Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Winter, Kälte und keine Hektik

Internationaler Markt

Die Erwartungen an die globale Konjunkturentwicklung sind in diesem Jahr ambitioniert. Es liegen hübsche Prognosen von regierungsnahen Service- und Überwachungsinstitutionen wie IWF und IEA vor. Die Volkswirtschaften sollen ordentlich wachsen. Zunahme durch Konsum heißt die Losung für die jungen und sogar für die alten Ökonomien. Damit ist auch Öl gemeint. Die aktuellen Konjunkturdaten aus den USA und China setzen allerdings kein Ausrufezeichen unter die Wunschvorstellungen der Freunde des Wachstums. Sie sorgen für Fragezeichen.

Im Öl engagierte Finanzjongleure müssen schon auf den Winter zurückgreifen, um etwas bullische Stimmung aufkommen zu lassen. Im Nordosten der USA, wo das meiste Heizöl weltweit verbraucht wird, ist es schon wieder kalt. Hierzulande sollen die Temperaturen nun ebenfalls fallen. Die Heizölpreise legen selbstverständlich zu, aber nicht viel und in den USA mehr als in Europa. Dass der physische Markt in dieser Zeit, da das Angebot die Nachfrage tendenziell übertrifft, satt bullisch wird, ist schwer vorstellbar und noch schwieriger zu realisieren. Natürlich gibt es vielfältige Risiken für die Versorgung. Es gibt aber mindestens so viele Chancen, die sie stabilisieren oder sogar verbessern können. Das gestern beschlossene Ende der Kämpfe im Südsudan ist so eine Chance, die Aussicht auf ein endgültiges Abkommen im Atomstreit mit dem Iran ebenfalls. Der Aufbau der Infrastruktur zur Verbesserung der Ölströme innerhalb und außerhalb der USA ist bereits ein Fakt.

Einen bullischen Anstrich, dessen Lack aber sehr leicht blättern kann, gaben die aktuellen US-Bestandsdaten der Situation. Sie kommen mit einem geringeren Aufbau als erwartet in den Rohöllagern daher. Während die einen nun die Frage diskutieren, ob die Betreiber nicht mehr Öl bekommen können oder nicht haben wollen, erwarten die anderen den Aufbau einfach in der nächsten Woche. Alle gemeinsam nehmen sie zur Kenntnis, dass sie die Wirkung der Kälte auf die Heizölvorräte unterschätzt haben. Das ist, wie gesagt, der nachvollziehbar bullische Teil der momentanen Datenlage. Im Einzelnen gaben DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die beiden für die Bestandsberichte zuständigen Institutionen, Folgendes zu Protokoll:

Rohöl: +1,0 Mio. Barrel (DOE) bzw. +4,9 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -3,2 Mio. Barrel (DOE) bzw. -2,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: +2,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,1 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Abbau von 0,1 (DOE) bzw. ein Aufbau von 3,7 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung sank auf 87 Prozent. Über technische Störungen ist nichts bekannt. Also müssen dem Rückgang ökonomische Entscheidungen zugrunde liegen.

An den Börsen wurde gestern, nach anfänglichen Irritationen wegen der besseren Anbindung nordamerikanischen Öls an die Welt, plausibel agiert. US-Ölnotierungen stiegen, europäische Ölnotierungen sanken. Heute Morgen ist noch keine Tagesrichtung zu erkennen. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 920,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 97,49 Dollar und in London zu 107,50 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 73,07 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen so gut wie keine Bewegung, obwohl die Öl- und Dollarnotierungen an den Börsen Abgang nahelegen. Die sich ausbreitende Kälte hierzulande sorgt für die Auflösung der jüngst gewährten Rabatte des Großhandels. In Summe kommt dabei preislicher Stillstand heraus. Die Liefersituation ist derzeit noch entspannt. Die Aussichten sind kurzfristig allerdings wintergeprägt und längerfristig gedämpft verheißungsvoll. Sollte die Konjunktur insbesondere in den USA anziehen, würde der Dollar sicher teurer werden. Vom Ölmarkt kommen aber immer wieder bärische Impulse wegen der guten Angebotslage. Wer daraus seine Spekulation auf einen besseren Heizölpreis ableitet, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen über die Preisentwicklung. Wem Spekulieren missfällt, sei gesagt, dass Heizöl trotz des leichten Anstiegs der letzten Tage immer noch günstig ist. Sie können beherzt kaufen, ohne sich ärgern zu müssen. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: US-Bestandsdaten
Kältewelle in den USA
Winter kommt nach Deutschland
Libyen liefert weiterhin kaum Öl
US-Notenbank pumpt weiterhin viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Konjunkturdaten aus den USA und China schwach
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
Angekündigte Liefermengen aus der Nordsee
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet
Saudi Arabien befürchtet erhebliches Überangebot

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