Unseren neuen Kommentar für den 04.12.16 finden Sie hier.


Heizölpreise: Zurück in die Vorwoche

Internationaler Markt

Der Pulverdampf um die Ukraine verfliegt schneller als der Medienbranche lieb ist. Während die Berichterstattung weiterhin kriegsschwanger klingt, hat die unter noch mehr Speed stehende Finanzszene bereits die Bremse getreten. Die Börsen sind in Normalmodus zurückgekehrt. Für den Ölmarkt heißt das, die Abwärtswelle der Vorwoche wird fortgesetzt. Es handelt sich im Wesentlichen um eine charttechnische Bewegung, die dem Psychokern der Finanzjongleure entspringt. Die physische Marktlage begünstigt derartig motivierte Preisbewegungen.

Die US-Bestandsdaten unterstreichen diese Einschätzung. DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute), die berichtenden Institutionen, zeichnen mit ihren erhobenen Zahlen ein entspanntes Marktbild. Das harte Winterwetter in den USA konnte die Heizölversorgung nicht weiter unter Druck setzen. Im Gegenteil, die Füllstände der öffentlichen Lagertanks steigen. Höhere Füllstände gibt es auch in den Rohöltanks. Hier macht sich der einsetzende Nachfragerückgang der Raffinerien bemerkbar, die die Umstellung auf die Produktion von Sommerware beginnen. Fallende Füllstände gibt es hingegen bei Benzin. Da die Benzinnachfrage ebenfalls fällt, geht hiervon keine preisrelevante Wirkung aus. Die Veränderung der Bestandswerte zur Vorwoche lautet wie folgt:

Rohöl: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +1,2 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -0,3 Mio. Barrel (API)
Benzin: -1,6 Mio. Barrel (DOE) bzw. -1,2 Mio. Barrel (API)

In Summe ergibt sich ein Aufbau von 1,2 (DOE) bzw. ein Abbau von 0,3 (API) Mio. Barrel. Die Raffinerieauslastung beträgt 87 Prozent.

In den nächsten Tagen dürften die bekannten kleinen Wunden beim Ölangebot wieder auf das Parkett kommen, Libyen, Südsudan, Venezuela, wo Ausfälle eingetreten sind oder einzutreten drohen. Sie sind der Hemmschuh für durchfallende Preise. Aus den volkswirtschaftlichen Abteilungen von Regierungen, Nichtregierungsorganisationen, Instituten und Finanzdienstleistern kommen weiterhin unklare Konjunkturdaten, frei nach dem Titel „heute so, morgen so“.

Nachdem die Ölbörsen gestern einen flotten Abgang hinlegten, stehen sie aktuell still. Man sucht mal wieder nach der Tageslosung. Die könnte durchaus „abwärts“ heißen. Schauen wir mal, ob die Finanzszene das auch so sieht. Die Tonne Gasöl kostet aktuell 909,50 Dollar. Das Barrel Rohöl wird in New York zu 101,09 Dollar und in London zu 107,94 Dollar gehandelt. Der US-Dollar kostet 72,83 Eurocent.

Nationaler Markt

Unsere Heizölpreise geben nach. Ihr Abwärtstrend ist wieder da. Gestern kamen die Vorgaben hierzu unzweifelhaft von den Ölnotierungen. Das bot dem Handel im Binnenmarkt die Chance, die niederschmetternd niedrigen Margen ein wenig aufzubessern. In anderen Worten, die Rabatte wurde etwas reduziert. Heraus kam dennoch ein neuer Jahrestiefstand der Heizölpreise. Er ist gleichzeitig ein 30-Monatstief. Die Aussichten für noch günstigere Preise sind recht gut, nicht unbedingt morgen und übermorgen, aber im Verlauf der kommenden Wochen. Wer darauf setzt, braucht Risikobewusstsein, Geduld, eine ausreichende Restmenge Heizöl im Tank und unsere zeitnahen Informationen. Wem das zu unsicher ist, sagen wir, dass die Heizölpreise bereits gut sind. Man macht nichts falsch, wenn man jetzt ordert. Im Übrigen sind wir der Meinung, dass wir alle verbrauchsreduzierende Maßnahmen und Verhaltensweisen entwickeln müssen, um zukunftsfähig zu sein. Die freundliche Marktausrichtung ist kein Dauerzustand.

Der Markt in Stichworten

preistreibende (bullische) Einflüsse auf Heizöl: Libyen liefert weiterhin kaum Öl
Produktionsausfälle im Südsudan
Unruhen in Venezuela
US-Heizölvorräte knapp

preisdrückende (bärische) Einflüsse auf Heizöl: Schwache Konjunkturdaten
Rohölnachfrage der Raffinerien sinkt zum Frühjahr
US-Öl über neue Pipeline besser verfügbar
Atomverhandlungen mit dem Iran laufen wieder

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