Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Wenn einem so viel Gutes widerfährt

Internationaler Markt

Zunächst war es eine Ankündigung. Sie unterschied sich von früheren Ankündigungen durch ihre Sprecher. Ministerpräsident und Rebellenführer saßen gemeinsam vor den Kameras. Dann wurde die Erklärung über Höhere Gewalt aufgehoben, die die Nichteinhaltung von Lieferverträgen straffrei stellt. Und nun deutet alles darauf hin, dass Libyen tatsächlich der Wiederaufbau seiner Öllieferungen gelingen wird. Wenn einem so viel Gutes widerfährt, ist das schon einen Preisabgang wert.

Die Nachrichten lassen anders lautende Meldungen aus der Nordsee unwichtig erscheinen. Dort müssen Rohöllieferungen wegen Wartungsarbeiten im August reduziert werden. Der Umfang wird ähnlich sein, wie der erwartete Aufbau in Libyen.

Analysten übergewichten in diesen Tagen ihre bärische Wahrnehmung. So wird auch darauf verwiesen, dass der US-Benzinverbrauch wieder unter den Erwartungen bleibt. Das ist bereits seit Jahren so. Möglicherweise sind die Emittenten dieser preisdrückenden Botschaft allerdings voreingenommen und haben das neue Workbook von BP über die Energielage auf der Welt nicht richtig gelesen. Dort finden sie nämlich Merkwürdiges zum Thema, das zur Vorsicht vor allzu bärischer Einstellung gebietet.

Im letzten Jahr blieb die Menge bekannter Ölreserven konstant. Bisher stieg die Zahl mit ganz wenigen Ausnahmen Jahr für Jahr. Die weltweite Rohölproduktion stieg um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Verbrauch von Ölprodukten wuchs hingegen um 1,4 Prozent. Die bisherige Sprechweise lautete, das Angebot wächst schneller als die Nachfrage. Das galt in 2012, in 2013 aber nicht.

Die USA, der weltgrößte Verbraucher, haben tendenziell eine rückläufige Ölnachfrage. Im letzten Jahr stieg sie um 2,1 Prozent. Ob es sich um eine Ausnahme oder um einen Trendbruch handelt, wird sich erst im nächsten Jahr zeigen. Da auch vor einem Jahr von einem unerwartet schwachen Nachfragewachstum bei Benzin die Rede war, ist der Zuwachs im Gesamtverbrauch allemal bemerkenswert. Immerhin, die US-Rohölproduktion explodierte förmlich mit einer Steigerung von 13,5 Prozent. Kanada schaffte ebenfalls ein beeindruckendes Plus von 6,0 Prozent. Beide Länder zusammen haben einen Anteil von 15,5 Prozent an der weltweiten Ölproduktion.

Unter den großen Produzenten verzeichnen Iran, Nigeria, Norwegen und Libyen die größten Einbrüche der Ölförderung. Mit Ausnahme von Norwegen, dessen Produktion natürlicherweise sinkt, können die anderen Länder erneut erstarken, wenn die politischen Umstände das erlauben. Unter den Verbrauchern sind die größten Treiber China, Russland, Saudi Arabien, Brasilien und Iran. Rechnerisch kann ihr Nachfragezuwachs problemlos durch die Produktionssteigerung in Nordamerika gedeckt werden. Insofern hat die Aussage, die Produktion wächst schneller als die Nachfrage, wenigstens für die starken Ölländer einen wahren Kern.

Das Fazit der neuen BP-Zahlen kann wie folgt gezogen werden: Der Ölmarkt hat in diesen Jahren eine ausgewogene Phase, die vor Preisexzessen schützen sollte. Grund für einen sorglosen Blick in die Zukunft gibt es aber nicht. Das gilt allemal, wenn man an die Klimafolgen des Ölverbrauchs denkt, wobei der Stoff nur einer von den CO2 emittierenden Fossilen ist.

Heute Morgen pendeln die Ölnotierungen unaufgeregt auf und ab. Sie halten das Niveau, auf das sie gestern Abend herabgestiegen sind. Die Tonne Gasöl kostet 893,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 103,49 Dollar und in London zu 110,03 Dollar gehandelt. Für einen Euro erhält man 1,3598 US-Dollar.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben erneut nach. Sie tasten sich immer näher an die Grenze des kurzfristigen Aufwärtstrends heran. Damit kommt die Frage, hält er oder fällt er, wahrscheinlich noch in dieser Woche auf die Agenda.

Im Binnenmarkt sehen wir ein ausgewogenes Kaufinteresse. Der Handel hat keine Mühe, die Bestellungen abzuwickeln. Er könnte mehr vertragen. Entsprechend befinden sich noch Rabatte in den Preisen. Sie beflügeln die Kauflaune kaum, da sie im Vergleich zu den Abschlägen der Börsenvorgaben gering ausfallen. Unser Heizöl-Kaufbarometer zeigt, dass Kunden weiterhin mit angezogener Bremse bestellen. Die Preise gefallen ihnen offensichtlich noch nicht wirklich.

Unser mathematisches Tiefpreis-System gibt ihnen Recht. Ein echtes Kaufsignal fehlt nicht nur gefühlt, sondern auch rechnerisch. Das heißt aber nicht, dass ein Kauf derzeit falsch wäre. Wenn ein leerer Tank befüllt werden muss, sollte man den Preisrückgang der letzten Tage als Einladung zur Bestellung verstehen. Unsere Leser schätzen die kurzfristige Preisentwicklung weiterhin sehr positiv ein. Wer es sich aufgrund des Füllgrades im Tank leisten kann, spekuliert folglich auf tiefere Preise. Wenn man sich des Risikos bewusst ist und die Preisbildung eng verfolgt, ist das eine ratsame Einstellung.

Der aktuelle Preisrückgang steht noch im Rang einer Gegenbewegung zum Aufwärtstrend der letzten Wochen. Als Trend können wir ihn nicht interpretieren. Das könnte sich in Kürze ändern, wenn die Abwärtsbewegung beispielsweise durch eine dauerhafte Steigerung der libyschen Öllieferungen weiteren Schub erhalten sollte. Anlass zur Hoffnung auf noch günstigeres Heizöl bietet allemal die längerfristige Preisbetrachtung. Sie zeigt einen Abwärtstrend an. Bleibt zu erwähnen, dass die aktuellen Heizölpreise unter dem Niveau der letzten drei Jahre zum gleichen Zeitpunkt liegen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

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