Unseren neuen Kommentar für den 05.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Zocker lassen noch nicht locker

Internationaler Markt

Während die Anbieter Öl pumpen, als ließe es sich morgen nicht mehr verkaufen, und dabei den einen oder anderen Rekord aufstellen, bleibt die Nachfrageentwicklung weitgehend im Unbekannten verborgen. Der Ölverbrauch ist wohl stärker gestiegen als vor einem Jahr prognostiziert wurde. Er ist aber weniger stark gestiegen als das Angebot. Einen wirtschaftlichen Wachstumsimpuls vermochte der aufgrund des hohen Angebots gesunkene Ölpreis nicht auszulösen. Die erhöhte Nachfrage ist allenfalls ein Zeichen für gestiegene Verschwendung eines verbilligten Produkts. Was genau auf der Nachfrageseite geschieht, ist noch en détail zu untersuchen.

Über die Angebotsseite weiß man sehr viel mehr. Nehmen Sie beispielsweise die folgenden Zahlen zum globalen Produktionsanstieg innerhalb der letzten zwölf Monate von Petroleum Intelligence Weekly. Das Angebot wuchs um 3,8 Mio. Barrel pro Tag oder vier Prozent. Daran waren Saudi Arabien mit 1,0 Mio. Barrel, die USA mit 0,9 Mio. Barrel, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 0,4 Mio. Barrel, der Irak mit 0,3 Mio. Barrel, Brasilien mit 0,2 Mio. Barrel und der Rest der Welt mit 1,0 Mio. Barrel beteiligt. Seit ein paar Monaten verschiebt sich die Angebotsdynamik von den USA hin zu anderen Anbietern.

Trotz dieser Entwicklung verdoppelten Finanzjongleure die Nettozahl ihrer Kontrakte auf steigende Preise, sogenannte Longpositionen, seit Mitte März dieses Jahres um über 50 Prozent. Die Ölpreise zogen konsequenterweise an. Viele Marktteilnehmer wähnen darin eine Blasenbildung erheblichen Ausmaßes. Nach 2008 kauften große Investmenthäuser Ölfirmen, um am gewinnbringenden Ölhandel besser teilhaben zu können. Derzeit stoßen sie die Firmen wieder ab. In den letzten Monaten konnten wir vermehrt beobachten, dass diese Investmenthäuser, z.B. Goldman Sachs und Morgan Stanley, mit ihren Preiseinschätzungen eher die Position eines Ölhändlers als eines Finanzjongleurs vertraten, das heißt eher fallende als steigende Preise prognostizierten. All das zeigt, dass die aktuellen Ölpreise kein hohes Vertrauen unter Fachleuten genießen. Es zeigt möglicherweise aber auch, dass sich schon wieder eine neue Generation von Finanzjongleuren entwickelt, die sich noch weiter vom Realmarkt entfernt als ihre Vorgänger in den großen Investmenthäusern.

Wäre unserer Geld- und Finanzsystem intakt, wäre die Prognose sinkender Ölpreise schnell und sicher vollzogen. Da erstes nicht der Fall ist, bleibt die Angelegenheit so unkalkulierbar wie ein Bingospiel. Immerhin, die Preisrallye der letzten Wochen scheint vorüber zu sein. Es sieht nun eher so aus, als läge Abwärts näher als Aufwärts. Bis zu einer klaren Entscheidung schaukeln die Ölpreise seitwärts. Gleiches gilt für die Heizölpreise.

Heute Morgen geben die Ölbörsen Zeichen abwärts zu streben. Eine Trendaussage ist das aber noch nicht. Der Dollar macht das Gegenteil, er steigt. Auch dieses streng konträre Verhalten deutet auf Finanzspielchen hin, die wenig mit dem Realmarkt zu tun haben. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 606,00 Dollar . Das Barrel Rohöl wird in New York zu 59,21 Dollar und in London zu 65,91 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 0,8850 Euro . Damit kostet der Euro 1,1300 Dollar .

Nationaler Markt

Die Heizölpreise bleiben auf Seitwärtskurs im Aufwärtstrend, wie die 3-Monats-Ansicht der aktuellen Heizölpreis-Tendenz zeigt. Das ist ein Zeichen für Unklarheit bei der Preisbildung. Vielleicht steckt darin mangelndes Wissen über den Markt. Wahrscheinlich steckt darin aber der Einfluss einer neuen Zockergeneration, für die solches Wissen uninteressant ist. Ihr reichen Chaos- und Spieltheorie zur Ausführung von gewinnbringenden Finanzgeschäften.

Der Binnenmarkt läuft ruhig. Bestellungen kleckern verhalten herein. Nur die Hoffnung auf günstigeres Heizöl zeigt ein wenig Leben. Unser Schwarm-O-Meter für Heizöl, das das Kaufverhalten der Kunden ins Verhältnis zu ihren Preisanfragen setzt, und die Lesereinschätzung zur Preisentwicklung zeigen die Lage entsprechend an. Das eine steht auf mittlerem Niveau für die Kaufbereitschaft, das andere auf einem sehr soliden Mehrheitswert für die Erwartung an fallende Heizölpreise.

Das mathematische Tiefpreis-System zeigt keine Kaufsignale mehr an. Dieser Umstand unterstützt die Markthaltung der Beobachter. Die Signale werden definitiv wieder kommen. Es ist gut möglich, dass die Preise dann tatsächlich tiefer liegen als heute.

Die Preistrends geben indifferente Zeichen ab. In den kurzfristigen Einstellungen weisen sie aufwärts. In den längerfristigen Ansichten zeigen sie Wimpel. Das sind Konstellationen, die auf eine bevorstehende Neuausrichtung der Ölpreise hindeuten. Danach kann es aufwärts oder abwärts gehen. Beides ist möglich. Wir sehen längerfristig wieder Preispotenzial nach unten.

Unser simpler Rat an alle Unentschlossenen lautet: Wenn Ihr Tank demnächst eine Füllung verlangt, sollten Sie kaufen. Seien Sie einfach mit dem gewaltigen Preissturz, von dem immer noch ein ordentlicher Anteil verblieben ist, zufrieden. Wenn Sie genügend Heizöl im Tank haben, über ein gutes Nervenkostüm verfügen, um unliebsame Preisentwicklungen zu ertragen, und den spekulativen Kick lieben, sollten Sie es riskieren, auf bessere Preise zu setzen.

Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

Uns ist Ihre Meinung wichtig. Schreiben Sie mir direkt unter
E-Mail: KlausBergmann@esyoil.com

Presse-Kontakt

Weitere Informationen