angebot derzeit aber schneller als die Nachfrage. Diese Tatsache ist der wesentliche Grund für die Hoffnung auf eine freundliche Preisentwicklung. Gedämpft wird diese Hoffnung durch die Kostenentwicklung einer zunehmend komplizierten Förderung.

Heute Morgen lässt die Ölbörse noch keine Richtung erkennen. Das war in den letzten Tagen auch so. Der aktuelle Trend spricht aber eindeutig für einen weiteren Preisabgang. Die Tonne Gasöl kostet 910,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,57 Dollar und in London zu 108,22 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 74,02 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben weiter nach. Gestern wurden sie erneut von den Ölbörsen getrieben. Der Dollar hielt ein wenig dagegen, konnte die Entwicklung aber in keiner Weise neutralisieren. Der Binnenmarkt ist immer noch ruhig. Deshalb bleiben nennenswerte Margenerhöhungen, wie sie in starken Nachfragemomenten üblich sind, aus. Die freundliche Preisentwicklung hat einen Lauf. Nun gilt es, nicht übermütig zu werden und den Fortgang nüchtern zu beobachten. Trendgemäß kann er zunächst noch drei Prozent Einsparung bei einer 3.000 Liter Bestellung bringen. Bis dahin ist die Entwicklung spekulativ. Danach wird sie hoch spekulativ. Aktuell kostet Heizöl gut zehn Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Das ist ein guter Kaufgrund für alle, die die Spekulation ablehnen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Fortsetzung der lockeren Geldpolitik bestätigt
Einige kleinere Infrastrukturstörungen
Politische Spannungen im Nahen Osten und Nordafrika

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Iran will über sein Atomprogramm reden
Libyen wird Teile der üblichen Lieferungen wieder aufnehmen
Irak meldet Inbetriebnahme eines neuen Ölfelds
Trans-Niger-Pipeline wieder in Betrieb
Diverse Länder melden steigende Ölproduktion
Globale Rohölnachfrage soll zum Herbst sinken

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