Unseren neuen Kommentar für den 06.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Zeit für Weitsicht

Internationaler Markt

Presidents Day. Die New Yorker Broker hatten gestern frei. Der Börsenhandel war ein Schatten seiner selbst. Ölpreis- und Dollarentwicklung wirkten gelähmt. Das Notpersonal amerikanischer Agenturen entwickelte keine Nachrichten. Also wurde nichts Neues zum physischen Ölmarkt kolportiert. Gute Gelegenheit globale Gesamtvorräte glänzen zu lassen. Gemeint sind damit die Reserven, über deren Existenz und Förderbarkeit man klare Vorstellungen hat.

Sie entwickelten sich in den letzten Jahren prächtig. Die unterschiedlichen Datenauswertungen kommen allesamt zu ähnlichen Ergebnissen. Ein erster Report für dieses Jahr vom Oil and Gas Journal liegt bereits vor. Darin werden die Verfügbarkeiten abermals heraufgestuft, allerdings weniger stark als früher. Man ist aktuell wohl mehr mit der Entwicklung der Quellen als mit ihrer Auffindung beschäftigt. In den letzten zehn Jahren stiegen die globalen Ölreserven um 30 Prozent, die Ölreserven der OPEC sogar um 38 Prozent und die globalen Gasreserven um 16 Prozent. Fast die Hälfte der Ölreserven lagern rund um den Persischen Golf. Nord- und Südamerika gemeinsam verfügen über 33 Prozent der Vorräte. Den Rest teilen sich im Wesentlichen Europa und Afrika, wobei Sibirien in dieser Betrachtung Europa zugeschrieben wird. Asien ist arm an Öl. In einer nationalen Betrachtung ist Venezuela die Nummer Eins der ölreichen Länder, gefolgt von Saudi Arabien, Kanada und einigen Golfstaaten.

Bei der aktuellen Förderung behält nur Saudi Arabien seinen Platz. Russland steht hier auf Eins, die USA auf Drei. Sie wollen ihre Förderung weiter steigern, bis 2016 um 26 Prozent. An Saudi Arabien und Russland werden sie trotz des ambitionierten Vorhabens aber nicht vorbeistürmen. In Westeuropa ist Norwegen das einzig verbliebene nennenswerte Ölland. Die Produktion sinkt. Die Reserven steigen zwar, aber dennoch werden sie bei aktueller Förderrate nur noch elf oder zwölf Jahren reichen. Westeuropa hat keine Chance auf Selbstversorgung.

Auch wenn der letzte Satz unbefriedigend klingt, ist die Gesamtlage am Ölmarkt beruhigend, zumal die prognostizierte jährliche Nachfragesteigerung in den kommenden 20 Jahren im Mittel 0,8 Prozent betragen soll. Sie kommt von den Schwellenländern. Die alten Industrienationen werden ihren Ölverbrauch eher drosseln. Die Nachfrage der anderen großen Energieträger, Gas und Kohle, soll schneller zulegen. In 2035 werden nach den Modellrechnungen von BP alle drei fossilen Energieträger einen Anteil von 27 Prozent am Gesamtaufkommen haben. Den Rest besorgen die Erneuerbaren.

Weniger beruhigend als die Angebotslage sind die Konsequenzen der weltweit wachsenden Energienachfrage, plus 41 Prozent bis 2035. Das Klima und der Temperaturhaushalt der Erde werden definitiv verändert. Wenig befriedigend ist zudem der hierzulande praktizierte Versuch, die Energieversorgung auf Nachhaltigkeit zu trimmen. So beträgt der Anteil der für die Bürger sehr teuren Solarenergie am Endenergieaufkommen derzeit lediglich ein Prozent. Ein Prozent Energie ohne Nutzenverzicht einzusparen, wäre um Längen günstiger. Es gibt keinen Zweifel daran, dass wir in den nächsten Jahrzehnten dramatische Veränderungen in unserem Energiehaushalt durchsetzen müssen. Es ist aber höchst zweifelhaft, dass die Energie der Sonne in einem an Sonne unsicheren und armen Land das Mittel der Wahl ist. Politisch ist das Thema zu einer grünen Gesinnungsfrage verkümmert. Die Energiewende verlangt aber die Auseinandersetzung mit Vernunftfragen.

Heute kommt das Leben zurück an die Ölbörsen. Noch dümpeln die Preise ohne erkennbare Tendenz dahin. Das wird sich am Nachmittag eventuell ändern. Wir haben keine Idee, wohin die Reise gehen wird. Am langen Ende, das heißt über Monate, wird es wahrscheinlich freundlich für Verbraucher bleiben. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 927,00 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 100,62 Dollar und in London zu 109,10 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,95 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigen wenig Bewegung. Sie sind etwas teurer als gestern. An den Börsenvorgaben liegt es nicht. Nun ist der Binnenmarkt mit seinen Rabattschwankungen ursächlich. Der Handel geht oft weit an die Schmerzgrenze der Vergünstigung. Bisweilen muss er dann die Notbremse ziehen. Sie kennen das von den Benzinpreisen. Ungeachtet der aktuell durchwachsenen Lage für die Preisentwicklung sind wir auf mittelfristige Sicht positiv gestimmt. Wer auf günstigeres Heizöl spekulieren möchte, findet eine aussichtsreiche Marktlage vor. Aber nicht vergessen, hier sind Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen gefragt. Wer Spekulieren unanständig oder nervig findet, soll wissen, dass Heizöl derzeit recht günstig ist. Es kostet soviel wie vor drei Jahren. Diese Entspannung bietet kein anderer Energieträger. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen liefert weiterhin kaum Öl
US-Heizölvorräte knapp
Öllieferungen aus der Nordsee sollen sinken
US-Notenbank pumpt immer noch viel Geld in den Markt

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
US-Notenbank drosselt die Geldpumpe weiter
Weitere Steigerung des globalen Rohölangebots erwartet

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