Unseren neuen Kommentar für den 08.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Zum Drehen bereit

Internationaler Markt

Mit gutem Blick und gutem Willen kann man in den kurzfristigen Notierungen für Rohöl der Sorte Brent und Gasöl Abwärtstrends erkennen. Diese passen zur immer wieder hervorgehobenen Marktsituation, gutes Angebot trifft auf moderate Nachfrage. In den letzten zwei Wochen wurden die Trends aufgrund des Ost-West-Konflikts um die Krim ramponiert. Nun deutet sich an, dass die abwärts gerichteten Spuren wieder aufgenommen werden. Hierfür spricht sowohl die Charttechnik als auch die politische Entwicklung.

Charttechnisch ist die Lage simpel. Finanzjongleure und ihre Computerprogramme reduzierten in den letzten Tagen die bullische Dynamik. Da diese Angelegenheit mit der Ankunft der Preise am oberen Rand der Trendkanäle zusammenfällt, liegt es nahe, dass dieser Rand als Höchstmarke bestätigt wird. Von nun an sollte es wieder bergab gehen.

Politisch sieht die Lage verworrener aus. Russland und der Westen unter Vorherrschaft der USA führen keinen Dialog um die jeweiligen Interessen und ihren Ausgleich. Sie spulen im Gespräch allenfalls ihre Standpunkte ab. Russland ist es immerhin gelungen, seine Interessen zu vermitteln. Es will ein Näherrücken der NATO unter allen Umständen verhindern und es will die mehrheitlich russisch bevölkerte Krim als Teil seines Staates behalten. Die Äußerungen der USA und der EU lassen hingegen Klarheit an ihren Interessenlagen vermissen. Die kommunizierte Version, Durchsetzung des Völkerrechts gegen die russische Annexion der Krim, ist angesichts eigener Völkerrechtsverletzungen in der jüngeren Geschichte wenig glaubhaft.

Wahrscheinlicher ist hingegen, dass die USA den Konflikt als Chance nutzen, einen Keil in die prinzipiell gut funktionierende Vernetzung Russlands mit der EU zu treiben, um eigene Geschäfts- und Machtinteressen zu verfolgen. So würde die amerikanische Öl- und Gaswirtschaft beispielsweise gerne ihre derzeit recht üppig vorhandenen Rohstoffe in Europa verkaufen. Das wäre nur möglich, wenn die russische Versorgung zurück gedrängt werden würde. Hiergegen opponiert ein Teil der europäischen Wirtschaftselite. Dieser Umstand konterkariert die klischeehafte Anti-Russland-Politik der EU, die nicht in die Tradition der letzten Jahrzehnte passt. Die kommunikative Stärkung europäischer Wirtschaftinteressen verdrängt den wenig friedvollen politischen Diskurs. Dieser krankt seitens der EU ohnehin am fehlenden intrinsischen Interesse an der Ukraine. Die Gemeinschaft wurde dort erst aktiv, als Russland dem Land Avancen machte.

Die öffentliche Meinung wird nun erneut von Russland besser bedient als vom Westen, indem das zuvor an die ukrainische Grenze befehligte Militär teilweise zurück beordert wird. Ein einfacher Trick zeigt Wirkung. Die Ölbörsen beginnen Entspannung zu handeln. Wenn die russische Versorgung Europas nicht mehr infrage gestellt ist, wird sich das in fallenden Preisen zeigen. Ein Umschwenken auf amerikanisches Öl und Gas würde die Preise dagegen in die Höhe treiben, weil die Mengen für die Nachfrage auf zwei verbrauchsstarken Kontinenten zu gering sind.

Neben der Hoffnung, dass der unnütze Ost-West-Konflikt nun auf Deeskalationskurs gelangt, gibt es weitere Umstände, die für ein Umkehren der Ölpreisbewegung sprechen. Aus China kommen abermals schwache Konjunkturdaten. Die Meinung verfestigt sich, dass das Land Dynamik und damit auch die zügellose Steigerung seines Rohstoffhungers verliert. Schwache Konjunkturdaten kommen auch aus den USA. Diese werden von Äußerungen der neuen FED-Chefin, Janet Yellen, begleitet, die das Zurückfahren der lockeren Geldpolitik verlangsamen will. Sie begründet das mit der Sorge um den Arbeitsmarkt. Die US-Wirtschaft ist weiterhin auf umfangreiche Kredite angewiesen, um wenigstens ein paar zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Der größte Teil des munter geschöpften Geldes fließt allerdings in die Finanzmärkte. Dort werden Aktientitel befeuert. Um das im Verhältnis zum Angebot weniger nachgefragte Öl muss man sich als mögliches Ziel dieses Geldes weniger Sorgen machen (Abwesenheit des Ost-West-Konflikts vorausgesetzt). Verbraucher dürfen sich hingegen über eine erneute Aufweichung des Dollars freuen.

Heute Morgen lassen sich die Bewegungen in die beschriebene Richtung nur erahnen. Sichere Realität sind die noch nicht. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 896,25 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,05 Dollar und in London zu 107,48 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,51 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise drehen die Richtung im richtigen Moment, gerade bevor sie ihren Trend nach oben durchbrechen. Das macht Hoffnung auf eine Rückkehr der guten Abwärtsbewegung. Die noch sehr vorsichtigen Vorgaben für die Preise kamen von den Öl- und Dollarnotierungen. Der Binnenmarkt trägt nichts zum Geschehen bei. Er ist ruhig bis scheintot. Die Preisaussichten stehen und fallen mit der Politik. Wenn diese weiterhin auf friedliche Zusammenarbeit mit Russland setzt, wird alles gut und Heizöl billiger. Wer darauf spekuliert, braucht Risikobewusstsein, ein wenig Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wenn es mit der Politik nicht klappt, handelt der spekulative Käufer mit Zitronen. Dann wird Heizöl teurer und ein Brief an die Kanzlerin fällig. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die prinzipiell freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

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