Unseren neuen Kommentar für den 09.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Ziemlich bullisch

Internationaler Markt

Die Ölbörsen haben mit Ägypten und Libyen zwei originäre Themen, die derzeit für Preisauftrieb sorgen. Die Umstände sind zwar miserabel. Sie zu kommentieren, ist allerdings dankbarer, als wiederkehrende Einlassungen über das globale Konjunkturdatenroulette verfassen zu müssen. Als Problem für den Ölmarkt könnte sich Libyen entpuppen. Dort kämpfen Bevölkerung und Ölarbeiter für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen. Dadurch hat das Land aktuell zwei Drittel seiner Lieferfähigkeit verloren. Mit einer Produktionskapazität von 1,5 bis 2 Mio. Barrel ist Libyen insbesondere für Europa wichtig. Der Ausfall während des Umbruchs 2011 sorgte für eine in diesem Chart gut erkennbare Preisspitze. Sie könnte sich schlimmstenfalls wiederholen. Andererseits finden Kunden momentan Alternativen zum libyschen Öl. Dieser Umstand verschlechtert die Wirtschaftsbedingungen des Landes. Um sie nicht gänzlich zu verspielen, könnte die Regierung zu der Entscheidung kommen, die Ordnung mit Hilfe des Militärs wiederherzustellen. In Ägypten ist dieser Fall bereits eingetreten. Es ist unwahrscheinlich, dass die Ölinfrastruktur dort nennenswert ausfällt. Im Gegensatz zu Libyen wird der ägyptische Versuch, eine akzeptable Ordnung zu erlangen, durch ein Trommelfeuer bornierter westlicher Diplomatie mit haarsträubenden Vergleichen aus der jüngeren Geschichte und vom saturierten Intellekt des materiellen Wohlstands begleitet. Die Bedeutungsschwere der Ratschläge und Vorwürfe erfasst auch Finanzjongleure. Die stufen Ägypten als große Gefahr für die Ölversorgung ein. Auch dieser Sturm hilfloser Kommunikation wird vorübergehen. Weiter im Westen werden in den kommenden Wochen Wetterstürme aufziehen. In den USA beginnt die Hurrikansaison. Noch läuft die Ölversorgung dort ungestört.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise zeigten zum Wochenende wenig Bewegung, obwohl die Ölbörsen weiter bullisch sind. Im Binnenmarkt wurde der Auftrieb gedämpft, indem die Margen reduziert wurden. Dieser Effekt funktioniert nur bei sehr schwacher Nachfrage. Er wird in Kürze wieder verschwinden. Auch wenn die aktuelle Situation nicht dazu geeignet ist, bessere Preise zu erwarten, sehen wir einigermaßen hoffnungsvoll dem weiteren Jahresverlauf entgegen. Nach unserer Einschätzung ist eine Rückkehr der Heizölpreise auf ein Niveau um 80 Cent bei 3.000 Liter Liefermenge möglich. Dazu muss sich die Lage in Nordafrika allerdings beruhigen. Wer starke Nerven hat, setzt auf billigeres Heizöl im Herbst. Wer derlei Spekulation nicht schätzt, soll wissen, dass Heizöl deutlich billiger ist als vor zwölf Monaten. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass es schlau ist, sich um die Reduzierung des eigenen Verbrauchs zu kümmern. Wer nicht in den zukünftigen Minderverbrauch investieren mag, könnte mit dem Kauf von Zertifikaten den CO2-Ausstoß des verfeuerten Heizöls kompensieren. Infos dazu gibt es hier.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Sorge um ägyptische Transportwege für Öl
Blockaden gegen die Ölwirtschaft Libyens
Ein paar gute Konjunkturdaten aus Europa und USA
Fortsetzung der lockeren Geldpolitik
Einige kleinere Infrastrukturstörungen

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Gute Konjunkturzahlen schüren Sorge über Ende der lockeren Geldpolitik
Alte Industrienationen brauchen immer weniger Öl
Viele Länder melden steigende Ölproduktion
Hohes Ölangebot am Weltmarkt

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