Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Wachstumsgeplapper verpufft

Internationaler Markt

Wachstum, das Wort bleibt das Mantra der politischen Eliten in der Welt. Am Wochenende gaben sich die Vertreter der führenden 20 Wirtschaftsnationen das Versprechen, in einen Konjunktur-Booster zu investieren, der das „normale“ Wirtschaftswachstum um zusätzliche zwei Prozent steigert. Das ist eine frohe Kunde für die Finanzszene. Sie kann sich einigermaßen sicher sein, dass auf dieser Grundlage weitere unorthodoxe Maßnahmen der Notenbanken möglich werden, durch die reichlich frisches Geld ins System gepumpt wird. Alle verlorenen Menschen ohne Arbeit, für die das Theater angeblich veranstaltet wird, sollten hingegen nicht hoffen, dass sich ihre Lage nennenswert verbessern wird. Wenn sie überhaupt einen Job bekommen, wird er schlecht bezahlt sein. Genau das ist nämlich die Lehre aus mehreren Jahrzehnten ungezügelten Wachstumswahns. Es sorgte zwar für eine gerechtere globale Vermögensverteilung unter den Staaten. Innerhalb der Staaten wird die Vermögens- und Einkommenslage aber immer ungerechter. Die Prekariate wachsen.

Es ist gut möglich, dass neben dem Finanzsektor ein Stück Realwirtschaft zusätzlichen Schwung erhalten wird. Das würde dann zu wachsender Rohstoffnachfrage und tendenziell steigenden Ölpreisen führen. Diese Aussicht wird den Profiteuren der Zügellosigkeit herzlich egal sein. Ängstigen müssen sich nur die Adressaten der „gut“ gemeinten Politik.

An anderer Stelle sorgt man sich darüber, dass faule Kredite in China einen Höchststand erreicht haben und dass in den USA erneut eine Immobilienblase entsteht. Beides ist direkt auf die Politik des lockeren Geldes zurückzuführen. Mehr als für zusätzliches Wirtschaftswachstum hat diese Politik in den letzten Jahren für zusätzliche Verschuldung gesorgt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Kartenhaus aus unsolider Finanz- und Wirtschaftspolitik bald wieder crashen wird, ist hoch. Durch den Booster wird sie nicht etwa gedämpft, sondern angefacht.

Dass Schwellenländer Wirtschaftswachstum anstreben, ist vollkommen plausibel. Schließlich wünscht man jedem Menschen ein sicheres Dach über dem Kopf und etwas Wohlstand darunter. Dass die hochentwickelten Wohlstandsnationen ebenfalls Wachstum für sich reklamieren, ist ein Sachverhalt, der zwischen Ignoranz und Dummheit anzusiedeln ist. Jedem denkenden Menschen ist klar, dass die Grundlagen für unbegrenztes Wirtschaftswachstum nicht auf dieser Erde zu finden sind. Ganz abgesehen davon, dass materieller Überfluss noch niemanden glücklich gemacht hat, jedenfalls nicht über einen kurzen Moment hinaus. Deshalb ist das einzig Vernünftige, jetzt hart an Konzepten für eine wachstumslose Wohlstandsgesellschaft zu arbeiten, die früher oder später von den Schwellenländern übernommen werden. Dabei muss zwangsläufig eine Annäherung der Vermögens- und Einkommensverhältnisse innerhalb der Staaten herauskommen. Für eine gewisse Zeit wird diese Annäherung sogar für konjunkturellen Schwung sorgen, da prekäre Bevölkerungsschichten wirtschaftlich ertüchtigt werden.

Auf den Ölmarkt hat das Wochenendgeplapper der politischen Eliten keinen messbaren Einfluss. Es scheint ignoriert zu werden, was sicher eine gute Entscheidung ist. Hier sorgt man sich weiterhin um die jüngsten Angebotsausfälle in Libyen und im Südsudan sowie um die Unruhen in Venezuela. Die Ausfälle kamen mit Ansage und sind preislich bereits berücksichtigt. Die diplomatischen Ausfälle bei den Atomverhandlungen mit dem Iran sind hingegen weniger gravierend als befürchtet. Und auch die erneut harte Winterwelle in den USA verliert an bullischem Einfluss, da der Blick auf den Kalender ein nicht mehr fernes Ende erahnen lässt. Im Übrigen wird das Land gerade mit Heizöl aus Europa versorgt, wo es mangels Winter im Überfluss vorhanden ist.

Dem Gang der Ölnotierungen könnte man in der Tat den Einfluss von wärmenden Frühlingsgefühlen andichten. Heute Morgen ist aber noch nicht klar, ob der Rückgang nicht schlicht eine charttechnische Angelegenheit ist. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 931,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 102,42 Dollar und in London zu 109,99 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,72 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Das geschieht auf Grundlage der Öl- und Dollarnotierungen. Der Binnenmarkt ist extrem ruhig. Die nicht vorhandene Nachfrage sorgt immer wieder für Rabatte, die preissteigernde Börseneinflüsse dämpfen und heute Morgen den Effekt der nachgebenden Notierungen sogar verstärken. Kurzfristig sehen wir die Preisentwicklung weiterhin durchwachsen. Mittelfristig erwarten wir noch freundlichere Preise. Wer darauf spekulieren möchte, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wer Spekulieren unanständig oder nervig findet, soll wissen, dass Heizöl ohnehin günstig ist. Es kostet weniger als vor einem, vor zwei und vor drei Jahren. Einen derartigen Preisrückgang bietet kein anderer Energieträger. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen liefert weiterhin kaum Öl
Produktionsausfälle im Südsudan
Unruhen in Venezuela
US-Heizölvorräte knapp

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet
Atomverhandlungen mit dem Iran laufen wieder

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen